2017-06-24

Waistcoats & Weaponry (Finishing School III)

Eigentlich wollte ich ja sehen, ob das dritte Buch von Ms Schwab mich weniger ärgert, als das zweite, aber aus verschiedenen Gründen bekomme ich momentan nicht genug Schlaf und auch wenn das bedeutet, dass meine Lese-Geschwindigkeit drastisch zugenommen hat, sinkt meine Gedult mit unzufriedenstellend umgesetzten Ideen meist rapide, wenn ich müde bin.;-)
Aus diesem Grund habe ich mich für eine Nervenschonendere Variante entschieden und erstmal eine der anderen Serien weiterverfolgt, die grade so offen sind: Finishing School Teil 3

Sophronia continues her second year at finishing school in style--with a steel-bladed fan secreted in the folds of her ball gown, of course. Such a fashionable choice of weapon comes in handy when Sophronia, her best friend Dimity, sweet sootie Soap, and the charming Lord Felix Mersey hijack a suspiciously empty train to return their chum Sidheag to her werewolf pack in Scotland. But when Sophronia discovers they are being trailed by a dirigible of Picklemen and flywaymen, she unearths a plot that threatens to throw all of London into chaos. With her friends in mortal danger, Sophronia must sacrifice what she holds most dear--her freedom.
Und was soll ich sagen? Die Entscheidung war goldrichtig, denn sie hat meinen Glauben an die schreiberische Menschheit insofern wieder hergestellt, als dass es eben auch immer wieder mal Serien gibt, die besser werden, je länger sie laufen.;-)

Man mag sich ja erinnern, dass meine Einschätzung der Serie "nett, spannend, nur nicht besonders tiefsinnig" sich eigentlich kontinuierlich fortgesetzt hat. Und dann natürlich die Frau zwischen 2 Männern - ehrlich manchmal muss man denken, dass es keine anderen Plotpoints mehr gibt...

Trotzdem muss ich meine eigenen Worte insofern fressen, als dass in Teil 3 von Finishing School diese Dreiecks-Geschichte mir dann doch plötzlich wieder Spaß gemacht hat, was aber auch daran liegt, dass die Autorin sich in diesem Fall wirklich was dabei gedacht hat.

Sophronia ist auch eine Heldin, der vieles gelingt, aber das liegt daran, dass sie talentiert ist und clever und gut in der Ausbildung, die sie unterläuft und nicht einfach nur daran, dass sie sich irgendwas in den Kopf gesetzt hat. Außerdem sind ihre beiden Männer mit ihr in einem Beziehungsgeflecht verwickelt, das Dinge mit ihr macht, pendelnde Loyalitäten, Unsicherheit bezüglich der eigenen Gefühle und diverse komplizierende äußere Einflüsse inklusive.
Sowas finde ich dann wieder spannend, denn es trägt zur Entwicklung des Hauptcharkters bei, was der Tiefe der Geschichte hilft und es hat tatsächlich Auswirkungen und Wechselwirkungen auf die Figurenkonstellation.
Es ist nicht einfach nur ein dummer Plotpoint, der dem leser hingeworfen wird, weil man zu faul ist sich eine vernünftige Backstory auszudenken...aber ich meckere schon wieder.;-)

Bleiben wir mal beim eigentlichen Thema und halten fest: Je länger die Autorin in diesem Fall Zeit hat ihre Figuren zu entwickeln, desto mehr Spaß machen sie mir und desto weniger kommt das "ist platt, aber nimmt sich halt auch nicht so furchtbar ernst" Thema zum Tragen.

Ich fühle mich daher völlig wohl damit 4 von 5 Brieföffner zu vergeben. Teil 4 habe ich mir schon geordert und bin sehr gespannt auf das Finale!:-)

2017-06-17

Sing

So Film 2 aus dem Film Mittwoch und wie ich schon sagte, kann man sich vermutlich schon irgendwie denken wer welchen Film sehen wollte...;-P

Ich muss gestehen, ich wollte den Film vor allem deswegen auf meiner Watchlist, weil ich es lustig fand, dass der Gorrilla Panzerknacker Gang-Leader einen so fetten britischen Akzent spazieren führt. Keine Ahnung warum, aber ich fand das schon großartig lustig...rettet sich vermutlich nur nicht in die deutsche Synchro...



Trotzdem fand ich Sing sehr unterhaltsam, auch wenn alle Rezis, die ich so konsumiert habe, in dem Punktabzug "platte Story" vermutlich Recht haben. Ja, die Geschichte Theater pleite, richtet Gesangwettbewerb aus, läuft etwas aus dem Ruder, lässt sich tatsächlich in so wenigen Worten zusammenfassen und die Figuren sind auf ihre Art natürlich auch die typischen Casting-Show-Archetypen, aber irgendwie hat mich das überhaupt nicht gestört.

Eine rudimentäre, aber wenigstens glaubhafte Story ist ja besser als 95 Twists, die nur da sind, damit sie da sind, oder Logikkrater aufreißen, wo keine sein müssten.;-) Und ansonsten geht's eben vor allem darum dass lustige animierte Tiere Pop-Songs zum Mitswingen zum Besten geben und das funktioniert für mich total. Habe mir gleich am nächsten Tag den Soundtrack runtergeladen und auf meine Playliste gepackt für den garantierten Gute Laune Faktor.

Hier zu sehen im Trailer:


Ich denke ein Film der Gute Laune herstellt, muss schon einen goldenen Gummipunkt bekommen und deshalb komme ich trotz überschaubarem Plot und Figuren-Reichtum auf 4 von 5 Tintenfische. Für die Background Beleuchtung sollte das reichen.;-)

2017-06-10

Norse Mythology

Ich hatte ja schon angekündigt, dass zu meiner Serendipity Inspirationsauswahl für ein eventuelles neues Projekt auch Mythologie gehört, auch wenn ich noch nicht so genau weiß, was man damit anfangen könnte. Tatsächlich habe ich mir Norse Mythology aber vor allem wegen dem Cover gekauft, das mal wieder großartig ist.;-)

Introducing an instant classic master storyteller Neil Gaiman presents a dazzling version of the great Norse myths. Neil Gaiman has long been inspired by ancient mythology in creating the fantastical realms of his fiction. Now he turns his attention back to the source, presenting a bravura rendition of the great northern tales. In Norse Mythology, Gaiman fashions primeval stories into a novelistic arc that begins with the genesis of the legendary nine worlds; delves into the exploits of the deities, dwarves and giants; and culminates in Ragnarok, the twilight of the gods and the rebirth of a new time and people. Gaiman stays true to the myths while vividly reincarnating Odin, the highest of the high, wise, daring and cunning; Thor, Odins son, incredibly strong yet not the wisest of gods; and Loki, the son of giants, a trickster and unsurpassable manipulator. From Gaimans deft and witty prose emerges the gods with their fiercely competitive natures, their susceptibility to being duped and to dupe others, and their tendency to let passion ignite their actions, making these ancient myths breathe pungent life again.
Ich muss gestehen, dass ich mir ein dickeres Buch vorgestellt hatte, was aber vor allem daran liegt, dass ich auch die Erwatung hatte, dass hier die einigermaßen (zumindest im "schon mal sowas ähnliches gehört") bekannten Edda Sagen irgendwie fiktionalisiert als tatsächliche Kurzgeschichten umgestaltet werden würden.
Irgendwie passiert das aber nicht, der Text liest sich sehr wie typische Märchen, inklusive des Abriss von Ragnarok "Dann kamen A, B und C zum Schlachtfeld und kämpften, am Ende waren alle tot". Hm. Ja, im Märchen erzählt man das so und Mythologie ist der Sage und damit den Märchen natürlich eng verwandt.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich war trotzdem irgendwie ein bißchen enttäuscht. Märchen sind zum 99% Tell, weil halt Erzählungsüberlieferung und so bleiben die Geschichten (für mich) immer ein wenig platt und eindimensional, es gibt wenig Spannungsaufbau oder sowas wie Atmosphären- oder Charakterentwicklung. All das hatte ich mir jetzt mal einfach so versprochen, wenn man Neil Gaiman bittet Mythen "umzuschreiben". Ohne jetzt andere Übersetzungen und Neuinterpretationen der Edda zu kennen, kann ich jetzt nicht unbedingt sagen wo hier der einzigartige Stil des Autors durchschlagen soll...

Trotzdem sind die Geschichten an sich natürlich - wie viele Märchen - trotz aller "das muss man halt einfach mal so hinnehmen" Elemente und Dinge, die einfach mal in einem Nebensatz passieren, ohne irgendwie erklärt zu werden, an sich unterhaltsam.
Vor allem das Dreieck Odin-Thor-Loki ist hier um einiges interessanter als in der heute gängigeren  Marvel-Variante. Odin als weiser, gütiger König, Thor als der starke Held und Loki als Proto-Bösewicht ist eben doch eine sehr stark vereinfachte Vision von Göttern, die im Altertum erfrischend menschlich mehrdimensional sein durften, was die Dynamik viel spannender macht.;-)

Unterm Strich hat man hier einen netten Schmöker mit dem man ein sonniges Wochenende im Strandkorb verbringen kann - länger als 2 Nachmittage hält das Buch nicht, ich lese nicht sooo schnell;-) - und sich dabei bestimmt nicht langweilt. Nett, aber ich hatte mir mehr davon erhofft, ergibt also mal solide 3 von 5 Schachfiguren - das Wikingergötter schon Schach gespielt haben, war mir z.B. neu, man lernt also doch nie aus.;-)

2017-06-03

Mass Effect Andromeda. Oder: Time for a new type of hero.

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz der modernen Technologie zu sein: Never buy a game on bug-day. Will sagen, neu auf den Markt kommende Titel sind heutzutage oft noch so Feintuning Bedürftig, dass man zumindest den ersten oder zweiten Patch abwarten sollte.

Ich möchte jetzt mal nicht in die Diskussion verfallen, ob das eigentlich nur heißt, dass Entwickler-Studios sich heute auf der Tatsache ausruhen, dass es die Technologie gibt noch "nachzubessern", was vor Internet und Always-On halt auf Anhieb fertig sein musste, oder ob es einfach mit immer komplexeren Spielen, immer besserer Grafik, immer mehr von allem einfach unvermeidbar ist, dass auch die Fehleranfälligkeit steigt. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen und ohne irgendeine Ahnung vom Programmieren, Spiele-Entwickeln etc. fühle ich mich nicht berufen da Stellung zu beziehen.

Fest steht aber, dass es schon ganz gut war, dass ich bei meinem ersten Durchlauf von Mass Effect: Andromeda noch nicht so wirklich weit gekommen war, bis der erste Patch die teilweise echt unfreiwillig komischen "Gummi-Gesichter" Effekte behoben hat.
Es mag Leute geben, die das anders sehen, aber für mich sind die Figuren und Interaktionen beinahe das spannendste an Rollenspielen, da kann die Land-Map noch so toll aussehen, wenn meine Figur aussieht als wäre sie aus irgendeinem Igor Labor entkommen kann ich mich da nicht so ganz drauf einlassen.;-)
Berechtigte Beschwerden wegen unreifer Grafik aber mal außen vor gelassen (Patch 2 soll das noch ein wenig verbessert haben, ich bin auf den 2. Durchlauf gespannt!:-), sind die Land-Maps schon großartig. Man hat sich hier ausnahmsweise mal was Gutes bei Skyrim abgekukt, ohne dass der Wandersimulator Faktor zu schlimm wird, weil man ja wieder Panzer (sorry Erkundungsfahrzeug;-) fahren darf.
Ich kann zwar das Ding immer noch nicht steuern und denke eigentlich wäre es lustig, wenn die Insassen ab und zu ein paar Kotzgeräusche machen würden, wenn so Deppen wie ich fahren, aber vielleicht kommt das ja noch...;-)
Ansonsten ist für jeden Geschmack was dabei, Urwald, Wüste, Arktis und was alles dazwischen:
Jetzt macht eine super Grafik noch kein gutes Spiel, aber ich finde es einigermaßen atmosphärisch gelungen, wenn man nicht (siehe ME 1) immer durch dieselben 3 Hintergründe läuft.;-)

Das einzige, was für mich leider ein wenig hinter den Vorgängern zurück bleibt, ist der Soundtrack. Es gibt in dem ganzen Spiel nicht einen Track, der sich mir auf Anhieb eingeprägt hätte und meistens hab ich gar nicht gemerkt, dass da irgendwelche Untermalung ist. Das mag jetzt soweit ok sein, man muss ja nicht immer den Mega Bombast und die Lady of Soundtrack Sorrow rausholen, aber es wundert mich ein wenig, denn die letzten Bioware Installments ME3 und DAI sind da ganz weit vorne dabei und als Soundtracks fast zur Gänze auf meiner Playlist gelandet. Und wenn der Shuffel diese Tracks auswirft, dann weiß ich genau wo die herkommen und es entstehen sowas wie Erinnerungen, Emotionen und so ein Gedöns. Man kann also mit ein bißchen Musik viel machen, tut MEA aber nicht...schade!

So jetzt bin ich auf den Gummi Gesichtern rumgeritten und auf der fehlenden Musik und das einzige was dem bisher entgegen steht ist ein netter Umgebungs-Look. Muss ja trotzdem einen Grund haben, dass ich das Ding nochmal spielen würde, nicht?;-)

Und da muss ich sagen, ich bin wirklich tief beeindruckt von der Grundidee einen kompletten Bruch mit Allem Was Vorher War zu vollziehen. Wirklich, komplett, eigentlich beinahe alles (ein paar dünne Informations Ausläufer werden gestreut, vielleicht für die Fortsetzung) was in den ersten 3 Spielen lief, ist sowas von egal, dass es egaler beinahe gar nicht geht.
Das ist nich nur im Zeitalter von Fan-Rage ziemlich mutig, sondern für mich funktioniert es auch gut.

Dazu trägt auch mein Haupt-Lob-Punkt bei: Ryder ist ein völlig anderer Typ Held als Shepard es jemals war. Das muss man nicht mögen, aber es passt einfach nahtlos in die Wir Machen Alles Anders Philosophie und ich stehe ja bekanntlich auf stringente Story und Charakterentwicklung.;-)
Statt militärisch-strammer Typen trifft sich hier ein Sammelsurium an "Abenteurern" im tatsächlichen Rollenspiel Sinn. Menschen ohne Plan und eigentlich auch ohne so furchtbar festgelegte Kommando-Struktur landen in der Scheiße und müssen improvisieren.

Mir hat das sehr viel Spaß gemacht, auch wenn wieder alle (ein bißchen nachvollziehbarer Weise) darüber meckern, dass der Ich Will Das Ganze Universum Beherrschen Bösewicht ein wenig altbacken daherkommt.
Ich kann Bösewicht-Meckerei fast immer nachvollziehen, aber hier spare ich mir mein endgültiges Urteil mal auf, bis man evtl. im nächsten Teil rausgefunden hat, ob diese ganze Böser Kult statt Imperiale Armee Idee vielleicht noch ein paar nette Ausläufer in Petto hat.

Alles in Allem wird es schwer ME3 für mich zu toppen, aber das sollte (siehe Wir Machen Alles Anders und so) vielleicht auch nicht der Maßstab sein. Der fehlende Soundtrack ist mir allerdings sehr wichtig und daher ziehe ich mal für kleinere WehWehchen, nicht so ganz großartigen Bösewicht und den Punkt Musik einen ganzen Punkt ab.
4 von 5 Makos ist für ein Bioware Spiel schon fast eine schlechte Bewertung von mir, aber es kann ja wieder aufwärts gehen, DLC kommt ja vielleicht auch noch. Wir werden es erleben! :-)

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