01.04.2017

A Darker Shade of Magic. Oder: Das mit den Archetypen.

Ich habe mich für Elysion sehr lange mit der Frage beschäftigt, wie Magie "funktioniert" und vor allem wie man dafür sorgt, dass Magier in der Welt, in der sie sich bewegen, nicht unbesiegbar sind - denn seien wir mal ehrlich, sogar Superman braucht Kryptonit, um nicht völlig öde zu sein. ;-)

Ich habe dabei schnell festgestellt, dass viele Autoren sich diese Frage stellen und es erfrischend viele Konzepte gibt, die mal mehr und mal weniger überzeugend sind - das für mich Langweiligste nenne ich mal den Gandalf-Effekt "Magie funktioniert, keiner weiß wie oder wieso, kommt damit klar". Bläh.
Magische Worte/Zeichen und daraus gewonnene Effekte sind ein weiterer guter Ansatz, der mir bei Sabriel gut gefiel und dann gibt es natürlich die Elemente, die in Elysion meine Lösung der Wahl waren.
A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab ist eines von diesen Büchern, die aus irgendeinem Second Hand Stapel in meine To Read Liste gerutscht sind und zuerst einmal mochte ich vor allem das Cover.;-) Aber das Magiekonzept gefällt mir auch.

Most people only know one London; but what if there were several? Kell is one of the last Travelers - magicians with a rare ability to travel between parallel Londons. There's Grey London, dirty and crowded and without magic, home to the mad king George III. There's Red London, where life and magic are revered. Then, White London, ruled by whoever has murdered their way to the throne. But once upon a time, there was Black London...
Erstaunlicherweise war mir dieses "Parallelwelten" Ding erstmal nicht ganz so wichtig. Nett ausgedacht und gut erzählt, aber die Idee, dass es noch weitere unsichtbare Londons gibt, ist jetzt nicht neu, irgendwie scheint London sich dafür anzubieten.;-)
Die Idee, dass es neben Wasser, Feuer etc Magie auch noch Knochen und Blut geben müsste, war mir bei Elysion auch schon gekommen, aber hat - wie in den meisten Magiekonzepten - eine verbotene Komponente. Der "Twist", dass hier der Blutmagier der Held der Story ist, kann also mal als erfrischende Neuerung gelten.;-)

Ansonsten - ich will mal ausnahmsweise nicht zu viel spoilern - fand ich die Geschichte wirklich gut erzählt, ich wollte immer wissen wie es weiter geht und die "Survial Strecken" (im Elysion Jargon nennen wir es Jump-N-Run;-) der Plot Driven Story halten sich in Grenzen.

Tortzdem hat die ganze Zeit irgendwas an mir genagt, was ich unzufriedenstellend fand, aber ich habe tatsächlich etwas länger gebraucht, um herauszufinden was es war. Tatsächlich bin ich erst durch das Nachwort des Autors (der Autorin? Ich hab's nicht gegoogelt) drauf gekommen, in dem er/sie sich bei ihrer Lektorin bedankte, die Kell, Lila und Rhy genauso liebgewonnen hat, wie sie selbst.
Durch die Überlegung, dass diese 3 Figuren die Basis der Geschichte bilden, ist mir dann aufgefallen was mich stört: Rhy ist ein total überzeugender, aber nicht sonderlich komplexer Archetyp Charakter (weswegen ich ihn auch eigentlich nicht als Hauptfigur gesehen hätte) vom Typ Thronerbe-mit-Minderwertigkeitskomplex, was er mit Charme, Wein, Weib und Gesang zu übertünchen versucht. Nicht neu, vielleicht auch nicht aufregend, aber grundsolide und funktioniert.
Kell und Lila dagegen haben als bonding moment eine geteilte "dunkle Vergangenheit" - er mit seinen von verbotener Magie gelöschten Erinnerungen, sie mit ihrem "auf der Straße aufgewachsen, habe schlimme Dinge erlebt und getan" Ding. Trotzdem sind die beiden Figuren natürlich schon aus dramaturigscher Notwendigkeit heraus funktional in ihren Rollen, ein bißchen wie Katniss am Anfang von Hunger Games.

Während man aber Katniss im Laufe von 3 Büchern während ihres Survival Jump-N-Runs beim seelischen Auseinanderfallen zuschauen kann (einer der Gründe, warum mich die Bezeichnung "Teenie-Bücher" immer etwas gegen den Strich bürstet), haben diese ganzen "ooooh die Vergangenheit" Anspielungen bei Kell und Lila eigentlich 0 Aus- oder Einwurkungen auf die Geschichte. Und DAS war was die ganze Zeit so unzufriedenstellend an mir gezupft hat.
Wenn ich für meine Figuren eine Dunkle Vergangenheit als Gemeinsamkeit für ihr Außenseitertum bastle - und es gäbe andere Möglichkeiten eine Gruppe zusammenzuführen - dann sollte das nicht nur Mittel zum Zweck sein, sonst wirkt es psychologisch unlogisch.

Man kann mir glauben, wenn ich sage, ich weiß ganz genau wie schwierig es ist in Plot Driven Stories die Zeit zu finden und den richtigen Raum zu bemessen für "Charakterentwicklungskram". Es ist ein schmaler Grad zwischen "meine Figuren bleiben Archetypen" und "die Story wird überladen von ewigem Befindlichkeitsgedöns". Grade deswegen habe ich mir bei Elysion die Dunkle Vergangenheit für meine Hauptfiguren verkniffen, denn mir war das zu kompliziert.;-)
Aber grade deswegen behaupte ich einfach mal, ein solider funktionabler Archetyp Charakter funktioniert manchmal einfach besser, als noch 95 andere Aspekte einer Figur anzudeuten, aber nicht bis zum bitteren Ende durchzuziehen.

Aus Geschichtenerzähler-Sicht muss ich also einen Punkt abziehen, aber weil ich mich ansonsten sehr unterhalten gefühlt habe (was schon zeigt, dass der Nachfolger-Band schon auf meinem Nachttisch liegt;-), vergebe ich trotzdem mal 4 von 5 Runensteinen. Es kann halt nich jede Story Hunger Games sein.;-)
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