30.05.2015

Broken Homes

Es ist mal wieder die Zeit des Jahres angekommen, in der ich unheimlich langsam lese - entweder ist grade das Wetter schön und der Garten ruft, oder die 95 angefangenen "Sommer-Projekte" - machen wir's im Sommer, auch mal was anderes;-) - rufen, oder Allergietablette sei Dank bin ich einfach abends froh mein Bett noch zu finden, Bettlektüre hin oder her.

Trotzdem bin ich jetzt endlich beim letzten (verfügbaren) Rivers of London-Serie-Buch angekommen, was mich also demnächst vor die ungewohnte Erfahrung stellen wird, dass ich eine Serie nicht "zuende lesen" kann, weil noch nicht alle Bände erschienen sind - ja ja, jeder GoT Fan wird jetzt mal sarkastisch lachen, ist mir schon klar, aber ich hinke normalerweise Trends halt solange hinterher, dass ich mir den Stress erspare. Hat auch seine Vorteile.;-)

Bevor wir uns aber damit beschäftigen wie man das psychisch so verkraftet einen noch nicht abgeschlossenen Storyarc weglegen zu müssen, verliere ich noch ein paar Worte zu Broken Homes.

Erstmal, worum geht es?
My name is Peter Grant, and I am a keeper of the secret flame -- whatever that is.
Truth be told, there's a lot I still don't know. My superior Nightingale, previously the last of England's wizardly governmental force, is trying to teach me proper schooling for a magician's apprentice. But even he doesn't have all the answers. Mostly I'm just a constable sworn to enforce the Queen’s Peace, with the occasional help from some unusual friends and a well-placed fire blast. With the new year, I have three main objectives, a) pass the detective exam so I can officially become a DC, b) work out what the hell my relationship with Lesley Mai, an old friend from the force and now fellow apprentice, is supposed to be, and most importantly, c) get through the year without destroying a major landmark.
Two out of three isn’t bad, right?
A mutilated body in Crawley means another murderer is on the loose. The prime suspect is one Robert Weil, who may either be a common serial killer or an associate of the twisted magician known as the Faceless Man -- a man whose previous encounters I've barely survived. I've also got a case about a town planner going under a tube train and another about a stolen grimoire.
But then I get word of something very odd happening in Elephant and Castle, on a housing estate designed by a nutter, built by charlatans, and inhabited by the truly desperate. If there's a connection to the Crawley case, I'll be entering some tricky waters of juristiction with the local river spirits. We have a prickly history, to say the least.
Just the typical day for a magician constable.
Irgendwann dieser Tage werde ich nicht umhin kommen einen ersten Klappentext für Elysion zu schreiben - ich hasse es ;-) - und was das angeht mus ich sagen, ich mag wirklich die Idee dieser "der Erzähler erzählt mal worum es geht" Herangehensweise. Leider verweigere ich mich seit einiger Zeit dem First-Person-Narrator, da passt das nicht so, aber auf jeden Fall 500% besser geschrieben als der letzte Klappentext zu Whispers Underground, herzlichen Glückwunsch!;-)

Ich muss sagen, ich bin in die Buch-Story nicht ganz reingekommen - der größere Storyarc mit dem Faceless Man als Ur-Bösewicht ist immer noch präsent und man kommt ihm einigermaßen nach, aber wie sie jetzt über 3 tote Männer auf dieses Hochhaus kommen und was das alles mit Architekten aus Deutschland (bitte, kann man jemand in GB einen vernünftigen deutschen Muttersprachler für die deutschen Textpassagen engagieren, bei Pratchett ging das schon immer schief und hier ist es unwesentlich besser;-) zu tun hat, war mir irgendwie bis zum Schluss nicht ganz klar - oder ich war einfach zwischendurch zu müde und habe was nicht mitbekommen, das kann durchaus auch sein.;-)

Sobald wir aber als "Wizards Undercover+Hund" in der "schönen" Beton-Sozialbausiedlung ermitteln, war mir das auch schnurz, die Situation ist einfach zu herzallerliebst, um sich noch damit aufzuhalten wie man jetzt dahingekommen ist, Baumnymphen, Fairy-Courts und alles geschenkt!;-)

Dafür gebe ich also ein goldenes Gummipünktchen, aber ansonsten war's bis auf das WTF?!? Ende nicht so straff-spannend erzählt wie die Vorgänger, also gebe ich mal 3,5 von 5 Klappsofas - vielleicht muss ich das Buch einfach nochmal lesen, wäre ja ein gutes "Projekt" für die Wartezeit auf Band 6.;-)

27.05.2015

Ich, einfach nicht statistisch (Wochengedanke XV)

Disclaimer: Diese Annekdötchen sind kurz zusammengebastelt und sollen/können keine erschöpfende Darstellung von irgendwas sein! Anregungen, Kritik und eigene Erfahrungen gerne in die Kommentare.

Erinnert ihr euch noch an den TED Talk über Amy das Einhorn und andere lustige Kindheitsannekdoten?;-)

Ich wollte über einen signifikaten Punkt aus diesen 10 Minuten nochmal was sagen, weil er mir seit einiger Zeit im Kopf herumspukt: Die Frage, ob ich ein statistisch-signifikantes Pünktchen bin oder nicht.
Nun könnte man ja meinen, dass das eigentlich intuitiv abzulehnen ist, denn in unserer Gesellschaft - im Gegensatz zu anderen übrigens - ist Individualität ein hohes Gut, das wir mit Zähnen und Krallen verteidigen, egal wie mainstream und spießig wir heimlich vielleicht sind und uns perish-the-thought damit vielleicht sogar wohlfühlen.;-)
Trotzdem verehren wir irgendwie alle so ein bißchen die "Unangepassten", oder? Die Leute, die einfach mal weg sind, die sich nicht einfügen und suchen uns ein paar kleine Ausbrüche in unserem Alltag, um auch "anders zu sein" - ich finde das gut und richtig, nicht umsonst ist das Foto zu diesem Artikel mein Hautbildchen, das so in dieser Form wohl niemand sonst hat.;-)

Und trotzdem werden wir alle dann zu Statistik-Pünktchen, wenn es darum geht "wissenschaftlich erfasst zu werden" - und das scheint ein völlig entgegen gesetzter Trend zu sein. Heutzutage ist es nicht mehr cool irgendeine persönliche Entscheidung zu treffen, wenn man sie nicht durch irgendeine empirische Studie rechtfertigen kann. Irgendwas zu tun, weil man es will, trägt überhaupt nicht dieselbe Rechtfertigung in sich, als sagen zu können: Die Wissenschaft gibt mir Recht!
Zu fast jedem Aspekt unseres Lebens gibt es Studien über Studien, die vermutlich jeden beliebigen Standpunkt rechtfertigen, egal um was es geht - was ich esse (sehr beliebt), wie ich mich bewege (fast noch schlimmer), welche Klamotten ich trage, wohin ich in Urlaub fahre und wie, vermutlich auch welches Handy ich kaufe. Moralische, traditionelle, persönliche, ästhetische, individuelle Gründe dafür haben scheinbar nicht dasselbe Gewicht, wie die ultimative Segnung des "und diese Studie XY sagt auch, dass das die bestmögliche Entscheidung ist".

Ich bin ein Fan von Wissenschaft, das sollte man nicht bezweifeln, und ich bin ein noch größerer Fan von Skeptizismus und kritischem Denken und keins davon macht mein Leben einfacher (aber wenn das Leben leicht wäre, könnte ja jeder eins haben) - aber ich weigere mich einfach mich als statistisch-relevantes Pünktchen zu sehen. Ein mit Zähnen und Krallen verteidigtes Unangepasst-Sein meinerseits.;-) Und jede Studie, jede wissenschaftliche Erkenntnis, die irgendwas mit menschlichem Verhalten oder dem menschlichen Körper zu tun hat, ist eben um diese nicht-relevanten-statistischen Pünktchen bereinigt. Das bedeutet, unabhängig von der Qualität der wissenschaftlichen Methode (und wer mit Automatischem-Skeptizismus gestraft ist, weiß wie schlecht manche Studien gemacht sind, oder wie voreingenommen/im Voraus bezahlt manche "Wissenschaftler" sein können), ist das Ergebnis immer "für manche/viele/die meisten Probanden dieser Studie war XY die beste Entscheidung".
Keiner dieser Probanten war ich und auch wenn man gerne alles ausprobieren darf, was einen mehrheitlichen Erfolg nach einfacher Wahrscheinlichkeitsrechnung in Aussicht stellt, ist es auch kein Beinbruch festzustellen, dass man eines der nicht-statistische-relevanten Pünktchen ist. (Und man sollte sich dafür übrigens auch nicht rechtfertigen müssen btw. My Life, My Rules und so, remember?;-)

Trial and Error ist eben doch, was das Leben wirklich spannend macht. Wir sind doch alle Individuen!;-)

23.05.2015

Mission Lieblingsteil

Wenn man neue Möbel anschafft, oder umzieht, ergeben sich meistens unglaublich praktische Gelegenheiten seine Wohnung und seine Besitztümer mal auszumisten.
Ich gebe gerne zu, dass das bei mir schonmal leicht pathologische Züge annehmen kann, ich finde es einfach furchtbar befreiend mich zu entmüllen - wobei der Impuls vor meinem Bücherregal bisher noch haltmacht, aber vielleicht ändert sich sowas auch irgendwann.;-) Ich kann es einfach nicht ausstehen Dinge herumliegen zu haben, die ich nie benutze, vor allem wenn eine Chance besteht, dass jemand anderer sie noch gebrauchen könnte...

Nun haben wir ja ein neues Schlafzimmer und das führte unweigerlich auch dazu, dass ein großer haufen Schuhe und Klamotten wohltätigen Zwecken zugewandert ist. Trotzdem stelle ich fest, dass ich immer noch mehr Klamotten besitze, als ich jemals anziehe - weil mir einige Sachen nicht mehr richtig passen, weil man einfach bei aller Liebe nicht 100.000 verschiedene "Basic" Teile braucht, oder weil mir der Stil nicht mehr gefällt, oder (und das ist gerade im Bereich Hemden/Blusen zu 98% der Fall) mit die Teile einfach zu umbequem sind und ich dankenswerterweise nicht in einem Job arbeite, bei dem man unbequem angezogen sein muss.;-)

Irgendwann zuletzt brach sich also daher mein Ausmist-Wahn mal wieder Bahn und ich werde den Sommer über meinen Kleiderschrank mal genauer unter die Lupe nehmen und in 3 Kategorien einteilen:
1. Kann weg
2. Kann so bleiben (ein paar Basics sind ja z.B. nicht verkehrt;-)
3. Passt nicht oder Ist langweilig & Muss geändert werden

Ich denke Stapel 1 wird ziemlich überschaubar sein und Stapel 3 ziemlich groß - mit dem Abändern meiner Hosen habe ich sogar schon angefangen, einige brauchten einfach nur ein bißchen mehr Länge (aka einen schmaleren Saum) und/oder einen Keil im Bund, um wieder bequem und tragbar zu sein.;-)

Ich denke das Ändern von Blusen dürfte spannend werden, aber erstmal nehme ich die restlichen Hosen, dann die Röcke und T-Shirts und dann sehen wir mal wie weit das Jahr vorangekommen ist.;-)
Mein liebstes Ergebnis wäre, wenn aus ein paar "Trage ich Nie" Teilen meine neuen Lieblingsteile werden - das ist meine Mission, ich halte euch auf dem Laufenden!:-)

20.05.2015

Meine, deine, unsere Ziele? (Wochengedanke XIV)



Disclaimer: Diese Annekdötchen sind kurz zusammengebastelt und sollen/können keine erschöpfende Darstellung von irgendwas sein! Anregungen, Kritik und eigene Erfahrungen gerne in die Kommentare.

Im Fitnessstudio meines Vertrauens fragte mich letzte Woche eine nette junge Frau wie lange ich wohl trainiert hätte, um bei den 50kg auf meinem Latissimuszug "anzukommen" - Hintergrund der Frage, wie ich dann erfuhr war, dass sie gerade erst angefangen hätte und sich fragte wie lange das wohl dauern könnte, bis sie "da auch angekommen wäre". Ich weiß nicht ob es ihr jetzt Mut gemacht hat, oder nicht, dass ich meinte, ich mach das schon über 10Jahre, aber ich war mir nicht sicher was ich sonst sagen sollte - zum einen ist es einfach die Wahrheit und zum anderen hatte ich so meine Zweifel was die persönliche Zielsetzung angeht, denn ihre Oberarme waren (und ich meinte das ausdrücklich nicht irgendwie abwertend, sondern als reinen, nicht übertriebenen Deskriptor!) ungefähr vom Umfang meiner Handgelenke.

Nun kann es ja durchaus sein, dass ihr Körper mit unfassbarer Kapazität für Muskelaufbau gesegnet ist und ich maße mir auch nicht an ihre Zielsetzungen irgendwie in Frage zu stellen, aber ich habe mich in dem Zusammenhang schon gefragt, ob so eine persönliche Zielsetzung unbedingt mit der Realiät vereinbar ist - es mag ja auch Menschen geben, deren genetischer Cocktail sie eher für Geschwindigkeit prädestiniert, was Meiner einfach nicht tut.;-)

Was ich aber interessanter fand, war die Tatsache, dass sie von "ankommen" sprach, denn das passt hervorragend zu einer Frage, die ich letztlich in einem anderen Artikel fand und die ich ziemlich spannend finde: Wie definiert sich Fitness und was meinen wir, wenn wir das sagen?
Die Autorin rekapituliert ganz nett die "Konzepte", mit denen mal seit den 90ern so zugemüllt worden ist - von Aerobic und Cardio-Galore zu Resistance-ist-das-Einzig-Wahre, Crossfit, Triathlon und was man sonst heute als Hobbysportler alles so machen kann - und fragt sich, ob aus dem Paleo/Whole30 Kontext Fitness wohl eine körperliche Belastbarkeit sein könnte, die mit der heutigen Lebensrealität nichts mehr zu tun hat. Ich finde das nicht uninteressant - schließlich müssen wir uns heute alle lustige Ersatzhandlungen überlegen, einfach aus dem Grund, dass wir keine 20Km am Tag mehr laufen müssen, um unser Essen zu jagen;-) - aber die "Wissenschaft" hinter Paleo und seinen Ablegern war mir immer schon zu nicht-existent, um mich damit aufzuhalten (womit ich nicht sagen will, dass das Konzept nicht funktionieren kann, ich finde es nur albern, wenn man darauf besteht, dass das eine Steinzeitliche Ernährungsweise immitiert, wenn alle "richtigen" Wissenschaftler sich den Mund fusselig reden, um zu überzeugen, dass wir on the whole keine Ahnung haben was zur Steinzeiternährung wirklich dazugehörte - jeder soll doch einfach essen was ihm passt, muss man das wirklich so pseudo-wissenschaftlich verbrämen?;-).

Für mich kommt Fitness einem persönlichen Konzept aus den Kommentaren am nächsten: Ich will tun können, was ich tun will.
Das können verschiedene Dinge für verschiedene Gelegenheiten sein - Flexibilität für die Hüfte, stärkere Arme/Schultern, mehr Körperspannung oder weniger Verspannungen im Nacken, was auch immer - sind individuell in ihrer Zielsetzung und bestimmt durch meine Vorlieben, meine körperlichen Gegebenheiten und Einschränkungen  und natürlich hat es auch damit zu tun irgendwo "anzukommen", auch wenn das eher ein fluider Prozess ist, als ein Japp-Abgehakt-Next.;-)
Ich glaube nur nicht daran, dass man Ankommen als "was andere können" definieren sollte - mir hilft das jedenfalls nicht weiter, results may vary!;-)

16.05.2015

Whispers Underground

Irgendwann komme ich bestimmt auch wieder mal zu den berühmten Zwischenständen. Elysion bewegt sich langsam aber stetig auf die 3/4 Marke zu und spätestend dann sag ich nochmal was dazu. Aber heute ist nur ein bißchen Bloggen zwischendurch angesagt, daher gibt es nur kurz und knackig den dritten Band der Peter Grant Reihe: Whispers Underground

 Um was es geht:
It begins with a dead body at the far end of Baker Street tube station, all that remains of American exchange student James Gallagher—and the victim’s wealthy, politically powerful family is understandably eager to get to the bottom of the gruesome murder. The trouble is, the bottom—if it exists at all—is deeper and more unnatural than anyone suspects . . . except, that is, for London constable and sorcerer’s apprentice Peter Grant. With Inspector Nightingale, the last registered wizard in England, tied up in the hunt for the rogue magician known as “the Faceless Man,” it’s up to Peter to plumb the haunted depths of the oldest, largest, and—as of now—deadliest subway system in the world.
At least he won’t be alone. No, the FBI has sent over a crack agent to help. She’s young, ambitious, beautiful . . . and a born-again Christian apt to view any magic as the work of the devil. Oh yeah—that’s going to go well.
 Zuerst mal möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, wie sehr mich Buchrücken-Texte nerven, die schlampig recherchiert sind. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass der Autor (vermutlich irgendwer beim Verlag) in dem Fall mehr als quergelesen hat. Nicht NUR wird nirgendwo erwähnt, dass die nette FBI Frau einer seltsamen Christensekte angehört - sie bittet genau einmal darum man möge vor ihr bitte keine blasphemischen Ausdrücke verwenden, aber daraus irgendwas abzuleiten, halte ich für...gewagt!;-) Nein AUßERDEM ist sie für die Story auch mehr oder minder egal und verschwindet am Ende zurück in die US of A ohne weitere Verwicklungen. Wirklich.

Naja anyway, mal zum Buch an sich. Erster lobend zu erwähnender Punkt: Keine Frauenprobleme, wohoo!;-) Ansonsten ist die Story ganz spannend erzählt und auch wieder ein wenig stringenter, auch wenn man dem groß angekündigten Faceless Man überhaupt nicht näher kommt. Ansonsten habe ich mir die Zeit damit vertrieben Pop-Culture Anspielungen zu zählen: Harry Potter, Discworld, LotR, Ghostbusters, Conan der Barbar, Dungeons & Dragons, Terminator, Jane Austen - was man will. Allerdings keine einzige Referenz zu Neverwhere und DAS in einem Buch über das Londoner U-Bahn-Netz. Enttäuschend muss ich sagen, hier sollte der Autor dringend mal seine literarische Bildung nachholen!;-)

Trotzdem kann ich nicht anders als Characktere mögen, die sich vor einer ungewissen Tour durch dunkle Tunnel erstmal fragen, ob sie nicht einen Heiler hätten mitnehmen, oder mal auf Wahrnehmung würfeln sollten. Das erfreut mein kleines Geek-Herz ungemein und gibt daher auch 4,5 von 5 Gullideckel.

13.05.2015

Alles nur geklaut - die Idee der "neuen Idee" (Wochengedanke XIII)

 Disclaimer: Diese Annekdötchen sind kurz zusammengebastelt und sollen/können keine erschöpfende Darstellung von irgendwas sein! Anregungen, Kritik und eigene Erfahrungen gerne in die Kommentare.

Ich habe kurz überlegt, ob dieser Post nicht besser in der Kategorie Zwischenstände aufgehoben wäre - von denen es lange keine gab, Asche auf mein Haupt -  aber andererseits ist es nur eine ganz allgemeine Überlegung und in meinen eigenen nicht vorhandenen Regeln für die Wochengedanken steht nirgendwo, dass die nichts Schreiben zu tun haben dürfen.;-)

Drüber auf dem Blog von Mr. Gaiman gab es letztlich ein süßes kleines von ihm selbst geführtes Interview mit Ursula K. Le Guin, ein Name, der sogar mir was sagt, auch wenn ich eigentlich keine Fantasy lese und auch noch keines von ihren Büchern gelesen haben (vermutlich zu meinem Schaden).
In diesem Interview ging es kurzfristig auch um eine Frage, die ich immer wieder spannend finde: Inspiration und Wann ist eine Idee tatsächlich neu und ist das wirklich wichtig?

Man könnte vermutlich auch ein "Wie es ist seine eigenen Helden zu treffen" daraus machen, aber dazu habe ich nicht wirklich was zu erzählen - soviele Helden habe ich traurigerweise nicht.;-) Hier ging es jedenfalls darum, dass sich der Interviewer dafür entschuldigen wollte eine "Idee" geklaut zu haben und die Autorin das nicht ganz erst nehmen wollte, weil sie dieselbe Idee schließlich auch von irgendwo herhat (Mythologie in dem Fall). Ich finde das in sofern spannend, als dass "man" ja immer mal wieder gefragt wird "wo man seine Ideen herbekommt".
Vielleicht haben berühmte oder geübetere Autoren da eine bessere Antwort, aber ich könnte nur sagen: Von überall.
Vermutlich würde jemand, der sich ständig in meinem Kopf aufhielte, alles sähe und hörte, was ich sehe und höre und dabei dieselben Gedankengänge hätte, schnell erkennen, dass mehr oder weniger alles von irgendwo "geklaut" ist. Ein Bild hier, eine Methapher da, eine Charackterkonstellation, ein Gespräch, ein biologischer, geologischer, historischer Fakt, alles mögliche findet sich immer in allen möglichen Konstellationen zusammen und am Ende weiß höchstens der Autor noch wo er sich was zusammengeklaubt hat - wenn überhaupt.
Und dann ist doch die Frage: Wenn ich so ein Konglomerat von Eindrücken nehme, es mit einer neuen Geschichte verquirle und am Ende niemand mehr darauf kommen würde, von wo die ursprüngliche Idee kam - ist das dann nicht neu?
Ist das im kreativen bereich wirklich so wichtig wer was wann zuerst gedacht hat? Am Ende hat es in der Geschichte, Mythologie und Natur alles schonmal gegeben und wer will schon jedes Mal das Rad neu erfinden.;-)

09.05.2015

Avengers - Age of Ultron (bestimmt Spoiler irgendwo)

Da kann man mal sehen: Manchmal muss man sich einfach nur früher beschweren - erst gibt es ewig gar keinen neuen Film und kaum hab' ich was gesagt, ergibt sich spontan schon der nächste und ein top aktueller noch dazu.;-)

Es gibt bestimmt wieder irgendwen, der irgendwo einen Spoiler finden möchte, also gebe ich mal die übliche Ich-hab-keine-Lust-auf-Spoiler-Rücksichtnahme Warnung aus.
Im Kino also letztlich der 2. Avengers Film: Age of Ultron


Ausnahmsweise fange ich mal mit was Negativem an, denn der Film ist sehr spaßig, da kann man die kleineren Kriteleien schnell aus dem Weg räumen.;-)
"Age" of Ultron ist ein etwas irreführender Titel, wie wir fanden, denn entgegen unserer Erwartungen wird hier nicht der große neue Super-Bösewicht aufgebaut, der uns dann durch die nächsten 25 Filme Storyarct. Statt dessen räumen wir eigentlich immer noch den Rest von Hydra/Shield auf und am Ende hätte der Film auch "Two Days of Ultron" heißen können...aber das nur am Rande.;-)
Prinzipiell ist das größte Problem des 2. Films, dass er ein 2. Film ist - erste Filme sind immer super, man muss seine Party zusammenführen, alle dürfen sich lustig zusammenraufen und dann haut man auf die Kacke. Im 2. Film müssen wir dann etwas mehr Zeit investieren, um zu sehen wie sich jeder so fühlt, wer mit wem und warum und so weiter und so fort - ich finde es prinzipiell gut, dass sich die Avengers Filme relativ viel Zeit für ihre Charaktere nehmen, was ja auch vereinfacht wird dadurch, dass jeder noch seinen eigenen Storyarc verfolgen darf, aber es macht die Dramaturgie eben ein wenig weniger knackig und die Spannungskurve ein wenig ausgeleierter.

Um mal dabei zu bleiben: Was hätte man besser machen können? Vielleicht hätte es geholfen, wenn der "Bösewicht" nicht so merkwürdig unentschlossen gewesen wäre - eigentlich läuft es ja darauf hinaus, dass sie Skynet bauen. Eine künstliche Intelligenz, die Peace in Our Time garantieren soll und mit unfehlbarer Logik folgert, dass wenn man Krieg verhindern will, man zuerst die Avengers und dann auch die Menschheit auslöschen sollte. Das macht irgendwie Sinn, no?
Aber Ultron ist eben kein Terminator, er ist seltsam menschlich, quatsch ab und zu von der Chance zur Entwicklung, dann doch wieder von totaler Zerstörung, von seiner tollen Vision von totaler Weltherrschaft und hat einen ziemlich störenden Vaterkomplex re Tony Stark...ein einfacher, kühl-kalkulierender Terminator ohne dieses ständige grand-standing Monologing wäre mir logischer erschienen, but maybe that's just me.;-)

Trotzdem macht der Film einfach sehr viel Spaß, das sollte man trotz meiner ständigen Kritteleien nicht einen Moment bezweifeln!;-) Besonders mag ich die Tatsache, dass der Film seine eigenen Schwächen kommentiert - es gibt eine fliegende Badewanne (ein kleiner Indiana Jones Touch?;-), Hawkeye schießt mit Pfeil und Bogen auf Megaroboter, findet das selber unlogisch und holt noch einen Lacher raus, der Film kommentiert seine eigenen nicht-vorhandenen Frauenrollen und jeder darf mal eine Theorie dazu aüßern wie man Thors Hammer heben könnte - Big Bang Theory lässt grüßen und Auf-Die-Fresse-Action-Nerds sind doch einfach loveable.;-)
Die Dialogschreiber haben also einen goldenen Gummipunkt verdient - nicht zuletzt für die deutsche Synchro, ein moderner Actionfilm, in dem 4x das Wort Lustbarkeit vorkommt? Großes Kino!;-)
Ein bißchen Background zu Hawkeye und Black Widow war mir auch sehr recht, man kriegt ja nicht immer einen eigenen Film dazu, und die kleine, zarte Monster-Romanze hat mir auch sehr gefallen - man kann fast alles irgendwo einbauen, solange man es nicht übertreibt und es an der Stelle Sinn macht, wichtige Plot-Entwicklungs-Regel.

Ich gebe also überzeugte 4 von 5 Felsbroken für einen guten (2.) Film - jetzt warten wir alle bis 2018 auf das Purple Alien wie's scheint, aber Space Travel ist halt langsam.;-)

06.05.2015

Gegen den Tiefsinn! (Wochengedanke XII)

Disclaimer: Diese Annekdötchen sind kurz zusammengebastelt und sollen/können keine erschöpfende Darstellung von irgendwas sein! Anregungen, Kritik und eigene Erfahrungen gerne in die Kommentare.

Letztlich habe ich was darüber erzählt, wie die Discworld Romane mir gezeigt haben wie man auch "in der Literatur" ernste Dinge mit Humor nimmt.
Erstaunlicherweise scheint das ein kontroverses Thema zu sein, denn ich geriet in eine Diskussion mit einem Bekannten, der gerade diese Eigenschaft der Discworld Bücher total nervig findet - also weder "erste Literatur" noch "lustig".
Oder wie Pratchett sagte: “Stories of imagination tend to upset those without one.”;-)

Nun ist Humor und was man witzig findet eine Frage des Geschmacks und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber ich kann mir nicht helfen, ich empfinde die Annahme, dass ein Buch oder eine Geschichte entweder "tiefsinnig und ernsthaft" oder "oberflächlich und lustig" zu sein hat (mal abgesehen davon, dass man sich mit solchen Aussagen wie irgendwas oder irgendwer "gefälligst" zu sein hat in meiner Gegenwart eh vorsichtig sein sollte, weil mir das die Nackhaare auftreibt;-) irgendwie prätentiös und unnötig.
“In theory it was, around now, Literature. Susan hated Literature. She'd much prefer to read a good book.” (Soul Music)

Humor ist kein Zeichen von minderer Intelligenz und Selbstironie ist kein Zeichen von Schwäche - und Menschen, die sowas denken sind mir ehrlich gesagt suspekt, weil ich unterstelle, dass wer nicht über sich selbst lachen kann, sich selbst ein wenig zu wichtig nimmt, um mir sympatisch zu sein. No offence meant, ich erwarte mitnichten, dass jeder Mensch alles tun sollte, um von mir gemocht zu werden.;-)
“Give a man a fire and he's warm for a day, but set fire to him and he's warm for the rest of his life.”  (Jingo)

Ich dachte nur, ich breche mal eine Lanze für die vergessene Kunst der Ironie - heutzutage haben viele Menschen aus für mich unerklärlichen Gründen eine "Agenda", halten sich für den treibenden Motor der Weltverbesserung oder sind darauf aus ihre Mitmenschen in allen Problemen der Menschheit zu unterweisen, ohne auch nur einen einzigen Augeblick damit zu "verschwenden" mal über sich selbst zu lachen.
“The presence of those seeking the truth is infinitely to be preferred to the presence of those who think they've found it.” (Monstous Regiment)

Ich persönlich glaube nicht, dass man damit glücklich wird, aber jeder so wei er/sie meint.
“It is said that your life flashes before your eyes just before you die. That is true, it's called Life.”  (The Last Continent)

Mir hilft Humor dabei damit umzugehen ein kleiner unbedeutender Fleck auf einem kleinen unbedeutenden Planeten zu sein, der irgendwann einfach weg sein wird, ohne dass das für die größeren Zusammenhänge des Universums irgendwie von Belang ist.
“DON'T THINK OF IT AS DYING, said Death. JUST THINK OF IT AS LEAVING EARLY TO AVOID THE RUSH.”  (Small Gods)

Aber das ist nur meine Einstellung, das muss man nicht zwingend auch so sehen.;-)
“The trouble with having an open mind, of course, is that people will insist on coming along and trying to put things in it.”(Diggers)



“This book was written using 100% recycled words.”  (Wyrd Sisters)

02.05.2015

Anna Karenina. Film vs. Vorlage

Einen neuen Film hatten wir ja auch ewig nicht mehr, also ändern wir das mal kurz - auch wenn dieser Kostümschinken hier nicht wirklich "neu neu" ist, aber es mag ja immer Menschen geben, die in ihrer Filmographie genauso hinterher hängen, wie ich!;-)

Ich erwähnte schonmal, dass ich das Buch mag - eines meiner "geht immer" Hörbücher und so ergiebig, ungekürzte Laufzeit bei irgendwas unter 45Stunden ;-) - und manchmal wage ich es ja tatsächlich auch Verfilmungen von Büchern anzusehen, die ich mag. Es gibt Menschen, die davon abraten, aber ich bilde mir immer ein ich hätte inzwischen genug über Plotlines und Stilmittel in verschiedesnten Medien gelernt, dass ich objektiver an die Frage herangehen kann, wann etwas ein gutes Buch ist, wann etwas ein guter Film ist und wann etwas eine gute Verfilmung ist, oder auch "nur" ein guter Film "nach Motiven von", was ja auch keine schändliche Option ist, auch wenn das immer behauptet wird.;-)

Aber bei Anna Karenina war ich doch skeptisch - was ich von Szenerie und Kostümen gesehen hatte, war vielversprechend und die Besetzung jetzt auch nicht ohne, aber die zentrale Frage war ja: Kann man ein 600 Seiten Buch in 2 Stunden Film unterbringen?
Die Antwort für mich heißt leider nein, aber fangen wir mal mit den positiven Aspekten an:

1. Eine gute Idee, ist eine gute Idee, ist eine gute Idee
Die Vision die ganze Handlung in ein Theater zu übertragen, in dem die großen Gesellschafts-Szenen im Ballsaal oder auf der Bühne und Dinge, wie Straßenszenen, Abendessen und andere private Treffen im Backstage oder in den verschiedenen Leveln der Bühnenbilder passieren, ist einfach großartig. So ganz konsequent ist die Umsetzung ab und zu zwar nicht - die Landschaftsszenen in der Natur kommen nicht ohne Natur aus;-) - aber Kostüme und Choreographien der Statisten sind detailreich und durchdacht. Oblonskys Büro ist die schönste Kostüminzenierung seit der Elefantenszene aus Moulin Rouge. ;-)

2. Keep to the script
Tom Stoppart schreibt gute Drehbücher, das weiß man nicht erst seit gestern. Shakespeare in Love ist z.B. nicht nur ein amüsanter Film, das Drehbuch liest sich fast besser als so mancher Roman.;-) Also hat man hier schon den richtigen Mann für den Job und es gefällt mir sehr, dass viele (ich will fast behaupten die meisten) Dialogpassagen 1 zu 1 aus dem Original kommen, was dafür spricht, dass man sich mit der sinnvollen Kürzung des Textes Mühe gegeben hat.

ABER

3. Der Trailer zum Buch
Leider lässt sich ein 600 Seiten Buch nicht auf 2 Stunden kürzen - meiner Meinung nach - ohne dass dabei mehr als 50% der wichtigen Charakterentwicklungen auf der Strecke bleiben. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl einen ziemlich hektisch geschnittenen Trailer zum Buch zu sehen - nette Bilder, aber um zu verstehen was passiert, muss man wohl Das Ganze abwarten. Und das ist schade, denn der Roman lebt (für mich) vor allem von dem langsamen Verfall und Aufbau seiner Figuren - wie gesellschaftliche Konventionen zusammenspielen, wie es erst beinahe so aussieht, also könnte man die Regeln brechen, bis dann doch alles zusammenfällt, das alles fehlt der Anna aus dem Film. Hier wird viel wert auf den Anfang der Geschichte gelegt, aber wenig auf den Schluss, so dass der unvermeidliche letzte Ausweg seltsam sprunghaft und überreagiert wirkt.
Überhaupt tut die Zeitraffer-Optik den Frauen der Geschichte (Anna, Dolly & Kitty) keinen Gefallen, um deren verschiedene Auffassungen und Probleme mit der Liebe es ja nun schlußendlich geht. Dadurch, dass immer wieder Monate übersprungen werden (ohne dass der Film das irgendwie deutlich macht), wirken die Damen irgendwie sprunghaft und recht oberflächlich, was sie nun wirklich nicht verdient haben. Allerdings muss man bei aller weiblichen Solidarität erwähnen, dass den größten Schaden der jungendliche Held nimmt - erst darf er nicht versuchen sich zu erschießen, dann ist er plötzlich Schuld an der Morphium-Abhängigkeit seiner Feundin und am Ende nimmt man ihm sogar noch seinen Abschied als gebrochener Mann weg - nicht nett, Mr. Stoppard!

4. Aber wie denn dann?
Ich halte ja nichts davon mich zu beschweren, um mich zu beschweren, also habe ich mich gefragt: Wie hätte man es denn besser machen können?
Eventuell hätte man mit einer anderen Besetzung doch mehr erreicht - Jude Law als Karenin ist sehr gut, aber nur eine Randfigur, der Vronsky Darsteller ist mehr jugendlicher Held als irgendwas sonst (was dem Charakter Unrecht tut) und leider halte ich Ms Kneightly für ziemlich überschätzt als Darstellerin - auch wenn sie Erfahrung darin hat Kostüme zu tragen. Mit ein paar ausdrucksfähigeren Hauptdarstellern wäre also noch was rauszuholen gewesen, aber das hätte das essentielle Problem nicht gelöst...
Ich denke wenn es mein Script gewesen wäre - und angenommen ich hätte tun dürfen, was ich will - hätte ich die Geschichten um Dolly & Kitty wohl komplett weggelassen, zumindest nach der Ballszene sind beide für die Vronsky/Anna/Karenin Geschichte nicht mehr wirklich entscheident und die Handlungsstränge "einzusparen", hätte mehr Raum für die zentrale Geschichte gelassen. Das wäre dann ein Film nach Motiven von gewesen, der eventuell aber wenigstens 3 Figuren gerecht geworden wäre.
Aber wenn ich ehrlich bin: Ich hätte überhaupt keinen Film daraus gemacht. Wenn sich ein Stoff für eine neue "stecken wir Leute in Kostüme, das verkauft sich grade gut" HBO Serie anbieten würde, dann bitte Anna Karenina!  Sex, Betrug, Tod und Drama - what's not to like?;-)
Naja vielleicht kommt ja mal irgendwann jemand auf die Idee - 10-20 Episoden lassen sich aus 600 Seiten bestimmt rausholen!

Für den Film gibts 3 Punkte für Idee, Text und schöne Bilder für mein Kopfkino, wenn ich das Buch das nächste mal lese - Trailer zum Buch, vielleicht ein neues Genre in the making.;-)

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