2015-12-31

Berühmte letzte Worte 2015

Uuund da ist das Jahr auch schon wieder vorbei - furchtbar, dass man im Winterurlaub eigentlich immer nur von Feiertag zu Feiertag schlittert und alles so an einem vorbeischwimmt...oder auch nicht, man kann sich schlimmer beschäftigen, als mit Essen, Trinken, Schlafen, Wiederholen.;-)
Bevor aber 2015 einfach mal so in der Versenkung verschwindet, haben wir noch eine kleine Bestandsaufnahme hinter uns zu bringen!
Bring it on.;-)

Vorherrschendes Gefühl für 2016?
Undefiniert. Ich bin ausnahmsweise mal ziemlich Ereignislos durch ein Jahr gekommen - keine großen Veränderungen, Aufträge, Katastrophen, einfach mal business as usual für 12 ganze Monate. Kann wieder anders werden, vielleicht auch nicht, wir werden es erleben!

2015 zum ersten Mal getan?
Hmmmmm.... ist jetzt mit dieser Vorrade natürlich eine schwierige Frage!
Ich entscheide mich für: Dschungel-Klima ausprobiert und festgestellt, dass ich nie nie nie nie nie nie in ein Land reisen möchte, wo es dieses Klima gibt. Ist ja auch schonmal eine wichtige Erkenntnis für den weiteren Lebensweg.;-)

2015 nach langer Zeit wieder getan?
Mich mit meinen Beta-Lesers ausgetauscht - es ist wieder Überarbeitungszeit! Außerdem haben wir die Ankündigung aus 2014 endlich aufgegriffen und einen Großangriff auf IKEA gestartet. Also gibt es jetzt endlich wieder ein kleines Bastel/Näh/Schreib-Nest nur für mich. Yeiii!:-)

2015 leider nicht getan?
Viele lang anstehende Baustellen beiseitigt: Kaputte Heizung, unzuverlässiges Internet und eventueller Providerwechsel für Kabel und Telefon stehen leider immer noch auf meiner To Do Liste und weigern sich von alleine zu verschwinden...Neues Jahr neues Glück!

(Un)wort des Jahres?
Alles was mit Heizungssystemen und KfW Förderungen zu tun hat! 6 Wochen meiner Lebenszeit verschwendet, um mich durch diese !$@& Webseiten durchzuwühlen, nur um festzustellen, dass das in unserem Haus alles nicht verbaut werden kann. Groß-ar-tig. Nicht!

Allgemeinzustand?
Überraschend gut. Vor den Feiertagen musste ich Migränebedingt mal das Kino sausen lassen und den Heiligen Abend habe ich mit einer Wärmflasche auf dem ausgerenkten Steißbeinwirbel verbracht, aber an sich würde ich das unter "Zipperlein" verbuchen. Nerven einen manchmal, gehen auch nicht weg, aber könnten wirklich wirklich schlimmer sein. Nur der Magen hat mir im Winter keinen Spaß gemacht, aber die Weihnachtsfresserei hat er brav gemeistert, ich denke also wir haben diese schwierige Zeit in unserer Beziehung gut überstanden - und ein bißchen (unfreiwilliges) Fasten direkt vor Feiertagen ist ja nun auch nicht sooo verkehrt.;-)
 
Partys?
Unser Yul-Dinner muss dieses Mal nachgeliefert werden, die Geschenkezusteller haben es nicht rechtzeitig geschafft, aber Zombies, Sushi, Sensationen gab es dafür ja an Halloween!:-)

Haare länger oder kürzer?
Hmm ich würde sagen ein paar Zentimeter kürzer, aber wer kann da schon sicher sein...

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Ach ja, noch ein To Do Punkt, der sich hartnäckig geweigert hat in 2015 erledigt zu werden - mal nachsehen lassen, warum ich so schlecht auf dem Fernseher lesen kann. Kann am Fernseher liegen, aber vielleicht bin ich auch einfach Maulwurfiger geworden...;-)

Mehr Kohle oder weniger?
Glücklicherweise mehr, ansonsten wäre die kaputte Heizung nicht unter "hmpf muss ich noch machen", sondern unter Katastrophe verbucht worden.;-) Nächstes Jahr habe ich sogar die Schulden aus meinem Studium abgetragen - faszinierend, dass man noch für Sachen zahlt, die sich 20 Jahre entfernt anfühlen.^^

Mehr ausgegeben oder weniger?
Neues Schlafzimmer, IKEA, ich glaube ich brauche dazu nichts sagen.;-)

Mehr bewegt oder weniger?
Gleichbleibend 2-4 Stunden in der Woche, aber mit mehr Yoga und weniger HIIT - mein Asthma will das nicht und mein Rücken ist der Meinung, dass Beweglichkeit im Alltag eine total tolle Sache ist, während man vermutlich nie in die Verlegenheit kommt 50 Burpees für sein Überleben zu brauchen.;-)

Film des Jahres?
Ich hatte mir diese Kategorie mal offen gelassen und auf Star Wars gehofft, aber Migräne sei Dank (s.o.) muss dieser Kinobesuch jetzt vermutlich der erste in 2016 werden und wir sprechen nächstes Jahr darüber. Ansonsten bleibt mal festzuhalten, dass ich tatsächlich in 2015 nur 3 aktuelle Filme gesehen habe, von denen sich der 3. Hobbit mit Sicherheit nicht als Film des Jahres anbietet (sogar innerhalb der Hobbit Filme, war der so naja) und Jurassic World zwar nette Saurier hat, aber ein so unfassbar stumpfsinniges Drehbuch, dass es eigentlich ein "wie man es nicht macht" Beispiel sein könnte.;-) Also muss ich mich für 2015 auf die 2 Days of Ultron festlegen - da war wenigstens nur der Titel irreführend, aber die Charaktere ok.;-)

Buch des Jahres?
Im Gegensatz zu Filmen immerhin war 2015 ein gutes Jahr für Bücher. Mit den Rivers of London und dem Tearling habe ich gleich 2 Serien angefangen, die mich lange beschäftigt und gut unterhalten haben und auch im Sachbuch Bereich gab es wirklich viele Zufallsfunde, die mich sehr gefesselt haben. Ich hebe daher mal die Unterscheidung zwischen Buch und Hörbuch auf - da ich nur ungekürzte Hörbücher kaufe, ist der Inhalt ja derselbe - und vergebe mein Buch des Jahres an The Serpent Garden (suprise;-) und das Sachbuch an The Creation of Anne Boleyn (more suprise;-).

Erkenntnis des Jahres?
Manchmal kann man es nicht erzwingen. Habe ich in vielen Konfigurationen in diesem Jahr durchexerziert, sei es mental, körperlich, kreativ, motivational. Wenn man grade keine Ressourcen hat, muss man manchmal einfach damit leben, sich selbst in den Hintern treten bringt einen einfach nicht immer weiter, so gerne man das hätte.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ach, immer diese furchtbare Frage, die ich immer so schwer beantwortbar finde...Ich entscheide mich einfach mal für ein Geschenk, das ein paar Stunden Lebenszeit gekostet hat - Zeit zu verschenken, ist ja immer gut. :-)

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Die Krone muss leider dieses Jahr an den Ehemann gehen, der mir zu Weihnachten das unfassbar großartige Mystery Science Theater 3000 auf DVD geschenkt hat, obwohl er den Film abgrundtief hasst und meistens in ein seltsames Lalalalalala verfällt, wenn die Filmzitate anfangen zu fliegen. Etwas zu verschenken, das anderen Freude macht, obwohl man es selbst furchtbar findet - da muss einfach der goldene Gummipunkt hingehen, oder?;-)

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich muss niemandem etwas beweisen, außer mir selbst.
Ging nicht um mich, aber ist einfach eine ewige Weisheit für alle Lebenslagen.

Die größte Enttäuschung?
Hmmm...ich stelle fest, dass 2015 ein Höhen- und Tiefenarmes Jahr war. Das an sich ist ja nich schlecht, aber ich denke ich entscheide mich für das Bedauern, dass unserer alten Puschelkatze nicht mehr Zeit mit uns vergönnt war (Darmkrebs) - aber ich denke mit 10 schönen Jahren und einem schnellen, aber dafür großteilig Leidensfreien Abgang muss man sich zufrieden geben.

Beste Idee/Entscheidung des Jahres?
Brügge zum Hochzeitstag. Reisen ist immer gut und wir hatten ein bisschen Zeit und Ruhe wirklich nötig - und außerdem können die Belgier wirklich gutes Bier und leckere Schokolade, was will man mehr?!;-)

Vorsatz fürs neue Jahr?
Ich halte ja bekanntlich nicht viel von guten Vorsätzen, außerdem habe ich irgendwie jeden Dezember dieselben (weniger Essen, Trinken, Schlafen nach dem Wintergelage z.B.;-), aber ich hoffe sehr, dass 2016 ein gutes Jahr wird, um Projekte abzuschließen, die noch so halbfertig herumliegen.:-)

2015 war mit einem Wort?
Angenehm. Kann so bleiben, muss aber nicht.;-)

In diesem Sinne ein hoffentlich glückliches und erfolgreiches Jahr 2016 für uns alle!:-)

2015-12-28

Schoko-Käsekuchen Dessert mit Wintergrütze (ohne Backen)

Man erinnert sich vielleicht noch, dass ich Backen hasse - trotzdem esse ich gerne Dessert, was manchmal ein kleines Dilemma sein könnte, wenn es nicht so viele wunderbar leckere Dinge gäbe, die man ganz ohne backen zusammenrühren kann.;-)

Dieses Jahr zu den Feiertagen haben wir uns also mal an ein Schicht-Dessert gewagt, dass man wunderbar vorbereiten, in ganz normalen Saftgläsern sehr hübsch anrichten und ganz ohne backen zusammenstellen kann.

Man braucht (für 8 normal große Saftgläser):
- 2 Packungen Schoko-Kekse (hier American Cookies)
- 400g Mascarpone
- 200g Frischkäse
Vanillezucker
Milch
- 300g Grütze (hier gab es grade Wintergrütze zu kaufen, aber Kirschgrütze oder ganz normale Rote Beeren Grütze geht bestimmt genau so gut)

Als unterste Schicht haben wir je 2EL zerbröselte Kekse in die Gläser gegeben (so ca. 3/4 der ersten Packung). Dann wird die Mascarpone mit dem Firschkäse, dem Zucker (nach Geschmack) und ein Paar EL Milch zu einer glatten Masse verührt und schon kann das Schichten beginnen:
Keksbrösel
Frischkäsemasse
Grütze
Keks
usw...

In unsere Gläser haben nur 5 Schichten gepasst, aber man hätte natürlich ein bißchen dünner schichten, oder mehr Kekse zwischenschichten können.
Das Schöne ist, dass das immer lecker ist und immer gut aussieht, egal wie mans macht.;-)

Damit die Kekse nicht so hart sind, haben wir das Dessert morgens vorbereitet und danach so 5-6Stunden in den Kühlschrank gestellt, das ergab eine gute Konsistenz. Kann man aber auch natürlich halten, wie man will.;-)

Guten Appetit!

2015-12-26

Mass Effect 2. Oder: Suicide Missions und wie man sie überlebt.

Wir sprachen doch schon häufiger davon, dass 2. Teile in der Scheiße anfangen und in der Scheiße enden, no? Ich muss sagen, diese Theorie bestätigt sich tatsächlich immer wieder, denn auch der 2. Teil von Mass Effect passt sich nahtlos in dieses Schema ein.

Wenn man immer schonmal ein Spiel spielen wollte, in dem man zu Auftakt erstmal mit seinem Raumschiff in die Luft gesprengt wird, hier ist man da richtig.;-)


Anlaufschwierigkeiten hatte ich diesmal tatsächlich kaum, an die Sache mit den Feuerwaffen gewöhnt man sich irgendwann und die bessere Menuführung und Grafik helfen auch schon - außerdem muss man nicht mehr so viel Auto fahren, das kann ich weiterhin einfach nicht.;-)

Was für mich aber Teil 2 tatsächlich zu einem signifikanten Fortschritt macht, sind die gefühlten 100 Companions, die man unterwegs so einsammelt. Endlich mal wieder ein paar interessante Leute, mit denen man sich unterhalten kann! Auch wenn die DLC companions ein wenig einseitig bleiben  - schade, ich hatte eine Schwäche für das kleine, japanische Hacker-Girl;-) - haben sich die Autoren mit dem Rest zumindest Mühe gegeben. Singende Wissenschaftler, notgeile Ingenieure und Psychotic Biotics inklusive.

Ach so ja, und die Suicide Mission, die nicht umsonst so heißt - da muss man sich tatsächlich ein bißchen Mühe geben, damit alle (incl. Hauptcharakter) das überleben, bei Dragon Age kriegt man ja teilweise eher einen Gott-Komplex, weil man irgendwann irgendwie alles übersteht, ohne ins Schwitzen zu geraten.

Was die DLCs angeht, empfehle ich vor allem den Shadow Broker Auftrag noch mitzunehmen, daran hatte ich wirklich mächtig Freude- ich sage nur Auto-Verfolgungsjagdt in einem Hover Taxi, full Fith Element Mode, ich habe noch nir soviel Geflucht während ich so viel Spaß hatte.;-)

Insgesamt haue ich nur ein halbes Pünktchen runter für die manchmal ein bißchen eingeschränkten Interaktionsmöglichkeiten (ehrlich, jeder hält dich für tot und du kannst nicht mal deine Mama anrufen? Im 1. Teil ging das noch für unwichtigere Dinge!;-), aber 4,5 von 5 Raum-Taxis sind ja schon in Dragon Age Größenordnungen. Mal sehen wie das große Finale sich so spielt!:-)

2015-12-21

A fucking fairytale zur Rosenhochzeit

Brügge im Winter - was soll ich sagen?
Die Bahn fuhr planmäßig, die Stadt ist einfach immer toll, und wir konnten ein neues "Türme auf die wir raufgeklettert sind" Häkchen auf unserer Urlaubsliste abhaken. A fucking fairytale halt - Beweisfotos gefällig?;-)






 Prädikat? Sieht gut aus!;-)
Noch mehr Fotos gibt es hier.

2015-12-14

Invasion of the Tearling

Ich umgebe mich momentan ein wenig mit Welt-Endzeit-Szenarien, stelle ich fest - Hunger Games auf meinem Quatschkopf, Mass Effect in der X-Box und Invasion of the Tearling auf dem Nachttisch.

Vielleicht hilft das ja alles ein wenig dabei mich auf das Ende von Elysion einzustimmen, denn wenn man was über ausweglose Situationen und wie man ihnen begegnet, lernen möchte, ist man im Tearling ganz gut aufgehoben.;-)

With each passing day, Kelsea Glynn is growing into her new responsibilities as Queen of the Tearling. By stopping the shipments of slaves to the neighbouring kingdom of Mortmesne, she crossed the Red Queen, a brutal ruler whose power derives from dark magic, who is sending her fearsome army into the Tearling to take what is hers. And nothing can stop the invasion.
But as the Mort army draws ever closer, Kelsea develops a mysterious connection to a time before the Crossing, and she finds herself relying on a strange and possibly dangerous ally: a woman named Lily, fighting for her life in a world where being female can feel like a crime. The fate of the Tearling – and that of Kelsea’s own soul – may rest with Lily and her story, but Kelsea may not have enough time to find out.
Ich muss sagen mir gefällt weiterhin sehr, dass diese "Fantasy" sich nicht um Orks und Krieg dreht, auch wenn eine riesige Armee auf die Hauptstadt zieht, sondern um die Beziehungen zwischen Figuren, in einem sehr reduzierten Cast. Da passt es dann auch irgendwann sehr gut, dass die Böse Königin sich in diese Reihe nahtlos einpasst - böse ja, aber nicht unnachvollziehbar.

Ich mag unperfekte Helden und was das angeht, kann man sich hier sehr wohlfühlen.;-) Ich bin allerdings noch nicht so sicher, ob mir diese 2. Lily-Storyline wirklich so gut gefällt - zum Ende hin wird ein bißchen Crossing Hintergrund damit eingewoben, aber zu Anfang wirkt dieses "wir erzählen jetzt mal noch eine andere, völlig unverbundene Geschichte, weil unsere Heldin einfach Schlafwandelt" etwas gewollt und fremdartig...ich denke man wird abwarten müssen, ob es einen vernünftigen Abschluss im dritten Band gibt, bevor man sich dazu ein Urteil bilden kann.
Ansonsten habe ich nur das übliche zu meckern - zuviele Geheimnisse, die auf Teufel komm raus kryptisch bleiben sollen. Tut das Not?;-)

Für den "2. Teile fangen in der Scheiße an und enden in der Scheiße" Teil vergebe ich daher mal dieselben 4 von 5 Belagerungsmaschinen, wie für den 1. Teil und beinahe aus denselben Gründen. Ich hoffe mal auf den 3. Band was ein paar Antworten angeht - ich mag es wenn wenig Hintergrundwelt erklärt wird, aber wenn zu wenig Story erklärt wird, wirds irgendwann anstrengend.;-)

2015-12-09

Listening to: Stephen King - On Writing. Oder: Noch mehr Gedanken zum Schreiben (vorsicht lang!)

Ich habe schonmal erwähnt, dass ich keine Schreibratgeber lese, weil die mir Blutdruck machen, oder?
Es zeigt sich, dass unzulässige Verallgemeinerungen immer falsch sind und ich manchmal eine Ausnahme von meinen eigenen Regeln mache.;-)
Nein, im Ernst, ich stolperte in meinem Hörbuch-Abo über das Halb-irgedwie-Biographie, halb-Schreibratgeber Buch von Stephen King, ein Mensch, den ich schon sehr oft Dinge über Schreiben und Geschichten habe sagen hören, die ich sehr nachvollziehen konnte und mit dem ich meine beinahe pathologische Abneigung für zu viel Notzien teile.
Was läge da also näher, als sich das englische Hörbuch mal von ihm selber vorlesen zu lassen?
Nicht viel, ausser, dass der Blutdruck Faktor natürlich auch wieder zugeschlagen hat, aber der Reihe nach.;-)


Erstmal hat mir der autobiographische Teil sehr gut gefallen, auch und vor allem, weil ich viele der grundlegenden Prinzipen nachvollziehen kann:
1. Schreiben ist einsam
Das mag man nicht so bedenken, wenn man grade erst anfängt, oder es mag einen nicht stören, wenn man eher der introvertierte Typ ist, aber mich hat dieser Aspekt nach meinen Jahren Schreibpause und Theaterspielen sehr hart getroffen. Ich bin nicht so der Archetyp Einsiedler Poet und so ein Theaterstück auf die Füße zu stellen, mit allem Stress und allen Disskussionen und allen ständigen "auf engem Raum mit immer denselben Leuten eingepfercht sein" hatte einfach eine ganz andere euphorisierende Wirkung, wenn man es denn dann vors Publikum trägt, als in seinem stillen Kämmerlein eine weiße Seite zu füllen. Ich versuche das heutzutage ein wenig auszugleichen, in dem ich einen Chat-Kanal für meine Beta-Leser habe, in den ich schonmal ein bißchen Kommunikation pusten kann, wenn mir allzueinsam wird, aber ich versuche das nicht überzustrapazieren.;-)
Der Punkt ist, wenn man niemanden hat, der jeden Gedanken, jede Entwicklung und jede "innere" Diskussion in einem laufenden Projekt immer mitverfolgt (Co-Autoren vielleicht, oder seeeehr interessierte Freunde, Partner, Eltern;-), dann ist es sehr schwer im Gespräch zu bleiben - je mehr man erklären muss, desto schwieriger wird das und desto seltener macht man (aka ich) sich die Mühe.
Über kurz oder lang muss man also vermutlich damit leben, dass Schreiben bedeutet vor seinem Monitor zu sitzen, während andere Kinder in der Sonne spielen. Das muss man nicht schrecklich finden (im Gegenteil, wenn man das schrecklich findet, sollte man vielleicht ein anderes Hobby suchen;-), aber man sollte sich mental darauf einstellen.

2. Man kann nicht schreiben wenn man nicht liest und wenn man nicht schreibt
Ich habe letztlich noch gesagt, dass wir Geschichten nicht nur in Büchern finden. Das stimmt! Was man aber vor allem in Büchern findet, sind Grammatik und Vokabular und Mr. King & ich sind uns immerhin in dem Punkt einig, dass man ohne Grammatik und Vokabular schwer schreiben kann. Es kann ein Stilmittel sein, wenn ein Ich-Erzähler furchtbare Grammatik hat - ich denke so an The Knife of Never Letting Go - aber um es zum Stilmittel zu machen, muss man erstmal wissen wie es richtig geht. Und der Thesaurus bringt einen nur bedingt weiter - man findet immer ein hochtrabendes Synonym, aber ist das dann noch das, was man wirklich sagen will?
Über das Learning by Doing sprachen wir ja schon - jeder Autor schreibt in seinem Leben vermutlich 5x mehr Worte, als nacher auf der Seite übrig bleiben. Das ist einfach die Realität des Lebens.;-)

3. Schreib was du kennst oder dir ausdenken kannst
 Lange Zeit hörte man ja immer nur "Schreib was du kennst" und das ist Schwachsinn, wenn man es wörtlich nimmt. Wenn man es wörtlich nimmt, könnte niemand über Science-Fiction, oder Steampunkt, oder Elfen, oder auch nur historische Figuren schreiben. Schreib was du kennst ist (und war, glaube ich, immer schon) auf die tiefen Prinzipien von Geschichten gemünzt. Wie es in dem Buch heißt: Wenn man Klemptner ist und fasziniert von Space Travel, warum nicht einen Hauptcharakter wählen, der in irgendeiner Zukunft zum Wartungsteam eines Raumschiffes gehört?
Die meisten Geschichten bestehen aus uralten Prinzipien - Liebe, Hass, Gefahr, Konflikt, Macht, Trauer und und und - wenn man weiß, oder erlebt, oder beobachtet hat, wie Menschen auf diese Dinge reagieren, dann kann man darüber schreiben was man kennt, auch wenn die Hauptfiguren in der Geschichte alle blaue Navi vom Planeten XY sind.

4. Aufschreiben ist 30%, Überarbeiten 70%
Ich fand es sehr erfrischend einen unleugbar erfolgreichen Autor mal sagen zu hören, dass man weder Symbol noch Leitmotiv braucht, wenn man eine gute Geschichte zu erzählen hat. Ich wußte das immer schon, aber als Hobbyist hat man weniger Gewicht, wenn man sowas rausposaunt.;-) Was ich interessant fand, war die Herangehensweise eine Geschichte zu erzählen, danach zu schauen, ob sich irgendwelche Symbole und Motive drin verstecken und falls nicht, ok, aber falls ja, die - wenn man denn will - noch ein wenig rauszuarbeiten. Ich bin nicht so ein großer Freund von Symbol und Leitmotiv und halte sie meistens für ziemlich überbewertet, daher würde ich jetzt nicht die Hälfte meiner Geschichte nochmal umschreiben, nur um darauf hinauszuwollen, dass der Pfannkuchen eigentlich immer schon die Metapher für Jesus war, aber das bleibt ja jedem selbst überlassen.
Was ich auf jeden Fall gut kenne - vermutlich eine Krankheit von Notizenarmen Autoren;-) - ist, dass mir erst im Nachhinein auffällt wie wunderbar sich manche Dinge, die einfach so im Schreibfluss laufen, in das Große Ganze einpassen, auf vielen verschiedenen Ebenen, auch auf Motiv und Symbolebene.

Das sind die "großen" Prinzipien, an denen ich nicht rütteln kann, weil sie einfach so sind. Schwierig wird es für mich dann immer bei den "praktischen Tipps", über die ich mich unweigerlich ärgere und mich auch hier wieder geärgert habe.
Ein Beispiel? Stephen King hasst Adjektive. Man soll sowenig davon benutzen und in der Inquit schonmal bitte gar nicht. Am besten bleibt man bei Er sagte, Sie sagte, Er sagte. Wenn das Gesagte und die Situation nicht klar machen wie jemand etwas sagt, dann ist das halt schlecht und kein Adjektiv kann das retten. Und überhaupt Beschreibungen. Sowenig wie möglich und Adjektive sowieso.
Ich liebe Adjektive. Ich benutze hunderte davon, teilweise denke ich sie mir selber aus, um genau das zu beschreiben, was ich beschreiben will und meine Inquits? Haben manchmal sogar 2 davon auf einmal, weil man tatsächlich etwas amüsiert und herablassend sagen kann. Und sagen als alleinstehendes Verb? Ich hasse sagen. Niemand, in meinem Weltbild, "sagt" jemals irgendwas einfach so. Wir erklären, wir flüstern, wir stellen fest, wir beurteilen, wir lachen, weinen, schreien, zischen, bemerken, aber sagen? Nope.
Ich bilde viele meiner Figuren oft nur von außen ab und wie sie Dinge sagen, gibt wichtige Hinweise darauf was in ihren Köpfen vorgeht. Natürlich könnte ich das weglassen, damit Mr. King und Lesern wie ihm das besser gefällt, aber ich bin ziemlich sicher, dass dann hundert andere Leser die Geschichte irgendwann zur Seite legen, weil sie nicht mehr wissen was sie mit den Figuren anfangen sollen. Wörtliche Rede ohne Bühnenanweisungen ist hart, jeder der schonmal Shakespeare inziniert hat, weiß das. Und wieviele Menschen lesen zur Entspannung Shakespeare? Ok gut, ich, aber trotzdem!;-)
Und Beschreibungen? Sind mein Pride & Joy, ich bilde mir ein, dass ich ziemlich gut in sowas bin und ich liebe Bücher, die ein detailiertes Bild in meinem Kopf malen. Erinnert sich irgendwer an die Kirchentür in Der Name der Rose? Ich bin überzeugt, ich bin nicht die Einzige, die dieses Buch nicht trotz der Beschreibungen mochte, sondern wegen.

So und nun? Stepehen King sagt *haha* nicht "In meinen Geschichten mache ich das so" oder "Für mich funktioniert das so am besten" - ok doch, das sagt er manchmal, aber eben nicht gefolgt von "bei euch kann das anders sein", sondern von "also macht das so". Tut das, tut das nicht, oder sogar "Tut das um Gottes Willen nicht!".
Er sagt aber auch, dass man seinen eigenen Stil entwickeln soll und nicht versuchen wie jemand anderes zu schreiben. Hm.
Und das ist dann in jedem Schreibratgeber der Punkt, an dem unweigerlich ein kleines Mantra in meinem Kopf anfängt zu trällern, das da heißt "This is bullshit!". In Endlosschleife.
Ich denke, würde ich Mr. King jemals treffen und dürfte mich 5 Minuten mit ihm unterhalten, dann würde ich ihm genau das sagen und zu seiner Ehrenrettung (und meiner;-) denke ich sogar keiner von uns beiden hätte ein Problem damit.

Mein kleines Bullshit-Mantra zieht sich deshalb so konsequent durch den ganzen zweiten Teil des Buches, weil es - vielleicht ein Feature von Ratgebern aber für mich trotzdem ein Bug - die für mich wichtigste Regel des kreativen Arbeitens verletzt: ES KOMMT DARAUF AN!

Wenn jemand am besten arbeitet, wenn er 4-6Stunden am Tag an einem Schreibtisch mit dem Gesicht zu einer blanken Wand sitzt, jeden Tag nicht von diesem Tisch aufsteht und nicht die Tür aufschließt, bis die 2000Worte runtergerissen sind und keine größeren Schreibpausen als 1 Tag machen will, weil ihm sonst die Geschichte entgleitet und deswegen auch keine Ausnahmen für Geburtstage, Weihnachten und Trauerfälle machen kann und niemals Fernsehen würde, weil das Teufelszeug ist - ok, gut, fein, von mir aus.
Aber was hat das mit mir zu tun?
Ich bin nicht in der (glücklichen?) Lage meinen Tag frei einzuteilen, mein Arbeitszimmer hat keine Tür und eigentlich wandere ich mit meinem Rechner sowieso am liebsten von Zimmer zu Zimmer, mein Schreibtisch kukt durch ein großes Fenster in meinen Garten und feste Schreibzeiten und Wortziele bringen mir gar nichts, wenn ich keine Lust habe, kommt da nur Mist bei raus, den ich nacher unter "nutzlosem Aktionismus" verbuchen und komplett löschen kann. Schreiben ist einsam genug, ich nehme mir gerne Zeit für Geburtstage und andere Soziale "Verpflichtungen" und manchmal schwimmt mir eine Szene erst nach mehreren Wochen in den Fokus und meine Figuren und Plots kommen mir klarer vor den je. Und dieses pseudo-intellektuell-elitäre "Iih Fernsehen, wie kann man nur?" kann ich echt nicht mehr hören - wißt ihr wieviele großartig hilfreiche Ideen ich aus Serien und Dokus habe? Bleibt mir bloß mit dem Statussymbol "Fernsehablehnung" vom Leib, I know what I'm doing! (Obwohl ich zugestehe, dass in den späten 90ern, in denen dieses Buch entstand, vielleicht noch nicht sooo viel an TV Budget ausgegeben wurde, aber selbst da gab es schon den History Channel!;-)
Seine Arbeitsweise zu teilen, ist nett, aber daraus Regeln abzuleiten halte ich für tiefgreifend problematisch, denn: Es kommt IMMER darauf an.

Jede! einzlene! Regel! "wie man Dinge tut" kann und darf und muss von irgendwem irgendwo gebrochen werden, ansonsten bleibt jede Kreativität auf der Strecke.

Es fällt mir auf, dass ich sehr Beratungsresistent rüberkomme und in gewissem Sinne bin ich das auch. Der fundamentale Unterschied zwischen mir und Mr. King ist vielleicht der: Mir ist es ziemlich egal, ob jemand anderes mag was ich mache.
Ich glaube, es wäre kein großes Drama zuzugestehen, dass ich nicht mag was Stephen King schreibt (tue ich nicht und jetzt weiß ich ein wenig besser warum;-) und dass er vermutlich absolut hassen würde, was ich schreibe. Aber durch seine Ratschläge zieht sich eine generelle Leser-Orientierung, die man als Berufsautor vielleicht braucht, aber die mir komplett abgeht.
Ich sage meinen Beta-Lesern immer, dass sie nicht bis zum Ende "dranbleiben" müssen, wenn ihnen die Geschichte partout nicht gefällt. Ich muss/will meine Geschichten nicht verkaufen, was irgendein späterer Leser, irgendein Kritiker, oder irgendeine Zielgruppe, oder irgendein Zeitgeist von meinem Stil und meinen Figuren hält, ist mir ziemlich schnuppe.
Um im Wortschatz des Buches zu bleiben: Ich bin absolut überzeugt davon lieber ein mittelmäßiger Autor zu meinen eigenen Bedingungen zu bleiben, als ein "guter" oder "großartiger" nach der Definition von jemand anderem zu werden.
Und ich glaube auch damit hätte Stephen King kein Problem - das macht es besser.;-)

Unterm Strich kann ich trotzdem nur 3 von 5 Schreibmaschienen vergeben, denn außer der Erkenntnis, dass ich mit meiner im Selbstversuch entwickelten Arbeitsweise ganz zufrieden bin (das ist ja schonmal 3 Punkte wert, no?), war das nicht wirklich hilfreich und geärgert hab ich mich auch wieder, das ewige ZEN ist also mal wieder weg.*seufz*;-)

2015-12-06

Weihnachtsbäkerei 2015

Manchmal muss einfach ein Foto mehr als 100 Worte sagen - dank A.s Back-Talenten habe ich mal wieder "selbst" gebackene Kekse zu verschenken gehabt.

 Ich bitte besonders auf die Big Ben Kekse zu achten, die ganz großaritg aussehen - die Ausstechform war mein Geburtstagsgeschenk, man könnte also einen durchdachten Plan unterstellen.;-)


Schönen 2. Advent!

2015-12-02

Mass Effect 1. Oder: Das generische Lagerhaus. In Space.

Ich muss zugeben, ich leide unter extremen Entzugserscheinungen. Die letzten beiden Story DLCs für DAI sind nur und ausschließlich für die NextGen Konsolen rausgekommen - eine Entscheidung, die einigermaßen Sinn macht, wenn man sich erinnert, dass die downscale Version nicht sooo überzeugend war was die Grafik anging;-) - und nun muss ich also erstmal darauf warten, dass wir uns sowas irgendwann mal leisten können und wollen, bis ich endlich rausfinden kann wie die Geschichte ausgeht.
Ich bzw. wir haben ja auch nur...3? 4? Jahre auf diese Fortsetzung gewartet, also was solls, kein Problem, ich bin überhaupt nicht kribbelig oder ungeduldig oder so....*arrgh* ;-)

Um uns abzulenken, haben wir uns daher mal in den anderen epischen Story-Zyklus von Bioware geschmissen - Mass Effect - um mal zu sehen, ob die Storytelling und Charakterentwicklung auch drauf haben, wenn keine Elfenohren in Sicht sind.


Ich muss sagen, ich hatte extreme Anlaufschwierigkeiten mit dem Science Fiction Ding, meine bewährte Strategielose Dampfwalzen Kampfstrategie funktioniert mit einem Schwert besser als mit einer Laserkanone und ich fand die Dialoge zum Weglaufen. Das war einigermaßen ungewöhnlich, weil es wie immer bei Bioware natürlich eine riesige Hintergrundwelt gibt, etliche Comics, Bücher etc., die die Charaktere entwickeln (und die man - eine Leistung an sich - alle nicht kennen muss, um den Spielen zu folgen) - ich war also irritiert, dass das hier gar nicht klappte.
Irgendwann bin ich dann auf die glorreiche Idee gekommen mir mal ein paar Youtube Videos bei meinen bevorzugten DragonAge Kanälen anzusehen, die alle englischsprachig sind und siehe da: Die Dialoge im ersten Teil sind gar nicht so schlecht, das ist nur die Synchro.
Also haben wir die deutsche Version für ein paar Euro gegen einen gebrauchten UK Import eingetauscht und schon konnte ich ohne Gruselgefühle den Storyarcs folgen.;-)

Mit der Kampfdynamik hatte ich dann weiterhin meine Probleme, aber Übung macht den Meister und wenn die Story überzeugend ist, bin ich bereit einiges an Gedult aufzubringen - nur den Mako lenken, war bis zum Schluss eine unqualifizierte Katastrophe, ich sollte auch im Weltraum lieber nicht Auto fahren.;-) Und mit ein bißchen Gedult haben mich die Hintergrundwelt und die Charaktere dann doch irgendwann "gekriegt" - immer noch ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn man aus so Fantasy lastigen Spielen kommt, sich an die ganze "Commander"-Chose zu gewöhnen, ich hatte irgendwann eine Romance Option ausgekukt, aber aus den Dialogen die daraus entstehen, hätte ich jetzt nicht geschlossen, dass diese beiden Menschen zusammen sind...muss wohl so ein Militär Ding sein.;-)

Aber eine Sache muss ich dann doch mal anmerken: Es ist mir ein ständiges Rätsel, warum DA2 so verschrien ist - meine Theorie ist, dass "Gamer" eine gute Geschichte nicht erkennen, wenn sie sie in den Arsch beißt und sich lieber darüber aufregen, dass man kein Power Gaming betreiben kann und es manche Entscheidungen gibt, in denen man nicht "gewinnen" kann, aber das mag ein böses Vorurteil sein;-) - außer dass es mich wirklich gestört hat, ständig duch das selbe generische Lagerhaus zu laufen.
Andererseits habe ich noch nie gehört, dass sich irgendwer über die generische Space Station beschwert hat und das wundert mich dann doch, denn Weltraum oder nicht, ständig durch dieselben Container zu laufen, in denen es nur den Unterschied gibt, ob der Plotpoint dieses Mal im rechten oder linken Raum ist, war jetzt auch nicht spannender.^^

Ich bleibe also bei meinem Vorurteil, dass DA2 einfach unbeliebt ist, weil Gamer keine Rollenspieler sind und ziehe trotzdem für das generische Lagerhaus in Space einen Punkt in der B-Note ab.
Aber 4 von 5 Space-Panzer sind ja auch schonmal nicht schlecht, um sich abzulenken.;-)
Ich bin schon zu ME2 übergegangen inzwischen und da scheint man sich mit dem Design ein wenig mehr Mühe gegeben zu haben, aber dazu dann mehr, wenn ich es durch habe.

2015-11-29

Advent Advent 2015

Leider muss an dieser Stelle der übliche Bastel-Post mal entfallen - ich war nicht so fit in den letzten 2 Wochen und der 1. Advent im November überfällt mich sowieso immer ein wenig unverhofft...;-)

Zum Glück haben die Götter den Supermarkt erfunden und mit 2/3 zusätzlicher, frischer Tannenzweige und ein bißchen zusätzlichem Kram aus der Grabbelkiste wird auch in unter 10Minuten und für unter 10€ der Lichtspender zum Advent ein netter Anblick (und Tannen riechen sooo gut!:-).

In diesem Sinne einen schönen 1. Advent euch allen!!


2015-11-21

Listening to: The Creation of Anne Boleyn

Ich gebe es zu, ich suche immer noch nach einer Anne Boleyn Biographie, die mich nicht enttäuscht zurücklässt, was die "objektive" Betrachtungsweise angeht. Es scheint, dass manche historische Figuren einfach so tief in einer Art von "Kulturkampf" eingebettet sind, dass es schwierig ist - oder sich wenige Autoren die Mühe machen - Fakten und Propaganda zu unterscheiden.
Bei den Borgias ist das ähnlich, aber da hatte ich ja bekanntlich früh das Glück über eine wirklich ausgewogene Betrachtungsweise zu stolpern.

Bei Queen Anne suche ich noch danach, aber habe mit The Creation of Anne Boleyn von Susan Bordo zumindest eine interessante Alternative gefunden: Eine kulturhistoirsche Analyse warum es so schwierig ist in diesem Fall eine unvoreingenommene Darstellung zu finden.


Zunächst muss ich darauf hinweisen, dass man hier keine klassische Biographie findet - Kulturhistorie beschäftigt sich traditionell weniger mit dem Leben historischer Figuren, als eher mit ihrem "Vermächtnis", den Legenden, Archetypen und Feindbildern, die man so aus ihnen konstruiert hat und dem Warum & Wozu.
Daher finden sich hier auch nur in Teil 1 von 3 ein paar biographische Hinweise und auch dafür sollte man zumindest mit der grundlegenden "Story" vertraut sein - oder mal The Tudors gesehen haben.;-)
Teile 2 und 3 gehen dann nahtlos über zu Büchern, Theaterstücken, Serien und Filmen und wie sich die Darstellung und "Rezeption" der geköpften Königin mit den Jahrhunderten verändert, welche Einflüsse Victorianismus, Feminismum, freie Liebe und Neo-Konservatismus so auf unsere Vorstellungen von Tudor England nehmen und welche Autoren sich welcher Sichtweise verschreiben.

Das kann man total langweilig finden, aber ich finde es ziemlich großartig. Bis irgendjemand mal eine Zeitmaschine erfindet - und vermutlich nicht mal dann - werden wir manche Dinge und Zusammenhänge einfach nicht zu 100% sicher rekonstruieren können und was das angeht ist diese Art von "Konstruktionsgeschichte" auch eine nette Übung in Skeptizismus - wie ich schon sagte, man sollte nicht immer alles glauben was man liest, ist tatsächlich auch einer der Überschriften in diesem Buch.;-)

Überhaupt konnte ich mich sehr mit den Einstellungen der Autorin zu vielen Aspekten der Anne Boleyn Geschichte identifizieren: Wir teilen eine gewisse Faszination für diese ganze "doomed Love" Geschichte, die unbeantwortete Frage wie eine Beziehung, die sich Jahrelang "unerfüllt" hinzieht so endgültig auseinanderbrechen kann. Dazu gemischt werden so viele Melodrama Aspekte - die unglückliche Ehe & die andere Frau im Gegensatz von braver Hausfrau und freidenkerischer Mätresse - und politische Entwicklungen - Protestantismus, Absolutismus, die Gegensatz von Kirche und König - das man am Ende gar icht mehr weiß, wo die Biographie aufhört und die Legendenbildung anfängt.
Außerdem ist der Autorin und mir gemeinsam, dass wir und als Feministinnen sehen und einen vagen Impuls daraus ableiten eine "unkonventinelle" Königin vor dem unfairen, misogynen Urteil ihrer Zeitgenossen rechtfertigen zu müssen - klingt albern, ist aber so.;-)

Ich habe jedenfalls viel aus diesem Buch mitgenommen, auch wenn mir eine Biographie, die denselben Ansatz der Fakten und Legendentrennung unternimmt, immer noch fehlt. Unter anderem habe ich mir Anne of the Thousand Days noch einmal angesehen und kann mit einer neuen Sichtweise tatsächlich die Faszination der Autorin ein wenig nachvollziehen. Außerdem teilen wir die pathologische Abneigung gegen Philippa Gregory (aka "Alles in meinen Büchern ist die Wahrheit und wo sie es nicht ist, sollte sie es sein"^^) und The Other Bolyen Girl - ich war schon vorher überzeugt, dass dieser Film medioker ist, auch ohne die furchtbare Vergewaltigung historischer Fakten, aber es hat mich doch einigermaßen enttäuscht, dass die Darsteller des Films (von denen ich zumindest Natalie Portman und Scralett Johanson durchaus mag) sich ehrlich dazu bekennen sich nicht mit den historischen Figuren beschäftigt zu haben, die sie darstellen, weil "Historiker sind sich ja eh nie einig, also ist das ja egal". Ähm ja. I beg to differ and so does the author of this book.;-)

Ich könnte noch 100 andere Dinge erzählen, die ich interessant fand, aber das will vermutlich keiner mehr lesen, also sei noch kurz darauf hingewiesen, dass die Sprecherin des Hörbuchs auch einen sehr guten Job macht, bevor ich meine unvermeidbaren 5 von 5 Perlenketten vergebe.
Ein guter Kandidat für mein Sachbuch des Jahres, auch wenn das Cover ein wenig merkwürdig aussieht...;-)

2015-11-14

Wie man zu Schreiben anfängt

Vor gar nicht allzulanger Zeit, hatte ich darüber geschrieben wie man sich vielleicht behelfen kann, wenn es in einem Schreib-Prozess irgendwo hakt.
So nützlich ich das finde, habe ich damit natürlich ein wenig das Pferd vom Schwanz aufgezäumt, wie mir seitdem in 2 Kaffeepausen Gesprächen klar wurde, in denen es mehr oder minder um sowas ging wie "ich hab ja immer schon mal überlegt irgerndwas zu schreiben, aber" - ziemlich egal ob es darum ging seine eigenen Haikus, oder seine eigene Episode Walking Dead oder eine eigene Geschichte mit Zauberern und Dinosauriern für die Kinderparty zu schreiben, dieses 'aber' hat mich interessiert.
Wenn man eine Idee hat, warum macht mans dann nicht einfach?
Ich muss zugeben für mich ist das vielleicht einfach gesagt, weil ich mich nicht mehr aktiv erinnern kann, wann ich den Impuls hatte mit dem Aufschreiben von Dingen anzufangen, aber es gibt ja Menschen, die in einem verständigen, reflektierten Alter von irgendeiner Idee am Kopf getroffen werden und dann trotzdem nicht anfangen. Und da kam mir der Gedanke, vielleicht hätte ich mal mit ein paar Tipps zum Anfangen anfangen sollen *haha*, bevor ich vor mich hin salbadere über Tips zum Weitermachen.;-)

Thomas hatte sowas ähnliches mal gepostet, also werde ich versuchen mich wenig zu wiederholen - da wir scheinbar sehr unterschiedlich arbeiten (ich bin eher so der Stephen King Typ;-), dürfte das aber klar gehen, denke ich.

1. Anfangen
Ist eigentlich selbst evident, aber ich führe das gerne noch etwas aus: Wenn man eine Idee hat, die man gerne umsetzen würde, dann sollte man das tun.
Das sagt sich sehr einfach und man erwischt sich dabei, dass man sich denk "Well Duh", aber an irgendwas muss dieses erwähnte Aber ja liegen. Manche versuchen erstmal alles durchzudenken, durchzuplanen und zerreden sich eine Idee im Anfang, weil sie noch nicht jedes Detail sehen können.
Ich bin ein Fan davon Dinge laufen zu lassen - eine gute Idee ist erstmal ein Anfang, aber wenn man sie im Keim Verkopft, wird nie was draus.

2. Keep it simple
Eine andere Übersprungshandlung, die mir oft begegnet ist die "Materialsuche" - ich habe einfach noch nicht genug recherchiert, nicht das richtige Schreibprogramm, nicht das richtige Kartenmaterial, nicht genug Ahnung von meinem "Thema".
Ich will nicht sagen, dass Recherche nicht wichtig ist und man sollte eine ungefähren Ahnung davon haben, dass Wasser bergab fließt und Berge grau sind, wenn man ein Alpenpanorama mit Flusslauf beschreiben will, aber um wirklich einfach mal anzufangen braucht man das alles nicht. Entweder arbeitet man mit Platzhaltern, oder konzentriert sich erstmal auf Dinge, die nicht soviel Background brauchen, denn sonst wird "ich habe noch nicht die richtigen Infos, Software, Planung etc." auch so ein Verkopfen, das einen vom anfangen abhält.:-)

3. Ideen sucht man nicht, man findet sie
Eine einzelne Idee (es sei denn es ist eine grooooße Idee) reicht meistens nicht, um eine Handlung zu tragen - um bei Mr. King zu bleiben, meistens müssen 2 Ideen mit einem Bang kollidieren ;-) - aber auch das sollte kein Grund sein nicht anzufangen. Einfach nichts zu machen, um mehr Ideen zu suchen, funktioniert in meiner Erfahrung überhaupt nicht. Der Appetit kommt beim Essen und Ideen kommen beim Schreiben vereinfacht es vielleicht ein wenig zu sehr, aber um wirklich das Background Processing anzuwerfen, muss man ihm was zu frickeln geben.;-)

4. Umgeben von Geschichten
Der letzte Punkt, der mir einfällt (es gibt sicher noch mehr), und vom Anfangen abhält, ist dieses "Aber ich weiß doch nicht wie das geht". Dagegen gibt es wenig zu sagen, außer: Wer weiß das schon?
Die Tatsache ist doch die: Wir lernen in der Schule lesen und wir leben in einer Welt voller Geschichten, selbst wenn wir nie ein Buch anfassen. Wir alle wissen welche Geschichte der letzte Kinofilm erzählt hat, den wir gesehen haben, oder die letzte Serie, oder das letzte Computerspiel, oder eben das letzte Buch. Ich weiß nicht wie das geht, hat also nur damit zu tun vom Konsumieren zum Machen zu kommen. Fanfiction ist ein netter Einstieg, oder Geschichten, die in einem vertrauten Umfeld spielen (für Rollenspieler sind die 'vertrauten' Umfelder schon mal etwas ungewöhnlicher;-).
Learning by Doing ist auch so ein alter Hut, der einfach immer noch aktuell ist.

Der Punkt ist: Ohne Anzufangen, fängt man nichts an.:-)

2015-11-07

Marie Antoinette. Oder: Essays in Buchform

Ich hatte noch einen Folge-Artikel zum Thema "Man muss manchmal mehrere Sichtweisen kennen" versprochen und hatte mir zu diesem Zweck nochmal Marie Antoinette geschrieben von Joan Haslip auf den Nachttisch gelegt.


Eine wichtige Unterscheidung, die man im Bereich Biographien (oder eigentlich bei jeder Art von Sachbuch) treffen muss, ist diese:
Ist es die Intention des Autors uns eine neue Sichtweise aufzuzeigen? Falls ja, macht er das gut? Für Beispiele dazu siehe nochmal die Borgias (gut) und Anne Boleyn (naja).
Die andere Art von Buch, die gerade im Bereich Biographie auch oft anzutreffen ist, nenne ich mal "Interpretationswerk", weil es hier wenig um neue Erkenntnisse geht, sondern es ein Autor unternommen hat die vorhandene Literatur zu lesen und sich ein eigenes Bild zu machen, das er jetzt hier aufgeschrieben hat.
Im wissenschaftlichen Bereich, nennt man diese Art von Zusammenschreiben oft "verdienstvoll", was als Euphemismus von "ideenlos" zu verstehen ist. ;-)

Trotzdem kann ich an Interpretationsbüchern nicht wirklich etwas Schimmes finden WENN und FALLS man sich immer darüber im Klaren ist, dass man eben genau das liest: Eine Interpretation historischer Quellen durch einen Autor, die nicht zwingend mit der Realität übereinstimmen muss.
Ich teile daher nicht unbedingt die instinktive Ablehnung mancher Historiker für Bücher, die komplett ohne Fußnoten oder Quellenangaben auskommen - für manche Menschen ist diese Art von Sachbuch genau der Baby-Step weg vom "Historischen Roman", der vielleicht ein Interesse an besser belegter Literatur weckt. Und selbst falls nicht, so what? Ein Interpretationsgefärbtes Annekdotenwissen ist besser als gar kein Wissen und wir können ja nicht alle langweilige Geschichtsbücher mögen.;-)
Trotzdem kann ich Bücher aus dieser Kategorie natürlich nicht in demselben Maß "ernst nehmen" was den wissenschaftlichen Kontent angeht, das ist einfach eine Defintionssache und nicht abwertent gemeint.

Was die Interpretation der Autorin in diesem Fall angeht, wären mir ein wenig weniger Eigenurteile "Sie fühlte sich so und so" und mehr O-Töne (Zitate aus Briefen etc, ich erwähnte es ja schon, es gibt aus dieser Zeit Tonnenweise Material im Vergleich zu anderen Epochen!) lieber gewesen.

Trotzdem kommt man vielleicht in der Kombination ein wenig weiter, denn so einige Dinge, die andere AutrorInnen gerne und oft entschuldigt haben, kommen hier wenig gut weg - vielleicht auch zu Unrecht, darüber kann man sich dann ein Urteil bilden, wenn man mehrere Stimmen gehört hat (oder nicht, ist ja kein Muss;-).

Im Kontext vergebe ich mal 3,5 von 5 Seidenpantoffel, ein bißchen mehr Quelle und weniger Meinung hätte es für mich besser gemacht.

2015-11-02

Improvisationen in Steampunk. Halloween 2015

Es ist eine Frage, die sich jedes jahr aufs Neue stellt: Was mache ich eigentlich zu Halloween? Vielleicht haben andere Leute dieses Problem zu Karneval, oder zu Silvester oder so, aber ich denke die Frage ist immer ähnlich - was wird mein Kostüm und was muss es "aushalten"?
Eines meiner Lieblingskostüme ist und bleibt Miss Tudor, aber damit kann man nicht wirklich an Kostümparaden oder ähnlichen Dingen teilnehmen, die draußen stattfinden sollen.;-)

 In diesem Jahr wollten wir uns den Aachener Zombiewalk anschauen und mein erster Impuls war wirklich nochmal den Abandon Look aus dem letzten Jahr zu recykeln, denn Jeans und Lederjacke sind wirklich outdoor geeignet - aber andererseits hat man nur einmal im Jahr die Möglichkeit ein Halloween Kostüm zu tragen, da scheint es Verschwendung dasselbe Outfit 2x auszuführen, wenn man noch soooviel anderes Zeug in den Kostümkisten hat...;-)

Nicht so besonders durchdacht was den "zu Fuß gehen" Aspekt angeht, kam ich also auf den Trichter, dass man (ich) mit relativ wenig Aufwand irgendwas viktorianisch/steampunkiges machen könnte. Gekauft habe ich dafür eigentlich nur einen Karnevals-Zylinder für ein paar Euro und ein paar Zahnrad-Metallic-Klebetattoos, aber wenn man nicht so viel Zeug rumliegen hat, wird man außerdem noch folgendes brauchen:
- 1 weiße Bluse und schwarze Weste (sollte noch machbar sein)
- 1 Rock am besten mit Zugband
Ich habe mir sowas mal irgendwann als Unterrock für meinen Reifrock für ein paar Euro bei Ebay gekauft, aber man kann auch einfach 2-3m leichten, blickdichten Stoff kaufen und einen langen Schlauch mit Zugband nähen - dann für den richtigen Tournüre-Look einfach den Großteil des Stoffes nach hinten schieben, schon braucht man kein Popo-Polster mehr.;-)

Um das noch ein wenig schicker aussehen zu lassen, habe ich eine Tournüren-Schürze dazu kombiniert - ich sehe ein, dass sowas nun wirklich nicht mehr jeder so rumfliegen hat, aber meine war tatsächlich mehr eine Fingerübung, um meine neue Nähmaschine zu testen, nach einem Schnittmuster von Truly Victorian und das war wirklich easy. Wenn man sich also die Mühe machen will, ist es das sicher wert, ich fand es sah wirklich besser aus.




Um jetzt damit rumzulaufen, muss der Rock in den meisten Fällen noch ein wenig gerafft werden - Stadt-Straßen im Herbst/Winter sind meistens nicht so geeignet für Bodenlange Schleppen, auch wenn keine Kinder mit rohen Eiern werfen.^^
An den Rockseiten helfen Stecknadeln mit der "Lauflänge", den gerafften Teil am Hintern kann kan mit einer großen Stecknadel fixieren und dann mit einer kleineren Stecknadel, durch die erste Nadel haken und das ganze am Bund feststecken. Hält einwandfrei und auch hier hilft die Schürze dabei, dass man nacher nix mehr davon sieht.;-)

Dann noch einen schnellen Dutt (seitlich funktioniert besser mit Hut), ein paar Zahnräder und ein bißchen dramatisches Augen-Make-Up (ich hatte Hife dabei...;-) und einen Schal um den billigen Hut wickeln und schon ist das Ausgehfeine Victorianische Outfit fertig und überlebt sogar den Zombie-Walk.






 Vielen lieben Dank an der Stelle für das tolle Gruppenfoto an Hidden Butterfly: Arts by Jenny


Man sollte allerdings darauf gefasst sein, dass man noch eine ganze Woche glitzert - die Metall-Tattoos gehen mit genug Nagellack Entferner zu 90% schnell wieder runter, aber Glitter ist hartnäckig...;-)
Noch mehr Fotos gibt es hier.

2015-10-31

All Hallows Read 2015

Ich bin ja ein großer Fan von regelmäßig wiederkehrenden Blog-Themen - ok, gut, das mit den wöchentlichen hochtrabenden Gedanken hat sich kein ganzes Jahr gehalten, aber jährlich wiederkehrende Blog-Themen zumindest!;-)
Da bietet es sich doch an eine Blog-Tradition zu übernehmen, auf die mich Thomas grade gestoßen hat - den All Hallows Read, eine Idee von einem meiner Lieblingsautoren (Neil Gaiman) zu einem meiner Lieblingsfeiertage. Ich muss dazu jetzt nicht unbedingt jedem Bücher an den Kopf werfen, aber zumindest ein paar Hinweise für die langen Rauhnächte sollten ja drin sein!

Ich beschränke mich mal auf 3, da ich nicht soooviel aus dem Fantastik-Grusel-Spannungs-Bereich lese, gehen mir sonst schnell die Titel aus...;-)

1. The Oracle Glass
Jaja, ich weiß, gleich mal der erste "Grusel"-Roman und schon ist es nicht wirklich aus der Grusel Ecke, aber ich kann mir eben nicht helfen, das Buch ist seit 20 Jahren mein Liebenslingsbuch und hat alles was man so braucht: Hexen, vorlaute Dämonen, Seancen und Intrigen. Das es dabei eigentlich ein "historischer Roman" ist, empfinde ich jetzt mal mehr als Bonus, denn als Ausschlusskriterium, vielleicht lernt man am Ende noch was.;-)

2. Loreley
So das ist nun wirklich aus genau der Ecke, aus der es sein soll, Sagen und Legenden, böse Geister im Mittelalter, ein wenig Spielmanns-Mythologie und ein absolut gruseliges Psychokind. Wenn man das Buch schräg hält, läuft Blut raus und der Showdown hat mir Alpträume gemacht - absolut zu empfehlen!;-)

3. Das Daedalus-Labyrinth
Ja, ich weiß, noch ein Buch vom selben Autor und ja, ich weiß, inzwischen heißt das anders, aber ich nehme es trotzdem, denn a) geht es hier um völlig anderen Spannungsaufbau und b) ist der neue Titel grauenvoll.
Dieses Buch war eines der wenigen, das ich ausgelesen, umgedreht und wieder von vorne angefangen habe, denn es ist wirklich so spannend!;-)
Außerdem hat es wunderschöne KULTeske Ideen, Städte unter Städten, das Verirren im Vertrauten, alte Geheimnisse in Kunstwerken (diesmal nur in gut^^) und auch ein paar wirklich böse, böse Mindfuck-Szenen - was kann man mehr wollen? ;-)

In diesem Sinne Happy Halloween und angenehmes Gruseln!

2015-10-24

Lightnung Returns. Oder: On a mission from God.

Erinnert man sich noch an meinen Beschwerdebrief über Final Fantasy XIII-2?
Nachdem ich jetzt Monate und Monate ziemlich zufrieden meine verschiedenen Optionen in DAI ausgelotet hatte, wollte ich dann doch mal feststellen, ob sie mir nach diesem ewig langen "Wir retten die Welt - Ooops doch nicht" Fiasko im letzten Teil wenigstens noch irgendwas zu bieten haben, das es wieder rausreißt.

Da ich mich wie immer nicht im Spoiler scheren werde, sage ich dazu schonmal: Hmjoh war ok, aber der erste Teil ist alleine immer noch am geilsten.;-)
Damit kann jetzt jeder, der mag hier aufhören zu lesen und sich einfach ein bisschen den Trailer ansehen. Für die Funktionalitäten der Last Gen Konsolen ist die Grafik wie immer Zucker, also ruhig ein paar Filmszenen mitnehmen!;-)



Nach dem alten Prinzip - 2. Teile fangen in der Scheiße an und enden in der Scheiße - hatten wir es also erfolgreich vermasselt im 2. Teil irgendwas zu verhindern, was passieren sollte. Das an sich versöhnt mich immer noch nicht mit einem Spiel, dass mich 60 Stunden meiner Lebenszeit kostet und bei dem ich am Ende festhalten muss: Ok wenn ich einfach gar nix gemacht hätte, wäre das Ergebnis dasselbe. Groß-ar-tig.
An Teil 3 bin ich also unter der Prämisse herangegangen "Wenn mich das Happy End nicht weghaut, kommt das in die Tonne!".;-)

Und ich muss sagen, die Eröffnungsszene flasht einen schon etwas - die Grafik ist cool, die apokalyptische "500 Jahre später" Welt, in die man so unvermittelt reingeschmissen wird, ist wunderschön dekadent und düster und die alten Bekannten und neuen Gesichter, denen man gleich mal so begegnet haben einen netten "Hä? Was geht denn hier ab?" Effekt.

Leider hält sich dieser Effekt aber nicht ganz so durch, denn dieses "Du hast nur noch ein paar Tage, um soviele Seelen wie möglich zu retten." wird irgendwie vom Spiel selber ein bißchen sabotiert. Zum einen ist es natürlich cool, on a mission from God um die Welt zu retten und so, aber leider beißt sich die Geschichte mit dem "Gott versteht keine Emotionen, also nimmt er seinen Dienern selbige einfach mal weg, damit sie effektiver werden" Charakterdesign irgendwie selbst in den Arsch. Dieses ganze emotionslose, hochfliegende Monologing über Seelen Retten, Chaos, Verzweiflung, Hoffnung und Errettung in der neuen Zukunft wird halt irgendwann ein kleeeeiiiin wenig langweilig. Im ersten Teil wurde auch schon viel über Schicksal und Hoffnung und Freundschaft und Bla diskutiert, aber wenigstens waren da alle Figuren emotional voll dabei, da nimmt man das nicht so schwer.;-)

Das mit dem Seelen retten funktioniert außerdem nur über Nebenmissionen - was an sich nicht das Problem ist, ich habe nichts gegen Nebenmissionen;-) - die außerdem der einzige Weg sind zu leveln, weil es nur für abgeschlossene Missionen Erfahrungspunkte gibt. Das macht es etwas nervig, dass man trotzdem immer wieder Monster schnetzeln muss und trotzdem nicht einfach mal vor einem wichtigen Kampf ein paar Runden Monster Farming einschieben kann - warum sollte ich das tun, wenn ich dafür nix kriege?!?;-) - aber vor allem läuft halt in der oberen Bildecke immer die Uhr mit und DAS ist wirklich nervig. Nicht so sehr, weil man sich ständig unter Zeitdruck fühlt, im Easy Modus hat man ewig Zeit alles in den 13 Tagen zu erledigen, sondern weil man meistens mit 50 offenen Nebenmissionen gleichzeitig rumläuft und Charakter A ist nur zwischen 9 und 10 Uhr morgens anzutreffen, Charakter B aber nur von Mitternacht bis 5 Uhr morgens und Charakter C nur von Mittag bis 2 Minuten nach Mittag und alle must du ablaufen, um eine Mission abzuschließen. Ich übertreibe ein wenig, um zu demonstrieren wie sehr mich das genervt hat, aber nicht viel...

Man nehme also ein ziemlich nerviges System Nebenmissionen zu gestalten und einen emotionslosen Hauptcharakter, der jetzt auch nicht wirklich sooooo motivierend ist irgendwas nerviges zu unternehmen. Groovy... In den meisten Fanblogs schimpfen die Kinder lieber über das Kampfsystem, aber das fand ich nach ein wenig Eingewöhnung eigentlich ziemlich ok, man muss halt ein bißchen schneller an den Knöpfen werden, wenn man nicht mehr Rundenbasiert spielt, aber im Easy Modus war das meistens kein großes Problem.;-)

Die Happy End Filmszene (hatte Star Ocean Qualitäten, ich glaube fast ne halbe Stunde oder so;-) war dann auch etwas kitschig, aber ansonsten voll ok und wer wollte nicht schon immer mal Gott so richtig in den Arsch treten? Jaja Spoiler, aber wer am Anfang des Spiels noch nicht weiß, dass es am Ende darauf hinauslaufen wird, hat Teil 1 und 2 nicht kapiert.;-)

Ich bleibe weiter dabei, dass Teil 1 als abgeschlossene Geschichte gut funtioniert und eigentlich der einzige Teil ist, den ich mehrfach spielen würde (und schon getan habe), aber Teil 3 hat zwischendurch in den Hauptmissionen nette Ideen - sich spontan was ausdenken müssen, um zum Hauptdarsteller in einer Theateraufführung befördert zu werden, damit man in einem hübschen Kleidchen in einen Palast einbrechen kann, war so mein favorite;-) - und da verzeihe ich mal ein wenig von dem schwermütigen Tod und Chaos BlaBla.
Mehr als 3,5 von 5 Moogles werdens aber trotzdem nicht, Zeit, dass FF mal wieder mit anderen Charakteren was Neues macht. Auf der Next Gen Grafik dürfte das sehenswert werden! :-)

2015-10-17

Wenn Geld fliegen lernt

Weil sich der Geldschein-Geschenkebaum in meiner Statistik immer noch großer Beliebtheit erfreut, habe ich dann doch nochmal das Foto von unserem letzten Hochzeits-Geldgeschenk-Experiment rausgekramt - auch diesmal gibt es was "Pflanzliches", aber mit Schmetterlingen statt Blümchen.;-)

Das Geldschein-Origami für die Schmetterlinge ist natürlich ein wenig aufwendiger, als die gebundenen Blüten, aber dafür machen die kleinen "Tierchen" auch wirklich was her und haben mehr 3D-Effekt. Außerdem sehen sie in Blau wie in Rosa nett aus, man kann also verschiedenste Geldscheine kombinieren und (wenn man denn auf dieses Rollenklischeezeug steht;-) auch Babygeschenke damit machen.

Hier kurz die Anleitung:


Und das Foto vom fertigen Projekt - ich muss zugeben der Pflanzkorb ist fertig gekauft, aber immerhin selbstständig passend zu den blauen Schmetterlingen ausgesucht und verpackt.;-)

2015-10-10

Queen of the Tearling

Ich kaufe im Urlaub ab und zu gerne Bücher, nicht unbedingt, weil ich sie dann dringend lesen will, sondern weil ein ganz gemütlicher Spaziergang durch eine unbekannte Buchhandlung so eine wunderbare Einfalltür für Serendipity ist - Bücher, die ich schon kenne, oder von deren Existenz ich schon weiß, kann ich auch online kaufen, aber einfach mal an so einem großen Bücherregal vorbeizuschlendern ist halt noch was anderes und im Urlaub habe ich meistens mehr Zeit und Lust dazu.

Ein bißchen wie die Jungfrau zum Kinde - und vor allem weil ich das Cover großartig fand - kam ich daher zu einem un-fantasiesken Fantasy Buch: The Queen of the Tearling geschrieben von Erika Johansen


Für diesen Erstlingsroman gibt es mal wieder keinen Klappentext, nur unrelevante Pressestimmen, aber eigentlich lässt sich die Grobhandlung tatsächlich fast aus dem Satz auf dem Cover ableiten: Du bist die zukünftige Königin, wenn du es bis zu deiner Krönung schaffst, sehen wir weiter.
Auf dem Buchrücken wird der Vergleich mit Game of Thrones gezogen - was verständlich ist, da die Welt offensichtlich recht brutal ist;-) - und zu Hunger Games, was im Prinzip auch Sinn macht, denn viele Themen finden sich hier wieder: Eine junge Heldin im Überlebenskampf, der Kontrast von Arm und Reich und die Revolution gegen die Dekadenz und Korruption des Letzteren.

Im deutschen heißt das dann "Königin der Schatten", was sich mir a) nicht wirklich als sinnvolle Übersetzung erschließt, aber was b) noch viel schlimmer, mein Arbeitstitel für eine mögliche Fortsetzung für Elysion war. Hmpf!;-)

Ich bin allerdings bereit darüber hinweg zu sehen (die Autorin kann ja auch nix dafür vermutlich), denn die Geschichte macht - wie Hunger Games - einige Dinge ziemlich richtig:
- Die Idee eine "Mantel und Degen" Geschichte in der Zukunft zu erzählen - Fantasy-Science-Fiction? - gefällt mir hervorragend. Was das myteriöse "Crossing" notwendig gemacht hat, dass im 24. Jahrhundert dafür gesorgt hat, dass die Zivilisation quasi auf einen Entwicklungsstand vor dem Buchdruck zurückgefallen ist, wird noch nicht wirklich deutlich, aber die Grundlage ist spannend und unvorhergesehen und ein netter Rahmen um mal ein paar lahme Klischees zu hinterfragen.;-)

- Man sieht es schon: Es wird nicht viel erklärt und ich liebe es (mit leichten Abzügen;-)! Die Erzählerperspektive ist 3.Personal, was manche Einschübe aus anderen Sichtweisen als die der Hauptfigur erlaubt (anders als in HG), aber es wird nichts erklärt, was in der in-time Logik keinen Sinn macht. Das führt dazu, dass man als Leser viele Dinge nicht erklären kann, die die Figuren nicht erklären, weil es für sie "Lebensrealität" ist und das ist auch gut (oder zumindest konsequent) so!;-)

- Ähnlich wie bei Katniss hat man eine Hauptfigur, die man gleichermaßen nervig und großartig finden kann. Nach einer Weile haben mich die ständigen Hinweise darauf, dass sie ja zu dick und hässlich für eine "Prinzessin" ist, ein wenig genervt - ich finde es super, wenn weibliche Hauptfiguren badass sind, ohne dabei conventionally pretty zu sein, aber irgendwann hat man das auch kapiert.;-) Ich ziehe allerdings dafür mal keinen Punkt ab, weil es wenigstens noch ein wenig Charakterinhärent erklärt wird (so ich vs meine hübsche, aber dumme Mutter). Ähnlich nervt es mich, dass in der Verfilmung das dicke, hässliche Mädchen, das badass Königin wird, von Emma Watson gespielt werden wird. Nicht, weil ich glaube, dass sie nicht badass ist, aber man hätte diese Chance mal ergreifen können, jemandem mit Talent eine Chance zu geben, der tatsächlich dick und/oder nicht conventionally pretty ist... naja scheinbar zu kontrovers für Hollywood, aber auch nix wofür das Buch was kann.
Immerhin bleibt einem noch der Meta-Humor, dass sich Ex-Hermione Granger in dieser Rolle darüber aufregen darf, dass Fantasyliteratur wie Harry Potter & LotR keine gescheiten weiblichen Hauptrollen hat. Ich hoffe doch sehr, dass sie diese Stelle drin lassen!;-)

Einen einzigen Abzug habe ich dann aber doch: Damit die "es wird nichts erklärt, was die Hauptfigur nicht erklärt bekommen muss" Herangehensweise funktioniert, ist es notwendig, dass die Hauptfigur ziemlich wenig weiß, also wird sie in völliger Unwissenheit über ihr Königreich aufgezogen. Hm. Macht für mich wenig Sinn, das hätte man evt. anders lösen können, weil es ein wenig komisch kommt: Du bist in Lebensgefahr und wir alle erwarten große Dinge von dir. Aber Informationen, mit denen du das irgendwie hinkriegen könntest, geben wir dir nicht, weil deine Mutter uns das verboten hat...
Außerdem wird der Leser manchmal im Ungewissen gelassen über Dinge, die tatsächlich erklärt werden - ala: Und er erzählte er ihm alles was er wußte. - das ist als Spannungsaufbaumethode manchmal zulässig, aber wird mir hier zu oft angewendet. Ich steh nicht so auf diese Thriller-Erzählweise mit 1000 Twists, wie man vielleicht noch weiß.;-)

Trotzdem bleiben 4 von 5 Bärenfallen übrig (ich liiiiebe dieses Cover...;-) und den 2. Band habe ich schon bestellt, das dürfte genau richtig sein für kalte Herbsttage.

2015-10-03

Sleepy Hollow. Oder: Von der Geschichte verraten.

Normalerweise schreibe ich nicht viel über die Serien, die ich so sehe - was eigentlich interessant ist, insofern, dass es schon ziemlich viele Serien gibt, die ich/wir mal mehr mal weniger konsequent verfolgen. Viel viel mehr zumindest, als die paar Filme, die wir ab und zu mal anschauen.;-)

Der Grund warum ich nur in Ausnahmefällen mal von Serien erzähle, ist der, dass ich eigentlich immer davon ausgehe, dass solange eine Serie noch nicht abgedreht ist, ein Urteil über Gefällt mir/Gefällt mir nicht eigentlich nicht wirklich Sinn macht. Jede Serie mag ihre Staffel-Storyarcs haben, aber die Charaktere laufen ja weiter, machen neue Storylines auf, neue Erfahrungen, Entwicklungen etc. etc...
In der einzigen zitierten Ausnahme war es daher deswegen eine Ausnahme, weil ein Hauptarc tatsächlich zuende war, die eigentliche Serie damit hätte zuende sein sollen und so alles weitere jetzt quasi von fast 0 wieder anheben musste.

Trotzdem möchte ich mal was zu der Serie Sleepy Hollow erzählen, weil es eine Idee und eine Serie war, die mir so ungefähr 10 Folgen unfassbar gut gefallen hat und von deren Autoren/Geschichte ich mich danach umso betrogener gefühlt habe. Dazu kommen dann auch ein paar allgemeine Gedanken zum Storypacing, Spannungsaufbau usw., aber der übliche Disclaimer muss vorangeschickt werden: Ich werde keine Rücksicht auf Spoiler nehmen und wer die Serie bedingungslos bis zum Ende (der 1. Staffel) mochte, sollte vielleicht auch nicht weiterlesen, das wird nur unschön.;-)

Aber erstmal, worum geht es eigentlich?
Die Geschichte von Ickebot Crane, Katrina und dem Kopflosen Reiter dürfte zumindest in der Kinoversion mit Johnny Depp bekannt sein und mehr "Hintergrundwissen" braucht man auch nicht. In der Serienversion spielt sich die Geschichte so aus, dass sich anno dazumal (im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, das ist nacher noch wichtig, weil wir Gründerväter brauchen) Ickebot und der Reiter zeitgleich ins Jenseits befördern, woraufhin Mrs Crane aka Hexe Katrina die beiden quasi als untote Blutsbrüder verbindet, so dass wenn der eine wieder aufersteht der andere das auch tun muss.
Das erfolgt dann im Sleepy Hollow der Neuzeit und anfangs ist das ziemlich witzig, auch wenn nicht ganz klar ist, aus welchem Grund diese Zombie-Bruderschaft jetzt Sinn machte - es wird zwischendurch angedeutet, dass Hexe Katrina wohl nicht so ganz glücklich über den Tod ihres Mannes war, was nachvollziehbar ist, aber wie ihr das dann hilft ihn irgendwann in einer weit erntfernten Zukunft (in der ihre alten Knochen schon zu Staub zerfallen sein dürften) wieder aufstehen zu lassen, wird nicht wirklich erklärt. Zum Glück kommt schnell eine Bibelstelle zu Hilfe (natürlich) und Ickebot + schwarzer Sherrifin werden zu Zeugen der Apokalypse erklärt, die den Kopflosen Reiter aufhalten sollen, der (irre überraschend) natürlich ein apokalyptischer Reiter ist.

Soweit so christlich klar, wir wissen immer noch nicht wie Hexe Katrina das mit den Zeugen und der Apokalypse wissen konnte - außer "Hey it's Magic" das geht immer;-) - aber wenn man als ihre Motivation weniger Trauerarbeit, als mehr "sollte der nochmal wiederkommen, wär's gut, wenn ihn jemand aufhalten kann" praktische Planung unterstellt, macht das schon wieder Sinn und die beiden Hautpcharaktere sind einfach ein unfassbar gutes Team - so gut in fact, dass ich mir manche Züge dieser Beziehung für Elysion ausgeliehen habe, weil es eine perfekte Symbiose aus Witz, Fürsorge, Freundschaft, Pflichterfüllung und ein bißchen romantischer Spannung ist.
Dazu kommen dann der düstere Reiter, ein heimlicher Hexenzirkel, der in Sleepy Hollow weiterbesteht und ein Monster-Scherge, der früher mal Kollege und Ex-Date der Sherrifin war und alles hätte wirklich schön sein können.

Warum ist es das aber nicht?
Leider wurde den Autoren der Serie die ganze Chose oben scheinbar zu langweilig, also musste von allem MEHR her:
- mehr Plot-Twists, aus der Ecke "aha" (der alte Sherrif-Mentor war eigentlich sowas wie ein okkulter Ermittler), über "echt jetzt?" (natürlich ist die einzige Schwarze, die man in den Rückblenden sieht automatische eine Vorfahrin der schwarzen Heldin), bis zu "wtf?" (Hexe Katrinas Exil im Fegefeuer ist eine "Strafe" ihres eigenen Coven, aber wofür - also wegen der verbotenen Trauerarbeit, oder weil man die Apokalypse nicht aufhalten darf - erfährt man nicht, weil alle Mitglieder nach 2 Sätzen von der dunklen Bedrohung zermatscht werden)
- mehr Familienbrassel auf allen Seiten - der Kopflose Reiter ist Katrinas Ex, der (natürlich) eine offene Rechnung mit Ickebot hat ("Wie konntest du es wagen mich umzubringen, als ich dich dafür erschießen wollte, dass meine Ex-Freundin dich lieber mag?" Zum Glück redet der Kopflose Reiter nicht), der Apokalypse-Dämon ist der böse Geist, der dafür zuständig ist, dass die Schwester der Sherrifin seit Jahren in der Klapse sitzt, natürlich hatten Mr&Ms Crane einen Hexensohn und die Familie des Polizeichefs wird noch von Dämonen bedroht, während sie zwischendurch "warum wir uns scheiden lassen sollten" Gespräche führen
 - mehr düstere Bedrohung - aus einem Reiter werden potentiell 4, außerdem gibt es, Zitat "Legionen von Monstern", die es auf die Zeugen abgesehen haben und gegen die selbige eigentlich keine Schnitte haben, weil Menschen gegen Dämonen und so...also mehr mehr mehr Gefahren- und Konfliktpotential.

Und da wird dann das mit dem Pacing dann schiwerig, denn in einem Setting, das suggeriert, dass die Gefahrenstufen-Messlatte quasi zu 100% der Zeit bei +5000 unter der Decke klebt, wirken viele Dinge, die anfangs noch gut funktioniert haben (comic relief, Charakterentwicklung, Familien- und Vergangenheitsbewältigung) plötzlich sehr gehetzt bis deplatziert. Hier haben wir keine Monster of the Week-Folgen, wie bei Supernatural, mit denen man mal eine Verschnaufpause vom Hauptbösewicht machen kann und auch keine Folgen, in denen wir einfach nur Recherche, Familienbrassel und ein wenig Treasure-Hunting betreiben, weil die akkute Bedrohung grad mal abgeebbt ist, nein es muss alles! immer! gleichzeitig! passieren!
Ein Beispiel? Müssen wir wirklich als Zuschauer schon wissen, dass die bösen Dämonen schon mit der Polizeichef Familie im Haus sind, während die Helden der Geschichte erst noch diskutieren, recherchieren und drauf kommen müssen, wie man die evt. irgendwann mal besiegen könnte? Und muss die kleine süße Polizeichef-Tochter wirklich schon in den kompletten "Keinen Schritt weiter, sonst töte ich Mami"-Exorzisten-Modus umschalten, während die Helden erst auf dem Hinweg zu irgendeiner Sekte sind, in deren Haus man dann einbrechen, versagen, mit den Bewohnern diskutieren muss, um das Anti-Dämonen Dingsi zu bekommen und dann wieder zurück zu fahren und DANN noch genau rechtzeitig zur Rettung zu kommen?

Das wirkt einfach unheimlich lächerlich, kennt irgendwer diesen SWITCH-Sketch? "Haha ich werde dich töten, Xena kann dich nicht mehr retten, denn genau jetzt, ohne noch weitere Worte, werde ich dich töten, und niemand wird daran etwas ändern können, denn genau jetzt werde ich dich töten..."
Ich habe daher die letzten Folgen auch nur mit einem guten Buch in der Hand ertragen, denn soviel Perlen vor die Säue zu werfen, nur weil man sich nicht entscheiden kann welchen der 1000 angerissenen Konflikte man denn jetzt zu Ende erzählen will, macht mich einfach unheimlich aggressiv, vor allem WEIL die Ausgangssituation so großartig war. Man hätte das alles mit dem ursprünglichen Bösewicht zuende erzählen können und sich den "Twist" mit den anderen 3 Reitern vielleicht für die nächsten Staffeln aufheben - das hätte mehr Raum gelassen für alle möglichen Familienbrassel Plots, aber das kann man leider nicht, wenn man glaubt je mehr Twists ein Plot hat, desto besser.
Das läuft dann am Ende darauf hinaus, dass viele "wir müssen jetzt über etwas hinwegkommen"-Dialoge so ablaufen: "OMG ich habe einen Sohn und er wurde von einem Monster verfolgt und ich weiß nicht was aus ihm geworden ist/Meine Schwester ist gar nicht verrückt, ich habe ihr 20 Jahre lang Unrecht getan und jetzt muss sie mir verzeiehen, weil ich sie leider brauche/Das ist alles ein großer Freimaurer Plan, mit Konsequnzen für die ganze Menschheit - ja egal, wir müssen weiter." Echt? Ja leider.

Das mit den Freimaurern ist übrigens der Grund warum wir Gründerväter brauchen - es ist zwingend notwendig, dass wir im geheimen Grab von George Washington eine Freimaurer Pyramide finden und einen geheimen Geheimgang, den man nur mit Wissen über Freimaurersymbolik öffnen kann, um den Bösewichtem am Ausgang zu entkommen. Ja, Freimaurer sind solche Verschwörungsfans, dass sie geheime Geheimausgänge in ihre geheimen Gräber einbauen. Ja, so schlimm wird es am Ende, ich hatte darauf gewartet, dass Ickebot plötzlich zerfließt und sich Nicolas Cage so Terminator mäßig aus der Pfütze erhebt.

 Den schlimmsten Twist mit dem Hexenkind ersparen ich euch mal, das war der einzige Plottwist, den ich so nicht erwartet hatte, aber sogar der fußt auf einem sehr wackeligen Fundament:
1. Wenn Hexenkinder als Hexenkinder geboren werden, warum kommt dann seine Hexenmutter auf die tolle Idee den kleinen Feuerteufel auszusetzen? ("zu seinem Schutz" Blabla, passt nicht ganz, wenn man davon ausgehen muss, dass sich der kleine Warlock schon selber einäschert, bevor er die ersten Zähne bekommt)
2. Apropos zu seinem Schutz: Was hat der alte Hexenzirkel nicht nur gegen die Mutter sondern auch gegen das Kind? Da kommt wieder zum Tragen, dass uns schon nicht ganz einsichtig gemacht wird, was eigentlich der "böse Verstoß" war, der die ewige Verdammnis und das Töten von Kindern rechtfertigt. Irgendwie scheint das ernst genug, als das man das erklären könnte, aber "Ja egal wir müssen weiter" trifft es leider auch hier.

Fazit: Plot-Twists, die keinem anderen Zweck dienen, als eine "woah das wird so niemals jemand vorraussehen" Story zu konzipieren, lassen mich unbeeindruckt bis frustriert zurück - vielleicht lese ich deswegen keine Krimis/Thriller... - und wenn das dann auch noch auf Kosten von einer anfangs wirklich genial guten Idee geht, dann macht mich das wirklich sauer. Weswegen ich mir die 2. Staffel vermutlich schenken werde, Fernsehen, das man nur mit einem "Ablenkungs-Buch" ertragen kann, ist glaube ich keine wertvolle Nutzung meiner Lebenszeit.;-)
Sehr sehr Schade!!!

2015-09-26

Listening to: To the Scaffold: The Life of Marie Antoinette

So eine letzte Biographie hab' ich noch, danach gönn ich uns allen mal eine Pause...obwohl ich hab' noch eine Napoleon Bio rumliegen...aber der war/ist zumindest keine Frau!;-)

Ich erzählte ja letztlich erst, dass es manchmal ein paar Sichtweisen braucht, bis man sich im Einerseits-Andererseits von Geschichte so einigermaßen eine eigene Meinung bilden kann und To the Scaffold: The Life of Marie Antoinette geschrieben von Carolly Erickson und gelesen von Davina Porter ist da auch keine Ausnahme.


Was positiv zu erwähnen ist: Die Küchenpsychologie hält sich doch einigermaßen in Grenzen, manchmal wird ein wenig spekuliert was denn so die ein oder andere traumatische Erfahrung so mit einem machen könnte, aber das ist ja noch irgendwo legitim, man kann die Leute ja nicht mehr fragen.;-)

Außerdem befinden wir uns hier natürlich schon in einer Geschichtsphase, in der oft und gerne und glücklicherweise immer wieder auf O-Töne und Originalaufzeichnungen zurück gegriffen werden kann, was die Quellenkritik ein wenig unschwammiger macht - zur allgemeinen Quellenlage etc. kann ich aber wie so oft nicht wirklich was sagen, da Hörbücher ohne Fußnoten geliefert werden.;-)

Im Allgemeinen kann man hier eine Biographie lesen, die sich meistens doch erkennbar auf die Seite seiner "Hauptfigur" schlägt. Für die "naja da hat sie sich aber auch echt doof angestellt" oder "hm also wenn man ehrlich ist, ist dieser oder jener Vorwurf nicht von der Hand zu weisen" Einwände, müsste man vielleicht hier nochmal reinlesen.

Das werde ich dann beizeiten mal machen und die "Gegendarstellungs-Rezi" noch nachliefern, bis dahin kann ich aber schonmal überzeugte 4 von 5 Spitzenfächer für ein sehr kurzweiliges Vorlese-Erlebnis mit Wissensgewinn vergeben.

2015-09-19

Die Angst vorm Blinkenden Cursor. Strategien gegen Schreibblockade

Hm ich gebe zu, die Überschrift klingt ein wenig weniger snappy, als ich gehofft hatte, aber irgendwie wollte ich mal ein modernes Pendant zur Angst vor dem Weißen Blatt schaffen, ein Begriff, der es immer noch auf den Punkt bringt, aber für mich als Nicht-Handschreiber ein wenig unzutreffend ist.;-)

Anyway, ich hatte mich mal mit dem Gedanken beschäftigt ein paar meiner Strategien zur Überwindung von schwierigen Schreibphasen "zu Papier" (da isses schon wieder...;-) zu bringen. Eigentlich liegt mir dieses Systematisieren nicht so, ich bin ein kreativer Bauchmensch & wenn ich mich überhaupt dazu durchringe irgendwas systematisch zu machen, dann sind es meistens Plotstränge, oder Disposkizzen und selbst das mache ich nicht oft genug, als dass es einen organisierteren Schreiberling nicht zur Verzweiflung treiben würde.;-)
Außerdem habe ich eine tiefgreifende Skepsis gegenüber "Schreibanweisungen" oder "Wie man ein [XY] Buch schreibt" - teilweise vielleicht zu Unrecht, das gebe ich gerne zu.

Die folgenden "Tips" sollten also bitte nicht als Handlungsaufforderung verstanden werden - ich halte kreatives Arbeiten für so tiefgreifend und unapologetisch individuell, dass ich das sehr vermessen fände - sondern einfach nur als ein statement of fact.
Was ich tue, wenn eine Szene einfach furchtbar hakt und mir nichts einfallen will:

1. Weglassen
Im Ernst, das ist eine valide Überlegung in fast jedem Kontext. Während der Entstehungszeit der B(r)uchstücke sind viele am Anfang total spannende Ideen einfach wieder weggefallen, weil sich kein Anpack einstellen wollte sie umzusetzen - es gibt Autoren, die diese Rudimentärideen irgendwo hinlegen für den Fall, dass ihnen in 20 Jahren was dazu einfällt und das ist eine völlig valide Option. Ich lösche sowas einfach, Ideen, die sich nicht durchsetzen können, müllen nur meinen Datenspeicher zu - harscher Ideendarwinismus, wenn man so will.;-)
Nun ist das bei Szenen innerhalb einer größeren Erzählung noch etwas anderes, als bei einer in sich abgeschlossenen Kurzgeschichte, aber trotzdem sollte man immer die Frage beantworten können: Brauche ich das wirklich?
Eng verknüpft mit dieser Frage sind die Punkte: Was soll diese Szene "tun"? Welchen Fortschritt für die Geschichte bringt sie und kann ich das evt anders unterbringen?
Allein die Beantwortung dieser Fragen, kann schon dabei helfen einen besseren Anpack für die Umsetzung zu bekommen. Oft hakt es nicht, weil mir nichts einfällt, sondern weil ich einfach noch nicht genug drüber nachgedacht habe - nicht jede Szene fließt von alleine, manchmal muss man leider auch ein wenig denken. ;-)

2. Loslassen
Wenn ich aber keine andere Möglichkeit sehe, als das hakende Szenending umzusetzen und sich immer noch keine Idee einstellt, wie das anzustellen ist, lasse ich meistens einfach erstmal los und mache was anderes. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass man seine begrenzte Freizeit nicht mit unvergnüglichen Dingen verbringen sollte (und ich muss mit meinen Hobbies glücklicherweise auch nicht mein Geld verdienen), wenn das Schreiben also grade keinen Spaß macht, lasse ich es meistens einfach sein und mache irgendetwas komplett anderes.
Dieser Punkt ist ziemlich wichtig, denn ich nutze diese Auszeiten, um meinem Backgound Procesing Zeit zu geben sich mit dem Problem zu befassen und erfahrungsgemäß funktioniert das nicht, wenn ich statt dessen Blogge oder an irgendeinem anderen Text arbeite. Die Lust zu Schreiben und das dumme Problem aus der Welt zu schaffen muss sich wieder aufbauen und da hilft es nicht sich mit anderen Schreibprojekten abzulenken - mir hilft das nicht wohlgemerkt, andere Autoren schwören darauf, aber bei mir würde es nur darauf hinauslaufen, dass viele angefangene, aber nie zuende gebrachte Geschichten herumliegen.;-)

3. Vorstellen
Auch diese Technik mag nur für ich funktionieren, aber ich schreibe es trotzdem dazu: Wenn man schon weiß was in der Szene passieren soll, schließe man die Augen und stelle sich die Handlung vor, als wäre sie ein Film. Ich schreibe eigentlich immer so und ich denke teilweise merkt man das auch, aber es mag schwierig sein, wenn man eine andere Herangehensweise hat. Für mich hilft die Visualisierung dabei festzulegen was wann wer wo sagt/tut/sieht und die Abfolgen von Bewegungen, Dialogen und Beschreibungen ein bißchen klarer zu machen. Außerdem stelle ich fest, dass das Hirn gerne schon damit anfängt Bilder mental zu kommentieren, daraus kann man dann schonmal ein paar nette Formulierungsideen mitnehmen.

4. Systematisieren
Jaja, ich mache es nicht gern, aber manchmal ist es nicht zu vermeiden.;-) Einfach mal festhalten was man schon weiß, meistens Dinge wie "Wie ist die Ausgangssituation?", "Wie ist die Endsituation?" und "Was muss passieren, damit ich von A noch B komme?". Zu diesen Situationsskizzen gehört sowohl die äußerliche, wie auch die innere Situation der Figuren - meistens stelle ich fest, dass eine Szene, die den Test aus Schritt 1 übersteht vor allem deswegen wichtig ist, weil sie eine neue Situation für den äußeren Plot und eine Entwicklung von Figuren zeigen soll, also müssen diese beiden Pole auch gleichermaßen in die Route von A nach B eingebaut werden.

5. Vom Ende anfangen (optional)
Das ist nur ein Exeriment, das manchmal funktioniert und manchmal nicht, also nehme ich es mal als optionale Möglichkeit auf. Meistens ist es klarer auf was eine Szene hinauslaufen soll, als der einzelne Verlauf. Manchmal kann man also von hinten anfangen zu schreiben, mit dem Endresultat und dann mal sehen wie man mit den Notizen aus Schritt 4 dazu kommt die Lücke zwischen dem letzen Abschnitt und dem fertigen Szenenende zu füllen. Muss nicht funkionieren, kann aber.:-)





Wenn diese Schritte abgearbeitet sind und sich der Flow immer noch nicht einstellt, hilft es leider nur noch sich auf den Arsch zu setzen und die Szene mit den verfügbaren Informationen und Vorüberlegungen "einfach" runterzuschreiben. Dabei hilft es sich immer 2 Dinge klarzumachen:
1. Nicht jede/r/s einzelne Szene/Absatz/Kaptiel/Diaolog in einer größeren oder kleineren Erzählung muss pures Genie atmen. Manchmal hilft es schon die eigenen Ansprüche an sich selbst ein wenig unter Kontrolle zu bringen.;-)
2. Es ist immer so! viel! einfacher! einen holprigen Absatz zu überarbeiten, als die leere Seite zu füllen. Wenn also das Füllen erstmal abgehakt ist - so wenig man damit zuerstmal zufrieden sein mag - kann das Überarbeiten beginnen. Hier können natürlich auch Testleser helfen!

Und mit ein wenig Abstand stellt man vielleicht sogar fest, dass das Ergebnis gar nicht so schwierig ist, wie man befürchtet hat.;-)

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