2014-09-30

Ein paar Gedanken zu erzählerischer Prioritätensetzung

Ich weiß, eigentlich wollte ich Zwischenstände machen, aber da ich mich jetzt einen ganzen Monat "nur" mit einem Kapitel herumgeschlagen habe, wäre das nicht so vielversprechend...aber ich habe (glaube ich) zumindest rausgefunden warum das so zäh war und das ist (denke ich) die interessantere Geschichte!;-)

Ich habe mich im "Laufe" diess Kapitels mit Gedanken auseinandersetzen müssen, die so ein bißchen in dieselbe Kerbe schlagen:
1. Welchen Raum gebe ich Rückblenden?
2. Wieviel Love-Interest braucht mein Plot?

Und ich möchte noch einen dritten Gedanken dazunehmen, der mir beim Anlesen eines Buches unterkam:
3. Wie weit bin ich bereit meinen Stil meinem Erzähler anzupassen?

Nun gibt es ja Menschen, die jegliche Rückblende in einer Geschichte für fehl am Platz halten - ungelogen, ist wirklich so! - wenn man dieser Meinung ist, muss man sich mit Frage 1 nicht befassen, aber ich denke es gibt einige gute Gründe nicht chronologisch zu erzählen:
1. Ich mag gern mitten in der Scheiße anfangen!;-)
Man verzeihe mir die Wortwahl, aber ich wollte mal an das Prinzip von Fortsetzungsfilmen anschließen. Aber es ist ja so: Das chronologische Erzählen macht da Sinn, wo unsere Priorität darauf liegt, dass eine Situation oder ein Plot langsam an Fahrt aufnimmt - eignet sich z.B. gut für Horrorgeschichten, wo am Anfang alles ganz harmlos ist, bis es das irgendwann nicht mehr ist. Aber ich denke diese Chronologie zu durchbrechen, muss nicht zwingend überfrachtet, lang(weilig) oder verwirrend sein.
2. Leser vs. Charackterwissen
Mit Rückblicken spielen, bedeutet auch (fast) immer, dem Leser Informationen an die Hand zu geben, die nicht allen Figuren der Geschichte bekannt sind. So lassen sich ganz nette Spannungseffekte erzielen und psychologische Hintergedanken einstreuen.
3. Unterbrechen der Spannungskurve
Ich gebe zu, man muss mit Unterbrechungen der Spannungskurve vorsichtig sein - einen seiner Hauptcharacktere aus der sich gerade zuspitzenden Eskalation zu reißen, um mal eben für 300Seiten sienen Vaterkomplex aufzuarbeiten, hat mich schonmal dazu gebracht ein Buch angewiedert in die Ecke zu werfen.;-) Aber gerade im Aufbau des Konfliktes und in Kombination mit Punkt 2 kann man noch relativ gefahrlos die Frage beantworten wie man denn in die Scheiße überhaupt reingeraten ist...;-)

Diese Frage hat im Plot von Elysion ziemlich viel mit einem der Love-Interest-Plots zu tun, der aber sonst auch nichts macht, außer das zentrale Problem anzustoßen. Also findet diese zwischenwesenliche "Annäherung" nur in dieser einen Rückblende statt und danach vielleicht nochmal im Epilog, weil zwischendurch hat da keiner Zeit zu. Ich persönlich finde das nicht so schlimm, aber ich habe mich ziemlich lange und ausdauernd gefragt, ob ich aus reinem "Kundenservice" dieses Thema noch ausbauen sollte  - ich war ja beispielsweise bei den Herr der Ringe Filmen eher ein Verfechter der "ausgebauten" Frauenrollen. Aber andererseits wird im Krieg gegen Sauron auch nicht ständig rumgeknutscht und bei Hunger Games lenkt es eigentlich auch nur von der schönen Revolution ab!;-)
Ich werde mal abwarten müssen, was meine Beta-Leser davon halten...

Apropos Lesen, da war ja noch Frage 3. Ich versuchte am Wochenende in The Knife of Never Letting Go reinzulesen, weil es mir wegen Plot und Layout sehr ans Herz gelegt wurde. Die Grundidee finde ich auch ziemlich großartig (das Layout auch, aber das ist so mein eigenes Ding;-), aber worauf ich nicht vorbereitet war, war leider die Erzählsprache.
Der Erzähler ist ein pubertierender, ungebildeter Junge und genauso schreibt der Autor daher auch. Ich will jetzt gar nicht davon anfangen wie sehr die fehlende Rechtschreibung mir Fingernägel-auf-Schiefertafel-Magenschmerzen gemacht hat, sondern mal versuchen zu erklären, warum ich das Buch nicht weiterlesen wollte:
Zuerst mal: Ich kann total verstehen wie man auf die Idee gekommen ist. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist geprägt vom völligen Verlust von Wissen, Bildung ist verboten und die Bücher haben sie alle verbrannt. Hmm ok, woher sollte dann also ein 12jähriger gradeaussprechen und schreiben gelernt haben?
Aber: Wenn das wirklich so ist, wie käme man überhaupt auf die Idee irgendwas aufschreiben zu wollen? Und wenn die Ich-Erzähler-Perspektive keinen "geschriebenen Bericht" darstellen soll, sondern eine mündliche oder gedankliche Jetzt-Zeit-Erzählung, warum dann die falsche Rechtschreibung...? Denkt man tatsächlich in falscher Rechtschreibung? Soll das ein Akzent sein? Hat sich Sprache so sehr verändert und falls ja, warum?
Vielleicht hätten sich diese Fragen noch geklärt, aber unter dem Strich fand ich die seltsame Grammatik und die teilweise fast schon unverständlichen "Ich schreibe das so wie man es spricht" Ausdrücke machen das Lesen unnötig anstrengend und ich hatte schnell keine Lust mehr mich da durchzuwühlen.

Für mich hatte das allerdings den heilenden Effekt, dass ich mir jetzt weniger Sorgen mache, dass alle meine personalen Erzähler denselben Stil haben, auch wenn es "logischer" wäre, dass jede Perspektive ihre eigenen Charakterzüge hat. Manchmal muss scheinbar inhaltliche Logik hinter der Lesbarkeit zurückstehen und ich hoffe einfach mal, dass nich nur ich das so sehe...

Soviel erstmal zu ein paar unsortierten, halbausgegorenen Gedanken vom Wochenende, demnächst dann wieder ein bißchen was Brauchbareres!;-)

2014-09-27

Wir sind doch alle Individuen

Wie man weiß, versuche ich normalerweise meine kleine Blase im großen WWW Politikfrei zu halten - nicht, wie man mir hoffentlich glauben wird, weil ich keine Meinung habe, sondern einfach nur des tiefes Skeptizimus wegen, der mich in puncto Sinnhaftigkeit von Internetdiskussionen erfüllt.
Trolle mag ich nur in der skandinavischen und Fatasy-Variante, alle anderen können und dürfen sich gerne anderswo die Köpfe einschlagen - wem also nicht gefällt, dass ich die Kommentare in meinem Blog moderiere, der kommentiere einfach nicht.
In dieser Woche habe ich allerdings eine kleine Geschichte zu erzählen, die  thematisch gut zu einem Post von Thomas passt - und vielleicht auch eine Art Ergänzung sein kann, denn wenn es als Mann schwierig ist über Gleichstellung zu schreiben, kann es für XX-Träger ja eigentlich nur einfacher werden...we will see! ;-)

Angefangen hatte es mit der Rede zur Gleichberechtigung in dieser Woche gehalten von Emma Watson als Sonderbotschafterin der UN, die ich hier nochmal zu Wort kommen lassen will, weil sie einfach gut gemacht war:

Zu allererst möchte ich mich dazu mal Thomas berechtigtem Kommentar anschließen, dass die sofort entbrennenden Disskussionen zur Sinnhaftigkeit von "goodwill" Botschaftern und der Bezeichnungsfindung mal wieder zeigen, dass viele Menschen es immer bevorzugen werden über Details zu streiten, um bloß nicht mit der unangenehmen Wahrheit koonfrontiert zu werden, dass es hier um etwas Wichtiges geht. 
Mal ehrlich, wer sich allen ernstes wirklich lieber darüber aufregt, dass in HeforShe "der Mann wieder zuerst kommt", der hat hoffentlich noch genug Energie übrig auch was wirklich nützliches gegen die Benachteiligung von Frauen zu unternehmen, ansonsten muss ich ihm oder ihr leider das Label "nutzloser Troll" verpassen. Jeder Mann, der atmet, lebt und schreit für eine Gleichstellung aller Menschen in der Gesellschaft darf von mir aus gerne im Slogan "zuerst kommen", jeder Disskutierer (egal mit welchem Chromosomensatz) über so nutzlose Details kann wegen mir in seiner traurigen, dunklen Ecke sitzen bleiben, denn er/sie wird die Welt in absehbarer Zeit nicht besser machen.

That said,  würde ich aber gerne noch einen anderen Aspekt aufgreifen, der auch bei Thomas schon anklang: Die verbreitete Tendenz Diskriminierung zu Quantifizieren
In ihrer Rede spricht Ms Watson davon, dass sich auch Männer im 21. Jahrhundert in puncto Diskriminierung nicht mehr "sicher fühlen" können, aber in meinem Kopf konnte ich mir schon das Geschrei anhören, dass sich bestimmt wieder erheben würde: Wie unzulässig dieser Hinweis sei, weil Frauen ja schließlich öfter, länger und grausamer unterdrückt würden.
Diese Art von Quantifizierung begegnet einem oft, und ist unabhängig vom eigentlichen Thema - grade in dieser Woche gab es dazu noch einen Artikel im Mirror, der uns nahelegen wollte, dass die Diskriminierung von Übergewichtigen Menschen keine "echte" Diskriminierung sei, denn  "wirklich diskriminierte Menschen", wie z.B. Schwarze, hätten sich ihr "Schicksal ja nicht selbst ausgesucht". (Hier zu der wunderschön aufgearbeiteten Antwort von danceswithfat)

Selbst wenn wir mal unterstellen, dass der herablassende Unterton ("Schwarze können ja schließlich nichts dafür") nicht beabsichtigt war und festhalten, dass die Botschaft ("Pass dich halt der Gesellschaft an, dann beschimpft dich auch keiner - entscheide dich doch einfach nicht mehr fett, homosexuell, krank oder irgendwie anders zu sein als die "Norm", die wir sehen wollen") jeder einzelnen meiner moralischen Überzeugungen widerspricht, können wir hier doch eine klare Tendenz erkennen:
Es gibt Menschen, die historisch länger, institutionell weitläufiger und körperlich wie seelisch grausamer unterdrückt wurden, als das heute in einigen Ländern und bei einigen Minderheiten der Fall ist. Das sind objektive Kategorien, die ich nachvollziehen kann - ich würde niemals auf einer objektiven Skala behaupten wollen, dass eine dicke Frau, die im Fitnessstudio ausgelacht wird, auf dieselbe Weise leidet, wie die Opfer des Holocaust.

Aber ich stelle mal die dreiste Frage in den Raum: Na und? Macht es das für irgendwen besser?

Das Schlimme an der Quantifizierung von Diskriminierung ist, dass sie zur Aufrechterhaltung des Status Quo angeführt wird (oder als Ausrede einfach nichts zu tun) und daher in meinen Augen nicht nur schädlich, sondern einfach feige ist.
Natürlich gibt es immer irgendwo und irgendwann Beispiele auf der Welt und in der Geschichte, in der Menschen sich noch unaussprechlichere Grausamkeiten zugefügt haben. Aber daraus die Konsequenz zu ziehen, dass alle anderen "sich nicht so anstellen sollen", ist schlicht und ergreifend vermutlich die häufigste und damit hinterhältigste Art von Victim-Bashing, die ich kenne:

- Anderenorts auf der Welt werden Frauen noch gesteinigt, die deutsche Angestellte hat sich also nicht zu beschweren "nur" weil sie für denselben Job weniger verdient, als ihr Kollege.
- Männer haben jahrhundertelang Frauen unterdrückt, wenn also heute ein Mann von seinen Kollegen als "Weichei" beschimpft wird, weil er Elternzeit nehmen will, ist das nicht wirklich Diskrimierung.
- Viele Menschen wurden jahrhunderte lang als Sklaven gehalten, wenn sich also heute eine dicke Frau darüber beschwert, dass wildfremde Menschen sie auslachen oder beschimpfen, ist das nicht wirklich Diskriminierung.

Diese Liste lässt sich noch weiterführen, aber ich hoffe man sieht was ich meine: Der Hinweis darauf, dass an anderen Orten und zu anderen Zeiten Menschen auf andere Weise gelitten haben, macht Diskrimierung im hier und jetzt nicht "weniger schlimm" - oder in der logischen Konsequenz "mehr ok".
Ich kann den gesteinigten Frauen in 10.000km Entfernung nicht direkt helfen, aber ich kann hier und heute einen kleinen Jungen in Schutz nehmen, wenn er ein rosa T-Shirt tragen will.
Ich kann auch 2000 Jahre Unterdrückung nicht ungeschehen machen, aber ich kann in einer Diskussion darauf hinweisen, dass "Das verstehst du nicht, du bist ein Mann" genau in dasselbe Horn stößt, wie "Frauen können nicht Auto fahren".

In meiner perfekten Welt wären wir nicht nur alle Individuen, sondern wir würden auch so wahrgenommen - ohne die "(alle) Frauen können besser mit Emotionen" oder "(alle) Männer denken logischer" Stereotypen, ohne Verweis auf unsere genetische Herkunft oder unseren Körperumfang, ohne Label für unsere Sexualität und vor allem ohne die völlig unnötigen "wir gegen die" Grabenkämpfe, die allen Gruppen zu allen Zeiten immer eigen waren, um ihr Selbst durch ein Feindbild zu definieren. 
Aber bis es soweit ist, können wir zumindest aufhören die Diskriminierung von Individuen kleinzureden, nur weil andere Menschen(gruppen) irgendwo oder irgendwann mal noch mehr zu erleiden hatten. Außerhalb von sterilen Statistiken - oder von mir aus auch sterilen Ethik-Debatten - bringt das niemanden weiter und schütz niemanden davor verletzt und abgewertet zu werden.

Schlimmer geht immer, aber das sollte niemanden aufhalten die Welt wenigstens im Kleinen ein bißchen besser zu machen!

Soviel zum Wort zum vom Sonntag und demnächst dann wieder ein bißchen Montagsfrage und/oder Zwischenstände. :-)

2014-09-24

Listening to: The Tudors

Ich hatte ja vor gar nicht so langer Zeit noch festgehalten wie sehr mich ersthafte Quellenkritik erfreut - und ungefähr einen Tag später musste ich feststellen, dass der von mir so gelobte Autor nicht nur über die Borgias geschrieben hat, sondern auch über meine Lieblings-Dynastie die Tudors.
Da konnte ich mir das "Vorgänger-Werk" ja wohl kaum entgehen lassen, oder?;-)

Mein Quatschkopf war also jetzt lange bschäftigt mit dem ziemlich umfangreichen The Tudors geschrieben von G.J. Meyer, gelesen von Robin Sachs.


Der Autor erwähnt in seiner Danksagung, dass er quasi tief in der Schuld seiner Familie steht, dafür, dass sie dieses Lebenszeitvernichtende Projekt trotz allem mitgetragen haben. Und wenn man sich den Umfang des Themas und auch die schiere Anzahl der "Hintergrund-Exkurse" ansieht, kann man sich das irgendwie gut vorstellen...

Ein wenig schockierend für mich war allerdings zunächst nicht der Detailreichtum (für zu viele Fakten, gibt es selten einen Abzug, wenn die Präsentation stimmt;-), sondern die generalle Ausrichtung. An einigen Stellen wird es ein wenig langatmig und an anderen fehlte mir ein wenig Hintergrund, daher ziehe ich mal ein Pünktchen ab, denn das war bei den Borgias besser ausgewogen!
Ging es bei den Borgias allerdings auch noch darum zu zeigen, dass die gar nicht so schlimm waren wie immer behauptet, geht es hier um genau das Gegenteil - mit der möglichen Ausnnahme von Henry VII waren eigentlich alle Tudors ziemlich grauenhaft, folgt man der Argumentation des Autors, auch und ganz vor allem Henry VIII und Elisabeth I, die ja eigentlich einen mit Abstrichen halbwegs guten Ruf in die Neuzeit gerettet haben.

Ich wollte mich von manchen Argumenten nicht immer ganz umstimmen lassen - vielleicht eine sentimentale Schwäche, die ich mir zugestehen kann;-) - weil mir die moralischen Verurteilungen an Stellen ein wenig zu hart erschienen. Die Tatsache, dass Könige wie Überwesen behandelt werden wollten, aber leider meistens ziemlich normale Menschen mit allen möglichen Fehlern waren, ist ein Zwiespalt, den nicht nur die Tudors nicht ausräumen konnten.

Aber an vielen Stellen muss man sich der reinen Faktenanalyse leider stellen und wieder mal feststellen, dass "gute Könige" und "Weltherrscher" auch gleichzeitig fies, gemein, engstirnig und hinterlistig sein hunderte Menschen ungerechtfertigt umbringen lassen können, oder was der "politische Notwendigkeiten" mehr sind.
Als Aachener Historiker, mit dem Grab von Karl dem Großen im Rücken, kennt man das Gefühl.;-)

Ich vergebe trotzdem 4 von 5 Stammbäumen, weil ich immer dafür bin alle Seiten der Medaille zu kennen.

2014-09-21

Hunger Games: Bücher und Hörbuch

So jetzt habe ich es auch endlich mal geschafft die letzten Bücher vom "Weihnachts-Stapel" zu lesen - irgendwie dauert das jedes Jahr länger, aber zu meiner Verteidigung, es kamen ja auch zwischendruch immer mal wieder neue Bücher dazwischen, die ausgeliehen oder adoptiert werden mussten!;-)

Außerdem habe ich ja vieles schon in der Rezi zu den beiden ersten Filmen gesagt und da der dritte von vier demnächst in die Kinos kommt, werde ich mal versuchen nicht so viel zu spoilern (ich muss mir bei meinem Mann immer schon auf die Zunge beißen, aber wir lesen die Bücher jetzt zusammen nochmal, daher wird das hoffentlich noch vor Erscheinung des letzten Films in 2015 besser werden;-).

Also Fakten auf den Tisch, was bleibt noch zu erzählen über die Hunger Games Triologie geschrieben von Suzanne Collins, die Hörbücher gesprochen von Carolyn McCormick?

Zum Einstieg mal kurz der Hinweis, warum ich die Hörbücher gleich mitbespreche: Da die Ich-Erzähler-Perspektive quasi perfekt für eine einzelne Erzählerin ist und Carolyn McCormick nichts falsch macht, braucht man sich da keine Sorgen zu machen - wem die Bücher gefallen, dem werden auch die Hörbücher gefallen, oder eben auch nicht.;-)
Es war allerdings tatsächlich mal ein lustiges Experiment, da beide (Bücher und Hörbücher) schon solange bei mir rumliegen, mal eine Multimedia-Erfahrung daraus zu machen: So nach dem Motto "Mist ich müsste mal die Wäsche machen, aber das Kapitel ist grade so spannend - macht ja nix, lass ich mir halt solange vorlesen, bis ich zu meinem Buch zurück kann." Wenn das die Zukunft der Belletristik ist, bin ich dabei!;-)

Was mir gut gefiel:
Die Perspektive
Ich habe es schonmal erwähnt, aber ich sage es gerne nochmal: Ich-Erzähler sind nicht unkompliziert und auch nicht "ungefährlich" und man kann damit sehr viel falsch machen. Da ist es doch schön, dass hier eine Autorin wirklich alles richtig macht - ich habe mir sehr viel Mühe gegeben und ich habe keinen Logik-Glitch gefunden, keine "out-of-character" Unfälle und auch keine "oh da wollte sie aber diese Beschreibung noch unbedingt reinzwängen" Ausrutscher. Katniss als Hauptfigur bleibt sehr sachlich und manchmal auch brutal kurz angebunden, mit diesem Stil muss man leben lernen -  da wird dann eine Action-Sequenz, die anderenorts vermutlich seitenweise Beschreibungen, Dialoge und Atmosphäre hätte schonmal zu "und dann passierte XY", aber es ist konsequent und damit in meiner persönlichen Checkliste ok. Man darf es nicht mögen, aber man kann nicht behaupten es wäre nicht handwerklich einwandfrei gemacht.;-)

Die Erzählzeit
Ich finde Präsens-Erzählungen persönlich großartig und schon deswegen freut es mich ungemein, dass es eine "Blockbuster" Serie im Präsens gibt, die endlich mal mit diesem verstaubten "Bücher schreibt man in der Vergangenheit"  Quatsch aufräumt. Ich musste allerdings sehr aufpassen, weil ich beim Schreiben selber immer ins Präsens abgerutscht bin, während ich die Bücher gelesen habe...;-) Aber es passt auch zu der erwähnten "Survival-Mode" Denkart und der konstanten Apannungslage der Bücher, dass das alles im wahrsten Sinne des Wortes präsenter ist als die "ist ja eh alles schon vorbei" Erzählform.

Die Idee
Hier muss ich nochmal sagen: Wer auch immer anführen will, dass "Brot und Spiele", Überwachungsstaat und Distopie keine neuen Erfindungen sind, der hat einfach nicht verstanden wie Erzählen funktioniert und eigentlich auch nicht wie Lesen funktioniert, denn wo sollen wir dann anfangen eine "genuin neue Idee" zu finden? Harry Potter war nicht der erste Zauberlehrling, Indiana Jones nicht der erste Schatzjäger und John McLain nicht der erste Typ im zerrissenen Unterhemd, also so what??;-)
Mir geht es bei einer Geschichte nicht allein darum wie toll und neu alles ist, sondern darum, ob die Figuren und die Hintergrundwelt stimmig sind, ob ich mit den Charakteren mitleiden kann und Identifikationspunkte finde. Und da muss ich einfach sagen: Ja, ja und ja. Passt fertig, aus!;-)

Was mir nicht so gut gefiel:
Das Pacing
Ja, es gibt immer irgendwas zu meckern und so auch hier: Es ist sicher ein ganz bestimmender Faktor sowohl des Erzählstils als auch der Handlung an sich, dass die Erzählgeschwindigkeit und -Dichte unheimlich hoch sind - man kommt wie die Figuren selbst kaum zum Luftholen quasi. Allerdings ist der, ich sage mal, "Konsequenzreichtum", sehr ungleich verteilt.  Im ersten Teil sind wir seeeehr lange in der Arena mit Überleben beschäftigt, während Charakterinsights Zuhause kaum noch stattfinden. In Teil 2 ist die Balance zwischen "Hintergrundstory", "Beziehungspflege" und "Überleben" so ziemlich 50/50, weswegen ich auch Catching Fire für das beste Buch halte. Und in Teil 3 überschlägt sich plötzlich alles und man hat das Gefühl, dass die traumatischsten, schwerwiegensten Entscheidungen nicht nur manchmal, sondern zusehends immer in "Und dann passierte das" gepackt werden - das wird schlimmer ja näher wir dem Ende kommen, weswegen ich irgendwann sogar mal mutmaßte, ob der Autorin da eine Deadline weggelaufen ist, wegen der sie sich plötzlich keine Zeit mehr nehmen wollte oder konnte...möglich, aber nicht wahrscheinlich, hoffe ich zumindest.;-)
Der Zeitsprung um 20 jahre im Epilog (ja ok, kleiner Spoiler, aber der Einzige!) stört mich außerdem - der Epilog ist zwar nicht mal annährend so grausam wie der von Harry Potter (aber das ist auch keine Leistung;-), aber auch seltsam versetzt, gerade in der Präsens-Erzählform. Im "Jetzt"-Erzählen das "Jetzt" einfach mal 20 Jahre nach vorne springen zu lassen, ist irgendwie...seltsam. Und das Kapitel an sich ist auch zu kurz, um diesen Eindruck wieder zu zerstreuen. Hier wäre ein "Homecoming" Kapitel ohne soviel Zeit dazwischen meine Wahl gewesen, aber meiner Wahl nach wäre das dritte Buch auch ungefährt doppelt so dick, also was weiß ich schon.;-)

Insgesamt aber eine Jugendbuchserie, die (meiner Meinung nach und im Gegensatz zu vielen anderen) ihren Hype verdient hat und daher gibt es solide durchschnittliche 4,5 von 5 Wespennestern!

2014-09-20

Stöckchen: 10 Bücher

Ein kleines Stöckchen, das mir bei Facebook gleich mehrfach zuflog: Liste 10 Bücher, die dich beeinflusst haben, oder auch, wie es in der Kettennachricht heißt:
Die Aufgabe:
Liste zehn Bücher in deiner Chronik auf, die dir im Kopf haften geblieben sind. Benötige nicht mehr als ein paar Minuten und denk nicht so lange darüber nach. Sie müssen keine perfekten Bücher sein und auch keine Werke der Weltliteratur, sie sollen dich nur innerlich berührt haben. Sobald du dies getan hast, nominiere zehn Freunde, so wie du von einem nominiert wurdest, so dass sie deine Liste sehen können.
Irgendwie bin ich keine so mysteriöse Person, wie mir scheint, nicht nur finden Menschen irgendwie immer schnell heraus, dass ih wohl Katzen mag, nein, sie wissen auch immer ziemlich genau, dass ich Bücher mag...;-)

Tatsächlich ist ja aber die Frage "Welche Bücher haben dich beindruck/beeinflusst/berührt etc." mit eine der ersten, die man gestellt bekommt, wenn man erwähnt, dass man schreibt.
(Gut, die erste Frage ist meistens "Wozu?", was mich immer sehr fasziniert, weil ich nicht erlebe, dass Menschen deren Hobbies Fußball spielen, Kino, Motorad fahren oder Marathon laufen sind, gefragt werden, warum sie mit sowas ihre Zeit verbringen, aber das ist ein Thema für ein anderes Mal!;-)

Ich habe mir mal nicht zuviele, aber ein paar Gedanken gemacht und hier ist meine Liste (10 war sehr wenig, by the way!;-) - mit Links, das wäre bei Facebook anstrengend gewesen.

10 Bücher in keiner bestimmten Reihenfolge:
Neil Gaiman - Neverwhere
Noah Gordon - Medicus
Pauline Gedge - Die Herrin vom Nil
Terry Pratchett - Nightwatch
Anne Rice - The Vampire Chronicles (vordergründig Queen of the Damned)
Arthur Golden - Memoirs of a Geisha
Astrid Lindgren - Ronja Räubertochter
Annemarie Selinko - Désirée
Kay Meyer - Das Daedalus Labyrinth (leider umbetitelt in Die Vatikan Verschwörung)
Judith Merkle-Riley - The Oracle Glass

So und jetzt überlege ich mir mal, wen ich so nominieren kann...;-)

2014-09-17

How To: Bowtie-Top (eigentlich) und (leider) ein bisschen Improvisation

Diesen Post müssen wir mal zweiteilen, denn im ersten Teil möchte ich gerne erzählen was bei meinem neusten Easy-Make Projekt eigentlich hätte herauskommen sollen, weil mir die Idee total gut gefällt.
Im zweiten Teil will ich dann aber auch noch mal darauf hinweisen was dann am Ende tatsächlich daraus geworden ist, weil die Idee mir an mir nicht gefiel.;-)

Aber erstmal der Reihe nach:
Schritt 1: Das Ziel
Das Ziel der Aktion war ein "Bowtie-Top", was man im deutschen Raume nicht wirklich gut übersetzen kann und zwar nach diesem Prinzip hier.

Schritt 2: Umsetzung
Wie man schon feststellen wird, wenn man sich die Länge der Anleitung ansieht - das hier kann nicht wirklich schwierig sein. An sich ist es das auch nicht:
Wir nehmen einen Stoff und schneiden 2 Quadrate von ungefähr 80x80cm zu (es wird auffallen, dass sich das auch für alte Kissenbezüge geradezu aufdrängt), es sei denn die eigenen Körpermaße sind so klein & schmal, dass das lächerlich wäre, dann nehme man weniger.;-)

Dann nähe man die Seitenkanten auf halber Länge zusammen und säume den Rest einfach nur. Und dann ist man eigentlich mit dem ersten Teil fast fertig, denn jetzt sind nur noch der untere Saum ganz normal zu säumen und die Oberkanten (wo die Seiten offen sind = Ärmellöcher) ein bißchen breiter umzunähen, damit noch das "Schleifentuch" durchpasst.

Wie man das mit der Schleife handhaben möchte, ist natürlich Geschmackssache, hier kann mna auch wieder ein fertiges Band kaufen, oder wie in der Anleitung eine Stoffbahn verarbeiten - ich hatte eigentlich geplant eine alte Gardine zu verwursten, aber Blümchenmuster auf Blümchenmuster war mir dann doch zuviel des Guten, also kommt hier eine alte Organza-"Stola" zum Zug, die noch von irgendeinem Kostüm übrig war (die Gardine ist dann hier gelandet).

Und schon fertig:

Mein Problem an der ganzen Geschichte war jetzt sehr einfach: Das Ding sah einfach nur auf dem Bügel gut aus.
Ehrlich, an mir war das ganz schrecklich, weswegen es auch keine Fotos davon gibt - nicht nur, dass ich aussah wie eine Seekuh, weil das überhaupt keine Taille macht, nein, die Raffung am Rücken macht auch noch einen Buckel...und wer will schon eine buckelige Seekuh sein?;-)

Also kam die Stola wieder zurück in den Fundus und das Stoffstück erstmal in den Schrank, bis ich mich damit beschäftigen konnte was man denn jetzt damit macht (für einen Kissenbezug war mir der Stoff zu schade;-). Und wie meistens, wenn mir keine Idee kommt, habe ich erstmal durch meine Stoffreste und Nähkästen geschaut, was ich denn noch so an Kram habe, den ich "immer mal" irgendwo anbringen wollte. Dabei sind mir ein paar Blatt-Applikationen in die Hände gefallen, die ich irgendwo mal von einem Kostüm abgepiddelt hatte, weil sie nicht nach Mittelalter aussahen.
Meine erste Idee war das nach oben offene Oberteil damit quasi "zuknöpfbar" zu machen, aber dazu hatte ich a) nicht genug und b) gefiel mir nach dem Stecken das nur an ganz wenigen Stellen zusammengehaltene Oberteil ohne wirklichen Halsausschnitt eigentlich schon ganz gut.

Also habe ich nur an den Enden des Stoffes und jeweils 25cm weiter (bei mir ca. Schulterweite, wie das bei euch ist, würde ich messen!) ein paar Stiche angesetzt und die Stellen dann mit den "Blättchen" verziert. Dann noch einen schwarzen Gürtel drauf und schon sieht das auch nach was aus!;-)


Das Einzige was mich jetzt noch potentiell stört, ist dass das von Form und Machart her jetzt schon wieder fast dasselbe ist, wie das Fledermaus-Top, aber naja...ich hatte ja die besten Absichten und mir ist es lieber ein paar meiner Oberteile sehen ähnlich aus, als dass sie nach Seekuh aussehen.
Viel Spaß beim Nachmachen - von welcher Version auch immer!;-)

2014-09-15

Kochstudio: Tortellini-Salat (vegetarisch)

Irgendwie gab es lange keine Rezepte mehr (und irgendwie fällt mir das immer wieder auf;-), aber in dieser Woche habe ich eine Improvisation in meiner Küche zusammengebraut, die auf dem besten Weg ist mein neues Lieblingsessen zu werden:

Tortellini-Salat in der vegetarischen Variante mit Ricotta/Spinat Tortellini (die fleischige Variante kann man bestimmt auch nehmen, aber mir schmecken Ricotta Nudeln besser).

Zutaten (für 2 Portionen von Abendessen Größe):
- Eine mittelgroße Schüssel Salat
Über diese Angabe mag man sich jetzt wundern, aber ich denke tatsächlich, dass es keinen großen Unterschied macht welche Salatsorten oder Beigaben man nimmt, das kann man also ganz schlicht und ergreifend nach eigenem Geschmack entscheiden
- 250g Tortellini (am leckersten aus dem Kühlregal)
- 200g Kirschtomaten
- 100g Parmesanhobel
- grünes Pesto
- Balsamico-Creme

Zu allererst die Nudeln kochen, damit die mindestens 30Min abkühlen können - frische Tortellini brauchen ja eigentlich kochendes Wasser nur mal kurz von Weitem sehen.;-)
Die noch warmen Nudeln in 2 EL Pesto schwenken und zum Abkühlen zur Seite stellen.

Nach den erwähnten 30Minuten auf einem flachen Teller ein Bett aus Salat bauen, die Kirschtomaten und Parmesan nach persönlicher Mengenpräferenz verteilen und ein hübsches Muster (optional;-) mit der Balsamico-Creme draufmalen.
Dann die abgekühlten Nudeln dazu garnieren und essen!

So einfach, oder? Aber echt lecker!
(So lecker in fact, dass ich es jetzt schon 2x nicht geschafft habe ein Foto davon zu machen...;-)

Guten Hunger!

2014-09-07

Englischer Garten für Anfänger

Und hier noch ein kleiner, ganz entspannter Lektüretipp amWochenende!;-)

Bei den schon erwähnten League of Extrodinary Writers konnte man letztlich noch einen Eintrag darüber lesen wie es ist, wenn man sich von Büchern trennen muss. Gerüchteweise gibt es ja Menschen, die nicht gerne lesen und das Besitzen von Büchern irgendwie unwichtig finden, aber das hat mir nie so ganz eingeleuchtet...;-)
Als jemand, der sich in riesigen Bibliotheken wohlfühlt und dessen Bücherregal DAS entscheidende Objekt im Wohnzimmer ist, konnte ich mich in diesem Artikel sehr wiederfinden - Bücher weggeben ist schwer, aber irgendwie hat mich das Argument auch erreicht, dass es nicht ganz fair ist Bücher "festzuhalten", die man eigentlich gar nicht liest und/oder vielleicht nicht mal mag. Irgendwo könnten diese Bücher immerhin einen Leser finden, dem sie wirklich was bedeuten...

Also habe ich jetzt offiziell ein schlechtes Gewissen gegenüber den vielen Büchern, die immer noch in meinem Regal verstauben und werde mir bei Gelegenheit noch überlegen müssen, wie ich dieses schlechte Karma wieder loswerde - bis dahin kann ich aber wenigstens schonmal von einer Erfolgsgeschichte berichten, denn Aus meinem Garten von Vita Sackville-West ist ein von mir adoptiertes Buch, das mir wirklich ganz gut gefiel und so also endlich ein gutes Zuhause gefunden hat!;-)


Die einzige Einschränkung, die man hier machen muss, ist die etwas ungewöhnliche Machart des Buches - eigentlich eher eine Essay-Sammlung zusammengestellt aus Kolumnen, die die Autorin scheinbar für ein britisches Magazin geschrieben hat. Statt Schritt für Schritt Anleitungen für Anfänger, gibt es also Wissensschnipsel zu allem und jedem, damit muss man leben und es wäre auch nicht ganz verkehrt, wenn man schon ein bißchen gärtnerisches Vorwissen mitbringt!;-)

Außerdem muss man sich natürlich damit abfinden, dass der Englische Garten an sich nichts ist, dass man im Reihenhaus Vorgarten nachbauen kann - viele der Tipps sind toll, aber mir fehlen ungefähr 5000qm Platz dazu, um jedes Jahr drei neue Beete anzulegen und 20 neue Farbkombinationen auszuprobieren.;-)
Zudem ist der Englische Garten natürlich auch ein geplantes und minutiös "gewartetes" Konstrukt, dass dem eher intuitiven Ansatz von "was wächst, das wächst halt" entgegensteht.
Ein paar der Ansätze waren daher für mich etwas extrem - ich habe z.B. noch nie eine Pflanze wieder ausgerissen und weggeworfen, weil sie schief gewachsen war, oder nicht in der richtigen Farbe geblüht hat und ich hätte ehrlichgesagt auch ein schlechtes Gefühl dabei das zu tun... Aber das ist eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss!:-)

Unser Garten bewegt sich daher auf einem Mittelweg zwischen Planung (was mir schon Spaß macht) und Verwilderung (was passiert, wenn man nicht jede Woche Bock auf Gartenarbeit hat;-) und kann da auch bleiben. Ein paar gute Tipps und interessante Ansaätze nehme ich trotzdem mit, auch wenn einige der Pflanzen, die sehr spannend klangen seit den 50ern leider nicht mehr so einfach zu bekommen sind.

Dafür kann man seinen Spaß am Schreibstil der Autorin haben, die einfach schon klingt wie die Teerosen-und-Tea-Cake-Dame, die man sich in so einem Schlossgarten vorstellt.
Very british indeed!

Insgesamt vergebe ich also 3 von 5 Birkenwäldchen - wer tatsächlich einen englischen Garten pflanzen will, kann vermutlich 5 von 5 erwarten.;-)

2014-09-04

Schreiberlingische Stimmungsschwankungen. Oder: Arbeitsvermeidungsstrategien!;-)

Manchmal steckt man in einem Dilemma fest: Gerade habe ich wieder angefangen Hunger Games nochmal zu lesen (siehe Seitenpanel) und erfreue mich daran wie unfassbar gut diese Ich-Erzähler Perspektive geschrieben ist. Allein die konsequente Durchhaltung dieses kill-or-die-survival-Modus mit allen daraus entstehenden Gedankengängen entzückt mich ungemein.
Andererseits habe ich gerade angefangen das erste Viertel von Elysion zu überarbeiten und wie immer bei a) einem ersten Korrekturlauf und b) während ich ein gutes Buch lese, finde ich alles was ich bisher geschrieben habe furchtbar blass und langweilig.

Jahre der Erfahrung mit kreativen Arbeitsprozessen sagen mir, dass diese Phase wieder vorbeigeht und mir morgen vermutlich schon wieder auffällt wie geil mir Charakter X an der Stelle oder Formulierung Y an einer anderen gelungen ist, aber für den Moment könnte man sich trotzdem in den A**** beißen!;-)

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ziemlich viele Menschen wissen wovon ich spreche - vermutlich sogar auch die Leute, die die Bücher schreiben, die ich dann super finde;-) - aber ich hatte was das angeht letztlich einen Aha-Moment, dank eines Autorenblogs, das ich verfolge. (The League of Extraordinary Writers - siehe Blogroll)

In diesem nämlichen Artikel ging es um das kleine Monster, das in unserem Kopf wohnt und scheinbar extremst Valium-abhängig ist - kreatives Arbeiten und Denken ist sein Valium und wenn es das nicht bekommt, fängt es an in deinem kopf Amok zu laufen.

Und ich so: "Oh! mein! Gott! JA!" ;-)

Ich habe ja schon von den Gesprächen mit dem Zensor berichtet und ich glaube in Wahrheit ist der Zensor gar nicht die böse innere Stimme, die dich immer nur in den Hintern treten will und unschöne Kommentare zu deiner Arbeit abgibt - er ist einfach ein kleines grünes Monster, das sein Valium nicht bekommt!

Warum ist das jetzt eine Erkenntnis? Naja zum einen ist ein kleines, drogenabhängiges Monster ein niedlicherer "Gesprächspartner", als so ein dummer Typ mit erhobenem Zeigefinger und zum anderen, wenn man weiß, dass es eine Droge gibt, kann man vielleicht ein Methadonprogramm starten, für Abende wie heute, wo ich einfach nach Arbeit, Sport und Essen keeiiiiine Lust mehr habe irgendwas zu tun, das Konzentration erfordert!;-)

Also habe ich mal im Blogroll geschaut und klaue mir jetzt meine Arbeitsvermeidungsstrategie einfach bei Tine und verwerte mal ihr letztes Questionaire, basierend auf den Montagsfragen - hat ja für die Zwischenstände auch schon funktioniert und bis ich wieder ein bißchen Energie zusammenkratzen kann, muss das als Valiumersatz einfach mal reichen!;-)

Montagsfrage für Autoren

Die "Montagsfrage für Autoren" von Schreibwahnsinn - Nach einem Konzept von Paperthin


Schreibst du chronologisch Szene für Szene? und Wie ausführlich planst/plottest du deine Geschichten?
 Ich denke, für größere Projekte wird man nicht wirklich um die chronologische Schreibe herumkommen - klar man kann (wenn es der Kapitelaufbau hergibt) schonmal ein bißchen zwischen Handlungssträngen hin- und herspringen, wenn man gerade hängt, aber zuviel davon würde mich völlig verwirren, also denke ich mal die Antwort ist ja.
Was die Planung angeht, kommt das auf die Idee an - für manche Kapitel habe ich sehr genaue Vorstellungen und die Notizen alleine sind schon 1-2 Seiten lang. Für andere Szenen oder Kurzgeschichten habe ich mir teilweise nur einen Satz notiert und lasse die dann einfach mal laufen. Kapitel 3 und 4 von Elysion sind mir so komplett "weggelaufen", dass sie jetzt 5x mehr Inhalt und Figuren haben, als "geplant", aber so what? Solange man das am Ende irgendwie wieder zusammenbringt, muss man auch nicht jede Zusatzidee ausrupfen, wie Unkraut.;-)

Schreibst du nach Lust und Laune oder setzt du dir tägliche/wöchentliche Ziele?
Au weiah an wöchentlichen Zielen würde ich ja großartigst frustrieren und an tägliche will ich gar nicht denken!;-)
Aber einfach "wenn ich Lust habe", würde vermutlich auch zu nichts führen, denn dann kommt man schnell in so eine Denkweise auf den "richtigen Flow" oder die "richtige, perfekte, inspirationelle Situation" zu warten, die es meistens einfach nicht gibt, wenn man gerade kein Einsiedler in einer Berghütte im Nirgendwo ist...
Momentan habe ich also Monatsziele - will heißen ich will jeden Monat ungefähr ein Kapitel fertig schreiben und das bedeutet, dass ichso mindestens 2-3 Tage in diesem Monat dafür finden muss. Wenn das nicht klappt, ist mir das meistens aber auch egal, nur eine grobe Richtung reicht mir schon - ist ja nicht so, als müsste ich irgendeine Deadline einhalten.

Lässt du das Manuskript vor dem Überarbeiten erstmal liegen oder legst du gleich los?
Ich lasse die 2. Frage nach dem Betalesen mal weg, denn über die Alternativlosigkeit von Testlesern hatten wir ja schonmal gesprochen.;-)
Aber es ist tatsächlich so, dass ich nicht direkt nach dem letzten Punkt an einem Text, wieder hochscrollen und Korrekturen machen kann - meistens gehe ich erstmal eine Runde in den Garten, koche Essen, räume die Wohnung auf, oder bewege mich irgendwie. Und für größere Korrekturabschnitte, wie gerade, lasse ich mir natürlich Zeit, bis der "Sinnabschnitt" des Projektes tatsächlich fertig ist - manche Dinge fallen mir erst Tage und Wochen später ein, da muss man eben Gedult haben.;-)

Wer darf deine Texte als Erstes lesen?
Wer auch immer sich freiwillig meldet - Testlesen ist nicht unanstrengend, daher will ich das niemandem aufbürden, der dazu keine Lust oder Zeit hat. Mein Mann muss aber zugegebenermaßen oft herhalten, wenn ich grade eine kurzfristige Frage habe. Bisher hat er sich aber auch noch nicht beschwert.;-)

Hast du schon einmal ein Projekt abgebrochen und weshalb? und In welchem Alter hast du mit dem Schreiben begonnen?
Bekanntermaßen ist Bon Voyage nie fertig geworden, aber ob ich das als "Abbrechen" bezeichnen will, weiß ich noch nicht...die kleine Hoffnung, dass mir zu diesem elend langweilig Plot noch irgendwann die zündende Idde kommt, möchte ich nicht ausschließen!;-)
Aber für die B(r)uchstücke gab es so manche Idee, die irgendwann aussortiert worden ist, weil mir meine Notizen irgendwann nichts mehr gesagt haben und sich einfach kein "Anpack" eingestellt hat. Aber aus den Augen aus dem Sinn, ich könnte heute echt nicht mehr sagen was das war...

Mit der Altersfrage bin ich auch etwas überfordert - ich erinnere mich mal ein ziemlich grauenhaftes Gedicht für den Muttertag geschrieben zu haben, da kann ich nicht älter als 5 oder 6 gewesen sein...Danach kamen unendliche genauso grauenhafte Teenager-Depri-Gedichte und einige unausgegorene Anne-Rice-Fanfiction-Verbrechen und mit 16 oder 17 habe ich die erste Version vom Rosenfriedhof angefangen. The rest is history.;-)

Hast du in deinen Charakteren „wiederkehrende Typen“? und Was ist typisch für deine Charaktere?
Hmmm...keine Ahnung. Ich bilde mir ein, dass sich meine eigene Skepsis gegenüber Autoritäten und gesellschaftlichen Normen gerne mal in meinen (vor allem weiblichen) Figuren niederschlägt, aber ob das wirklich so ausgeprägt ist, dass man es als "wiederkehrenden Typen" bezeichnen kann, weiß ich ehrlich nicht...
Typisch ist aber, dass meine Figuren normalerweise keine schüchternen Mauerblümchen sind - ich mag Menschen, die sagen was sie meinen und für ihre Meinung einstehen und wenn meine Figuren anders gestrickt sind, dann muss das einen ziemlich guten Grund innerhalb der Story haben.;-)

Wie intensiv recherchierst du?
Pfff...gemessen an was? Sagen wir, ich versuche eine Balance zwischen "das musst du nachschauen, sonst behauptest du völlig unrealitischen Müll" und "ob das wirklich so funktioniert, interessiert doch keine Sau" zu finden, in der ich existieren kann, ohne mich zu sehr in Details zu verrennen oder mich ständig über meine eigene Unwissenheit zu ärgern.
Aber mein Google Log dürfte trotzdem sehr merkwürdig aussehen...;-)

Wer ist dein absoluter Lieblingscharakter aus deinen Schreibprojekten?
Böse Frage! Ganz böse Frage!! ;-)
Eine Figur aus Elysion, die leider schon in Teil 1 versterben wird, gefällt mir als Charakter sehr gut, aber eigentlich mag ich alle meine Figuren auf ihre Weise. Gillian aus dem Rosenfriedhof hat viel Spaß gemacht - Orgien aus Blut und Eingeweiden machen immer Spaß, vor allem wenn man "ganz normale" Figuren dahintreibt!;-) - und Aurora Robins aus den B(r)uchstücken hat definitiv Potential, aber ansonsten mag ich mich da nicht festlegen.

Wie viele Notizbücher besitzt du und wofür benutzt du sie? und Wie viele Ideen schlummern in deinen Notizbüchern?
Ich muss leider gestehen, dass ich es inzwischen hasse mit der Hand zu schreiben - spätestens seit mir die Handsehnen so Probleme machen, aber auch vorher eigentlich schon.
Heutzutage mache ich daher Notizen am Rechner oder am Smartphone, was auch den Vorteil hat, dass man nicht so krikeln, durchstreichen und verbessern muss, bis keiner (aka ich) mehr was lesen kann...;-)
In meinen alten Notizbüchern müsste ich mal nachschauen, da finden sich bestimmt einige Ideen, aber ob die gut sind, kann ich nicht sagen...in den letzten Jahren habe ich mich von der Überarbeitung vom Rosenfriedhof, zu neuen Ideen gehangelt und in den B(r)uchstücken sind mindestens 3-4, die man weiter verfolgen könnte, also hatte ich nicht wirklich Zeit mich um uralt Ideen zu kümmern...Luxusprobleme, ich weiß!;-)

Suchst du Bilder für deine Charaktere (z.B. Schauspieler, Models etc.)?
Ganz ehrlich?  Diese Idee ist mir noch nie gekommen...wirklich noch nie!
Bekanntermaßen gestalte ich meine Cover selber, aber Bilder suchen, die zu Figuren passen würden, ist eine Beschäftigung, der ich noch nie nachgegangen bin...sollte ich vielleicht mal ändern, aber für Elysion versuche ich gerade die äußerliche Beschreibungen der Charaktere ein wenig einzuschränken, da böte es sich also eventuell nicht an...wo fände ich außerdem ein Bild von einer Drachenfrau? Bitte sagt es mir nicht, es gibt bestimmt eine Pornoseite dazu...;-)

In welchem Genre könntest du niemals schreiben?
Chick-Flick und sämtlicher anderer Kram in der "Romantic Comedy" oder "Romantic Mystery" Ecke. Was ich selber nicht lesen will, will ich auch nicht schreiben.

Was war das erste Projekt, das du fertig gestellt hast?
Theoretisch Der Rosenfriedhof, obwohl die Ausgabe von 2002 stellenweise nur noch wenig mit der Überarbeitung von 2010 zu tun hat. Ich muss also wohl auch auf die Perlen für die Säue verweisen - die haben wir zwar auch 2010 nochmal überarbeitet, aber mit deutlich weniger Änderungen, also eher eine kosmetische Korrektur als ein wirklich neues Gewand.;-)

Liest du Schreibratgeber?
Außer dem einen, über den ich mich so aufgeregt habe, dass ich 3 Nächte nicht schlafen konnte? Nein, eigentlich nicht.
Bei Ratgenern aller Art schlägt leider mein Anti-Autoritäten-Ding voll durch - ich suche mir lieber selber meine Lösungen und neige dazu stur irgendwas abzulehnen, das mir irgendwer als Patentlösung vorschlägt...I'm simply weird this way.;-)
Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht ab und zu mal Schreibtips konsumiere, die mit irgendwas zu tun haben, das mich gerade umtreibt - ich habe absolut nichts gegen gute Tips von außen, nur diese "ganzheitliche Methode" von Ratgebern passt mir einfach nicht in meinen Kram, weil es meeeiiiin Kraaaam ist *bitteGolumhiereinfügen* und ich nicht glauben kann, das irgendwer anderes mir dazu was sinnvolles sagen kann.
Außerdem habe ich furchtbar schlaue Freunde, die auch schreiben und solche Bücher lesen, da kann ich mir die Mühe sparen und direkt um Rat fragen!;-)

Und schon ist mein kleines Monster besänftigt und findet sich damit ab, dass morgen erstmal der Rasen gemäht werden muss, bevor wir wieder irgendwas "sinnvolles" tun können. Methadonprogramm erfolgreich abgeschlossen!

Gute Nacht!;-)

2014-09-02

Hallo Herbst!

Kaum zu glauben, aber wahr - eben war noch gerade eben mal Sommer, jetzt ist schon eigentlich wieder Herbst. Und die Hälfte meiner "Sommerklamotten" ist immer noch nicht fertig, so kann's gehen!;-)
Ich bin aber fleißig dabei meine "To Sew" Liste abzuarbeiten und werde da diese Woche noch einen Post nachliefern, denke ich.

Außerdem ist auch bald wieder Zeit den Garten mal in Herbstform zu bringen - irgendwie freue ich mich da schon drauf mal wieder bis zu den Ellebogen in Erde zu stecken (am Wochenende habe ich zumindest schonmal den neuen Flieder eingepflanzt, so dass unser Busch ab nächstem Jahr eventuell schon zweifarbig blühen kann). Ich muss gestehen, den Sommer über war ich ein wenig faul, weil auch irgendwie nichts zu tun war... manchmal muss man sich auch mal zurücklehnen und den Pflanzen einfach beim Blühen zusehen und der August ist eigentlich ein guter Monat dazu (wenn es nicht dauernt regnet^^).;-)

Währenddessen geht Elysion diese Woche in die erste Korrekturrunde für das 1. Viertel (Kaptiel 1-5 von geplanten 20), damit meine Beta-Leser eventuell demnächst schonmal die Einleitung begutachten können. Kleine Schritte auf dem Weg zum fertigen Projekt, stärken ja bekanntlich Motiviation und Ausdauer - aber Zeit zum Drinnen Bleiben und Schreiben sollte ja potentiell eher zunehmen ja mehr das gute Wetter abnimmt...immer positiv denken!:-)

Ein Renovierungsprojekt für dieses Jahr gibt es auch schon - ich habe einen Pakt mit dem Ehemann, dass wir jeden Herbsturlaub zumindest ein Zimmer "Überarbeiten", letztes Jahr war es das Wohnzimmer - und es wird wieder um Klebeband gehen. Und Schildkröten!;-)

Und zu guter Letzt, bin ich nur noch 2 Monate vom Ende meines hübschen Origami Tellers entfernt...ich fürchte aber bis dahin muss ich mir noch einen größeren Teller suchen, oder endlich mal eine Idee finden, was ich mit den ganzen Papierfliegerchen nach den 365Tagen anstellen soll.

In diesem Sinne also einen guten Start in den Herbst! :-) 

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