2011-05-22

Her Majesty is not amused...

Wir alle konnten ja letztlich noch die allerletzte "Märchenhochzeit" der britischen Royals beobachten und vielleicht hat sich außer mir noch jemand gefragt, wie man eigentlich Monarchieexperte wird und warum eigentlich Millionen von Menschen ausflippen bei einem Kuss, der gerade mal 1,irgendwas Sekunden dauert (und warum zur Hölle man bei sowas die Zeit stoppt!;)?

Leider weiss ich immer noch nicht, wie man Adelsexperte wird - vielleicht mache ich da mal eine Fortbildung nach meiner Promotion!;) - aber das mit der Monarchie verstehe ich schon irgendwie. Minister und Parlamente mögen vielleicht die besseren Regierungsorgane sein, aber mal ehrlich, spannend sind sie nicht gerade. Monarchie hat sich seit Jahrtausenden vor allem deshalb gehalten, weil sie vermittelt, was man seit 5 Jahren Human Interest nennt und vorher 5000 Jahre Glorifizierung genannt hat - früher hat man für eine royale Hochzeit deswegen Ochsen geopfert, heutzutage bläst der komplette Medienzirkus zum Hallali. Ich überlasse es der kontroversen Diskussion welches das grausamere Ritual ist!;)

Passend zum Ereignis habe ich daher eins meiner "Entspannungs-Sachbücher" aus den Regal geholt:
Englands Königinnen von Marita A. Panzer


Man kann ja Vieles gegen Übersichtsdarstellungen haben, aber dieses Buch kann ich eigentlich vorbehaltlos empfehlen. Es liefert einen soliden Abriss über die Königinnen der englischen Neuzeit und widmet sich vor allem den Königsgattinen, von denen man ja naturgemäß ziemlich wenig weiss. Dabei ist es angenehm geschrieben, faktensicher und nicht überladen mit unnötigem Detailwissen.

Vielleicht nicht das richtige Buch für die wissenschaftliche Bibliothek, aber absolut geeignet für den Nachttisch, den verregneten Sonntagnachmittag, oder den Urlaubskoffer!
Von mir gibt es dafür 5 von 5 Kronjuwelen! *höhö*

2011-05-15

Öh ja, nee...is klar...

Vermelde stolz: Habe mich durch die nächsten 2 Taichi Figuren gekämpft - und das ist tatsächlich das richtige Wort, denn eine Figur kann einfach eine Drehung sein, kann aber auch aus einer Schrittfolge von ewig vielen Einzelbewegungen bestehen und davon gab's heute gleich 2. Da macht die nicht vorhandene Bewegungserklärung gleich doppelt Spaß...^^

Danach war ich erstmal bedient, aber auf die nächste Lektion muss ich mich auch erstmal seelisch einstellen:


Und vor allem muss ich mir überlegen, wie ich es ohne Gleichgewichtssinn jemals schaffen soll mir dabei keine blutige Nase zu holen!;)

Ein schönes Restwochenende euch allen!

ESC Gewissenskonflikte

Warum sollte man eigentlich sowas wie den GrandPrix kuken?
Ich habe das gestern beim Gartengrillen mit folgender Argumentation verteidigt, die - obwohl aus dem Stehgreif ausgedacht - meiner Meinung nach viel für sich hat!;)
1. Trash-TV entspannt das Gehirn und fördert den gepflegten Sarkasmus
Für die einen ist es GrandPrix, für die anderen die längste Lästerrunde der Welt. Dieses Argument zieht vielleicht nicht für Menschen, die den ESC tatsächlich anschauen, um gute Musik zu sehen, aber denen ist eh kaum noch zu helfen.;)
2. Im Gegensatz zu vielen anderen Trash-Formaten, mit denen man sein Gehirn so betäuben könnte, gibt's den ESC nur einmal im Jahr!
3. Manchmal - selten, aber tatsächlich - findet man vielleicht sogar mal einen Song gut.;)

Nach dieser schlagenden Argumentation konnte das fröhliche ESC Grillen also beginnen, aber ich muss schon sagen, dass ich mir von der hochgelobten Konkurrenz und den vorher so totgesendeten Favoriten irgendwie mehr versprochen hätte...
Über Lena will ich eigentlich schon gar nix mehr sagen - wenn irgendwann mal der Begriff  "over-advertised" zutreffend war, dann wohl hier. Der Song mag können was er will und sie selber von mir aus eine Zicke vor dem Herrn oder doch ganz nett sein, nach diesem Lena-Bobardement in den letzten 2 Wochen will und kann ich sie einfach nicht mehr sehen! Der Gerechtigkeit halber sei aber noch bemerkt, dass der Song zumindest ein wenig aus dem ESC Einheitsbrei hervorestochen ist, auch wenn ich die Klamottage furchtbar fand (wenn mein Hintern im Fernsehn 3x breiter als meine Schultern aussähe und ich in meinen 20cm Absätzen wie angeklebt auf der Bühne stehen müsste, wäre zu Zukunft meiner Konstümdesignerin stark in Frage gestellt!!!;).
Aber was war denn zum Beispiel mit der Schweiz? Die musste ich mir noch im Frühstücksfernsehen letzte Woche als Favoriten präsentieren lassen und dann? Letzter Platz! Nun mag man sagen, dass nicht einmal 20Punkte schon eine etwas harsche Watsche waren, aber mal ehrlich, der Song war auch unglaublich öde...Lalala hilft eben nicht immer.;)
Österreich und Frankreich wollten es mit tatsächlich ausgebildeten Sängern schaffen - warum hat denen eigentlich vorher niemand gesagt, dass man nicht sigen können muss, um den GrandPrix zu gewinnen? Das ist so, als würde man die Berliner Philharmoniker bei Florian Silbereisen auftreten lassen...

Trotzdem gab es ja auch lustige Auftritte (gewollte und ungewollte;). Ganz weit vorne bei den Freunden des gepflegten Sarkasmus beispielsweise der griechische Sirtaki-GangsterRap, die beiden männlichen Klone von Lady Gaga, oder die fleisch gewordenen Pril-Blumen aus Serbien. Einen einsamen Jungen mit Gitarre gab's auch wieder (und der war sogar noch langweiliger, als der Belgier letztes Jahr), dazu die übliche "Rockerin" mit Metallkorsett und der obligatorische "Human Interest" Kandidat war diesmal wohl Island.

So richtig vom Hocker gehauen hat das alles nicht - so von wegen unglaublich hochqualitative Besetzung - aber das hatte mit der Abstimmung am Ende auch nicht viel zu tun, oder?

Mal im Ernst: Ich persönlich mochte Moldaviens Spaß-Punk und das Sommer-Urlaubs-Liedchen aus Spanien, und der italienische Frank Sinatra war eigentlich auch ganz süß. Ich hätte es verstanden, wenn Blue mit ihrem "Yes, we can" Abklatsch gewonnen hätten, oder die Esten mit ihrer Zirkusnummer zum Mitsingen, oder von mir aus sogar Irland - der Song hatte wenigstens was, auch wenn die Jung unersträglich sind. Ich hätte damit leben können, wenn der Meeedchen-Bonus gezogen und Sweden oder Dänemark gewonnen hätten (da hätte zumindest das weibliche Auge noch was davon gehabt;), wenn der Sountrack zum Bild aus der Ukraine es gemacht hätte, oder von mir aus sogar die verhinderten Nightwish aus Georgien (der Song hatte sogar Potential, nur hat keiner der Sängerin Bescheid gesagt, dass das irgendwie rockig werden soll...). Sogar dem gesetzten Herrn aus Bosnien-Herzogovina mit seinem Schlaflied mit Einprägungsfaktor -5, häte ich es aus Respekt vor dem Alter noch gegönnt.
Aber die singenden Leinwände aus Aserbaidschan?!? Hallo???
Ich muss sagen, da war ich dann doch fassungslos. Also wirklich, ich meine fassungslos! Für mich war das der letzte Platz, noch nach dem schweizer Lala. Song lahm, Show lahm, schnulziges Antatschen vor Publikum und ein Typ, der aussieht wie Minnie-Maus kleine Schwester. Super.

Bei GNT habe ich vormals gesagt "Wenn diese leere Nulpe [damals Alisarrr] das gewinnt, dann kuk ich das nie wieder." Bis heute habe ich fest zu diesem Vorsatz gestanden. Nun bin ich in einem Gewissenskonflikt, ob nach dieser mir völlig unverständlichen ESC Entscheidung nicht eine ähnliche Einstellung angezeigt wäre...

Andererseits stirbt ja die Hoffnung zuletzt - vielleicht besorge ich mir einfach mal "So Lucky" für meine Playliste und hoffe darauf, dass nächstes Jahr wieder Lordi gewinnen!;)

Die Hure Babylon?

Der eine oder andere mag es vielleicht bereits wissen, aber ich bin Religion im Allgemeinen und den ganzen Jesus-Sekten im Besonderen gegenüber sehr skeptisch eingestellt.
Nicht weil ich denke, dass nett zueinander sein irgendwie eine schlechte Idee wäre, sondern weil ich irgendwann zu der Überzeugung gekommen bin, dass ich auch nett zu meinen Mitmenschen sein kann, ohne gleich das ganze Unfehlbarkeits-WahrerGlaube-Ministrantenbelästigungs Paket dazuzubuchen. Trotzdem - oder gerade deswegen - habe ich mich aber vor meinem Austritt aus dem Team Jesus mit der ganzen Glaubenschose intensiv beschäftigt und habe damit glaube ich vielen "eingebronenen" Katholiken einiges voraus. Das an sich finde ich immer wieder erstaunlich, denn mir ging es nur darum meine Ablehnung mit möglichst vielen Argumenten zu untermauern - kenne deine Widersacher und so - aber gute Christenmenschen wollen (oder sollen?) sich wohl eher selten mit den auseinandersetzen, was sie da so glauben. Wer das so macht "weil man das schon immer so gemacht hat" oder "weil's halt dazu gehört" soll das ja mit meinem Segen gern tun - geht ja nicht um meine Seele;) - aber manchmal muss man sich als aufrechtes Heidenkind schon wundern...;)

Da besuchte ich doch letztlich mit meinen Franzosen den Dom zu Aachen und der dazugehörigen Schatzkammer und musste wieder einmal feststellen, dass mir die Feinheiten christlichen Brauchtums einfach nicht nahezubringen sind. Ich kann beispielsweise die Kunstfertigkeit und Goldschmiedekunst durchaus würdigen, aber trotzdem sind Reliquien irgendwie fies - man kann noch soviele Edelsteine auf ein Glas kleben, aber wenn darin ca. 1qm getrocknete Menschenhaut aufbewahrt wird, stellt sich bei mir die notwendige Ehrfurcht nicht ein.
Aber was ich noch weniger verstehe, sind die Eigenheiten kirchlicher Finanzierung: Habt ihr euch mal die neuen Domfenster angesehen? Ich gebe offen zu, dass Kirchenfenster einfach schön sind - buntes Glas, Lichteinfall, die alten Baumeister wussten schon auch was sie tun! Nur mussten die Domfester wohl in der Neuzeit durch diverse Kriegsschäden erneuert werden und man hat daher für die Seiten der gothischen Kapelle ein modernes Design gewählt, was ja an sich nichts Schlimmes ist.
Nur war ich doch sehr schockiert, dass sich nun an der Basis jedes Fensters der Name des Sponsors gesetzt ist - zwar in einheitlich gefärbten Glas, aber trotzdem ein Mahnmal des weltlichen Kapitalismus.;)

Und jetzt muss ich doch mal die kontroverse Frage aufwerfen: Bin ich eigentlich die Einzige, die sowas stört? Ich meine, ich finde das schon störend, weil es mir den Kunstgenuss verdirbt, aber nun stelle ich mir vor, ich würde wirklich ernsthaft versuchen in so einem alten Kasten zu beten und müsste dabei ständig auf Saint Gobain Werbung starren - ist das nicht irgendwie...falsch?

Ich lasse das mal zur Diskussion gestellt und beschließe meine Erzählung mal mit der Anmerkung, dass ich es ziemlich nachlässig von unseren kleinen Reiseführer fand, dass er uns zwar 20Zahlen und Fakten zur Domtür erzäheln konnte, die lustige Geschichte mit dem Teufel und dem Daumen aber erst noch nachgeliefert hat, nachdem ich ihn explizit darum bitten musste (für sowas reicht mein Französisch nun wirklich nicht;) - Studenten können ein so schrecklich langweiliges, kopflastiges Völkchen sein!;D

2011-05-11

Hören ist das neue Lesen

Heute in der Kategorie "Auch mal was anderes als Pratchett" - das Hörbuch zu The Historian, geschrieben (wie bereits erwähnt) von Elisabeth Kostova, gelesen von Joanne Whalley, Dennis Boutsikaris, Rosalyn Landor, Martin Jarvis, Robin Atkin Downes, und Jim Ward.


Ich hatte dem Buch zum Hörbuch ja schon 5 Punkte gegeben, aber muss das im Nachhinein ein wenig relativieren - hinterher ist man ja immer schlauer.;)
Wie man vielleicht an dem etwas überlangen Line-Up der Sprechen schon feststellt, hat man sich hier gegen das traditionelle Ein-Mann-Hörbuch entschieden und so schon fast eher ein Hörspiel produziert - wobei allerdings trotzdem kein Text gekürzt wurde, ich h-a-s-s-e gekürzte Hörbücher!

Erst durch die Verteilung von verschiedenen Sprechern auf die insgesamt 5 oder 6 Ich-Erzähler der Geschichte ist mir dabei nochmal aufgefallen wie furchtbar verwirrend diese Erzählsituation beim Lesen teilweise sein kann. Irgendwann steckt man so tief in "Der Geschichte, wie ich das Tagebuch meines Vaters las, der die Briefe seines Professors gefunden hat, der beschreibt, was ihm ein anderer Typ erzählt hat...", dass man kaum noch weiß wer eigentlich grade was erzählt.;)

Durch die "ausgelagerten" Sprechrollen wird das plötzlich alles viel klarer und ist daher viel entspannter zu konsumieren - deswegen muss ich im Nachhinein dem Buch ein tinsywinsykleines bisschen abziehen, damit noch 5 von 5 Bibliotheksausweisen für das Hörbuch übrig bleiben.
Hören ist manchmal eben das bessere Lesen!;)

2011-05-08

Königin Victoria

Ich habe an anderer Stelle schon mal darauf hingewiesen, dass die Kunst der Biographie vor allem in der Liebe zur dargestellten Person zu finden ist.
Besonders spannend wird es aber dann, wenn diese Begeisterung für die Person oder das Thema den objektiven Blickwinkel nicht verstellt - eine fast spagatische Übung, die gerade deswegen umso wichtiger zu würdigen ist.;)
Deswegen gibt es heute eine meiner Lieblingsbiographien zum immer wieder lesen: Königin Victoria von Carolly Erickson


Bisher hat es kein englischer und auch sonst laum ein König geschafft länger zu regieren, als die gute Queen Victoria, nach der nicht umsonst ein ganzes Zeitalter benannt ist. 64 Regierungsjahre von 18 bis 81 im Dienste des Commonwealth sind an sich schon eine umfangreiche Biographie wert. Was ich aber bei der Darstellung von Carolly Erickson mag, ist der persönliche Blickwinkel auf Personen und Charaktere, der die geschichtlichen Fakten bereichert und sich so wunderbar aus den sentimentalen Überbleibseln victorianischer Nostalgie rekonstruieren lässt - Briefe, Tagebücher, Reiseberichte, Hausfrauenlyrik, der ganze wunderbare Quellentand den uns die Frühe Neuzeit so beschert.;)

Dabei schafft es die Biographie tatsächlich, dass der geneigte Leser (oder zumindest ich;) auf der einen Seite denkt: "Auweiah, mit der hätte ich es aber nicht ausgehalten!" und 20Seiten später doch zum dem Schluss kommt, dass die alte Schachtel ja eigentlich ganz niedlich war, bevor dieser Kreislauf dann wieder von vorne losgeht.;)

Von mir gibt es daher voller Überzeugung 5 von 5 Krinolinen für ein Sachbuch zum immer wieder lesen!

2011-05-01

Bewegungsselbsstudium - erstes Fazit

Man wird sich vielleicht erinnern, dass ich mir vor einziger Zeit mal in einem Zuge spontaner Begeisterung ein paar Übgungsfächer für Tanz und Tai-Chi gekauft hatte?
In letzter Zeit ist die Beschäftigung damit eher dem Entspannungszwang zum Opfer gefallen, aber vorher hatte ich schon ein wenig damit herumgespielt.;) Nachdem jetzt auch mein Yang-Tai-Chi Lehrvideo angekommen ist (das irgendwie nur sehr unregelmäßig in Deutschland zu bekommen ist, wewegen es auch schon letztes Jahr auf meiner ToDo Liste stand;), habe ich heute offiziell mal ein neues Selbstexperiemt gestartet: Kann man etwas regelmäßig tun, ohne sich verpflichtet zu fühlen es regelmäßig machen zu müssen...
 Ich weiß, das klingt furchtbar kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht und ich glaube die meisten Menschen mit einem vollen Stundenplan und mehr Hobbies, als sie in einem Leben unterbringen können, werden verstehen was ich meine.;)
Der Plan ist also regelmäßig ca. eine Stunde an meinen zu kurzen Wochenenden für die Bewegungskunst zu investieren, ohne sich dadurch irgendwie gestresst oder verpflichtet oder unter Erfolgsdruck gesetzt zu fühlen. Hat für heute (Tag 1) schonmal funktioniert *juhu*!;)

An sich ist Tai-Chi eigentlich perfekt geeignet sich nicht gestresst zu fühlen, zumal wenn man es entweder schon kann, oder mit HomeTrainer ganz ohne Termindruck praktizieren kann. Dazu muss ich allerdings in meinem ersten Praxisfazit mal Folgendes festhalten: Trotz der durchaus positiven Kritiken, die dieses Lehrvideo bei Amazon und Ebay so bekommt, für Anfänger ist das leider AB-SO-LUT nicht geeignet! Ich will ja nicht behaupten, ich wäre der Crack schlechthin, aber in den paar Jahren, die ich zumindest unter freundschaftlicher Anleitung ein paar Formen gelaufen bin, habe ich zum Glück schon ein paar grundlegende Dinge gelernt - zum Beispiel über die prinzipiellen Bewegungsabläufe, Sinn und Zweck mancher Bewegungen etc.
Ohne dieses Vorwissen hätte ich glaube ich das mit der 37er Fächerform gleich wieder sein gelassen, denn die einzelnen Bewegungen werden im "Detail" Bereich zwar mehrfach, auch langsam, wiederholt, sind mir aber a) teilweise immer noch zu schnell und werden b) eigentlich kaum kommentiert. Also muss man sich aus den 3 Wiederholungsläufen für jede Bewegung fast jede Kleinigkeit (und die sind ja nun manchmal eben doch entscheident) selber zusammensuchen: Wo macht welcher Körperteil gerade was und wie fließt das dann in einer Bewegung zusammen?

Nachdem ich die irritation darüber überwunden hatte, dass man fast keinerlei "Bewegungserklärung" an die Hand bekommt, konnte ich mir das zumindest für mich zufriedenstellend zusammenreimen, aber als Anfänger wäre ich komplett hilflos gewesen - ab und zu wird zwar mal erwähnt auf welchen Fuß gerade das Gewicht liegt, ansonsten beschränkt sich der Audiokommentar aber leider oft auf Dinge wie "Jetzt laden wir den Fächer mit unserer erdbezogenen Enegie auf und machen unsere Präsenz spürbar."
Ja. Danke. Es hätte mir mehr geholfen, wenn man mir mal eine Rechts-Links Hilfe an die Hand gegeben hätte, denn dann hätte ich nicht die ersten 30Minuten mit dem falschen Bein angefangen und bei Position 3/37 nicht völlig perpelex festgestellt, das die Bewegung so gar nicht funktionieren kann...

Wie gesagt an dieser Stelle kam mir zu Gute, dass ich aus langer Erfahrung wusste, wie sich Bewegungsabläufe im Tai-Chi aufbauen und ablaufen und dass ich irgendwo was falsch gemacht haben musste, wenn sich eine Bewegung plötzlich total verkrampft und falsch anfühlt. Wie gessagt, hier war es die prinzipielle Rechts-Links Schwäche, die noch erschwert wird dadruch, dass man ja den Fernsehbildschirm eigentlich Seitenverkehrt kopiert. Zum Glück fallen solche Dinge schnell auf, bevor sie sich einfahren können, aber ärgerlich fand ichs trotzdem, vor allem, weil ich erstmal 10Min wie die Kuh vorm Berg stand und den Fehler suchen musste.;)

Fazit also bisher: Die DVD bemüht sich zwar, aber der Audiokommentar ist mir zu schwach, die Bewegungsstudien könnten noch ausführlicher sein (und vor allem könnte beides zusammenkommen und tatsächlich mal ERKLÄREN was da grade passiert, statt es nur 3-4x zu ZEIGEN) und für Anfänger ist das nichts. Wenn man sich erstmal durchgewurschtelt hat - heutiges Pensum Figur 1-3 von 37 und das hat schon mehr als eine Stunde gedauert! - macht das dann auch wieder Spaß.
Nur hatte ich leider völlig vergessen wie sauanstrengend das ist, alter Falter war ich fertig mit der Welt!!! Meine Oberschenkel werden mich morgen umbringen und mein Handgelenk sicher auch...aber ein bißchen Schwitzen hat ja noch niemandem geschadet!;)

In diesem Sinne einen entspannten Sonntag euch allen!

Reaper Man

Und dann zur wissenschaftlichen Abhandlung, gleich noch was Entspannsames hinterher - das nächste Hörbuch (nein, das habe ich nicht in einem Tag gehört, die Rezi zum Letzten hab ich nur zu lange verschleppt):
Reaper Man von (ratet mal;) Terry Pratchett, gelesen von (wie könnte es anders sein) Stephen Briggs


Mir ist durchaus bewusst, dass meine Hörbuchliste für Pratchett-Verweigerer ein wenig langweilig sein muss, aber da kann ich leider nichts dran ändern (ihr könntet euch ja auch mal einen Literaturgeschmack zulegen! *duck*;)). Nichtsdestoweniger ist aber meiner Meinung nach Reaper Man wirklich ein Buch, das nun wirklich kaum noch was mit Fantasy und dafür ganz viel mit ewigen Weiheiten zu tun hat.

Mir persönlich gefällt vor allem die Hintergrundmythologie um Tod und Azrael und der - auch in anderen Büchern durch präsente, aber hier doch irgendwie dominierende - philosophische Tonfall des ganzen Haupthandlungsstrangs, der von der unheimlichen und unheimlich witzigen Geschichte um das Larvenstadium eines Einkaufszentrums wunderbar komplettiert wird.;)

Insagesamt eins von Pratchetts einfallsreichsten und tiefsinnigsten Büchern, das von mir 5von5 Mähdreschern bekommt.
And remember: What can the harvest hope for, if not for the care of the Reaper Man?

Propaganda im JustauCorps

Ich gebe es ja ungern zu, aber ich habe nicht alle Bücher gelesen, die so auf meinen diversen Examensbibliographien aufgetaucht sind - oder zumindest habe ich sie nicht so gelesen, wie es ihnen zugekommen wäre.;)
Manchmal muss man eben Prioritäten setzen und - gerade für mündliche Prüfungen - auch das mentale Fassungsvermögen berücksichtigen. Man (bzw. ich;) kann sich nicht immer alles merken, grade in Geschichte...
So kommt es, dass ich erst letztlich auf die Idee kam einigen dieser Bücher, die leider im Maelstrom der ganzen Magisterlernerei untergegangen sind, ein wenig nachträgliche Aufmerksamkeit zu widmen.
Den Anfang macht heute damit eine interessante Abhandlung von Peter Burke: Die Inzenierung des Sonnenkönigs
Man kann sich vielleicht vorstellen, warum so ein spezialisiertes Thema im Lernprozess zum Sammelsurium "Ludwig XIV" ein wenig zu kurz kommen muss. Aber gekauft habe ich es mir trotzdem, denn an sich finde ich es sehr interessant wie sich Methoden und Mechanismen verändern - oder gleichen!

Auch wenn ich mir den alten Ludwig zum Einschlafen neben das Bett gelegt habe (sorry, Sonne macht albern;), habe ich mich aktiv gegen das Label "Bettleküre" entschieden, denn hier findet man wirklich kaum noch Zugeständnisse an ein Amateurpublikum und sollte sich daher dieses Buch nur dann kaufen, wenn man a) schon ein wenig Vorkenntnisse in europäischer Geschichte hat und/oder b) sich WIRKLICH für die barocke Versailles Theaterkulisse interessiert. Ich sage das nicht, um meinem Akademiker-Vorurteil zu entsprechen und nicht-Historiker von historischen Abhandlungen fernzuhalten, sondern nur, um zu verhindern, dass mich irgendwann entrüstete Rückmeldungen erreichen, wie ich denn ein so verklausuliertes, komplexes Buch als Nachttischlektüre empfehlen könnte! Tue ich hiermit nicht, aber ein gutes Buch ist es trotzdem!;)

Auch wenn ich der Meinung bin, man kann auch wissenschaftliche Abhandlungen ein ganz klein wenig weniger akademisch verfassen - ja, ich bin eine Schande für die Wissenschaft, aus Überzeugung!;) - und ein klein wenig mehr berücksichtigen, dass sich vielleicht nicht alle Menschen mit Absolutismusforschung auskennen, muss ich doch sagen, dass ich viele interessante Erkenntnisse von Herrn Burke übernehmen werde.
Was mir besonders an dieser Art von Kulturgeschichte gefällt, ist der durchaus weitgefasste Ansatz: Hier fließen munter Mediengeschichte, Herrschaftsforschung, Soziologie, Numismatik, Literatur- und Theaterwissenschaften zusammen und es wird tatsächlich versucht ein umfassendes Gesellschaftsbild zu konsturieren, in dem ein solcher Personenkult tatsächlich funktionieren kann.
Besonders interessant sind dabei auch gerade die vergleichenden Seitensprünge zu anderer großen Herrschern/Diktatoren und deren Propaganda.
(Besonders schön: Im Gegensatz zu beispielsweise der "ewigen Jungfrau" Elisabeth I. durfte Ludwig auf seinen Porträts "diskret altern" und wurde irgendwann sogar zahnlos dargestellt. Alles eine Frage der Interpretation, denn natürlich hat er seine Gesundheit und seine Lebenskraft nur seinem Land geopfert, man muss das nur richtig hinbiegen!;)

Auch für Freunde einer eher gegenwartsorientierten Geschichte müsste zumindest das interessant sein - überraschend viele "moderne" Herrscher wollen nämmlich immer noch Alexander der Große oder Herkules, die Sonne oder Mars oder sonstwer sein - Zeiten ändern sich, Menschen eher weniger!;)
Und natürlich ist auch die Anti-Propaganda eine große Freude - damals waren politische Karrikaturen tatsächlich noch witzig, da durfte man sich nämlich noch völlig politisch-unkorrekt über persönliche Verfehlungen lustig machen. Mein persönlicher Liebling hier ist das Bild von einem alten Cäsar, der in einem Streitwagen von seinen 4 Frauen vom matschigen Schlachtfeld gezogen wird...Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!;)

Insegesamt vergebe ich für meinen intellektuellen Lesespaß, der an einigen Stellen für mich aber weniger akademisch vollgestopft hätte sein dürfen, solide 4 von 5 Ehrenmedallien!

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